Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Demenz" werden angezeigt.

Rückschritt. Und nein, kein Asylthema

Mit zunehmendem Alter häufen sich die Fälle der Menschen in der näheren und weiteren Umgebung, die von der Demenz befallen sind. Befallen? Ja, denn diese Krankheit ist hinterrücks, schleicht sich an, befällt den Betroffenen an Leib und Seele und saugt die Kräfte über einen langen Zeitraum aus. Für meinen Vater war immer eines klar: "Wenn ich mal in ein Heim muss, dann bringe ich mich vorher um!" Diese Aussage, oft von ihm getätigt, hat mich immer wieder geschockt. Heute, knapp zweieinhalb Jahre nach seinem Erlösungstod, wünschte ich mir, er hätte die Möglichkeit gehabt, seinem Leben vor der schlimmen Phase ein Ende zu bereiten. Wer der Meinung ist, er kann dieses Ableben bei Demenz selbst steuern, dem sei gesagt, dass er sich sofort am Anfang, bei der ersten sicheren Diagnose, entleiben sollte. Danach mahlt die Maschinerie der Entmündigung und der Pharmaindustrie. Wer eine Waffe besitzt, muss diese abgeben. Wer unter Aufsicht steht, der hat auch keine Chance mehr, selbstg...

Plötzlich 70 und erwachsen

Manchmal mag es vielleicht so rüberkommen, als wäre meine Mutter trottelig oder gar lebensunfähig. Das hat vielleicht früher mal zu einem Teil zugetroffen. Aber, seit mein Vater erkrankt war, sie sich dem Leben in der ganzen Härte stellen musste, hat sie sich gewandelt. Geboren in den Kriegswirren in Berlin, mittendrin, in einer gutsituierten Familie. Der Vater, also mein Opa, welchen ich nie kennengelernt habe, war wohl während der Nazizeit ein hohes Tier bei der SS und ist in den letzten Zügen des Krieges mit der Familie nach Coburg geflohen. Leider wird dieser Teil der Familiengeschichte komplett totgeschwiegen. Interessanterweise hat er danach die Ortsgruppe der FDP(!) maßgeblich beeinflusst. Irgendwo liegt sogar noch ein Telegramm vom damaligen Parteichef zu seinem Tod herum. Bei der Flucht über Polen ist meine dritte Tante geboren worden, also kann dies schon von daher kein Zuckerschlecken gewesen sein, meine Tante kam im Winter, am ersten Weihnachtstag zur Welt. Zwischendur...

Wenn das Lachen verschwunden ist.

Meine Mutter war heute bei mir, gemeinsames Mittagessen, was selten vorkommt. Irgendwie brauchen wir beide unsere eigenen Refugien. Wenn dann aber ein solches Ereignis eintrifft, dann bedrückt einen von uns etwas. Und so war es heute auch. Während ich mich mittlerweile mit allem recht gut abgefunden habe (OK, Sonntag war es sch....), leidet meine Mutter im Moment sehr unter ihrer Makula. Händchenhalten hilft da meistens, heute aber nicht. Bis dann die Sprache auf meinen Vater kam, war die Stimmung irgendwie anders als sonst.  Erstmals haben wir über das gesprochen, was wir beim Tod meines Vaters gefühlt haben. Während meine Mutter damit gerechnet hat, kam dieses Ereignis für mich sehr überraschend. Das war für ich der Anlass, endlich die ganzen Dinge aufzuschreiben, von den ersten Auffälligkeiten Mitte der 2000er Jahre bis zu seinem Tod. Und dazu gehören auch die Fotos, die sein Leben dokumentieren. Dabei hapert es deutlich an solchen Lichtbildern, eines zeigt ihn als Junge...

So´n Kommentar da...

Kommentare kommen immer mal wieder herein, mal erfreuliche, mal weniger nette, manchmal auch Spam. Bisher 5.953 Kommentare und Unmengen an Spam. Und manchmal versucht ein bestimmter Kommentator, sich mit seinem Kommentar und dem Link zu seiner Seite einzuschmuggeln. Da habe ich keine Lust darauf, denn, wer mich einmal von der Seite anquatscht um Quote zu machen - ich muss ja nicht. Dieser Tage dann hat mich ein Pseudonym/Beauftragte(r) oder was auch immer angeschrieben, mit einem Kommentar zu " Löffel abgeben ist teuer ". Da ich bei Artikeln zu meiner Gesundheit, dem Gesundheitswesen im Allgemeinen oder Dingen rund um www.restaurant-kritik.de mit solchen Kommentaren rechne, war ich also vorgewarnt. Die Frage war nur, dieses Mal wieder löschen oder veröffentlichen? Ich habe mich dafür entschieden, den Kommentar nicht nur nicht in den Kommentaren untergehen zu lassen, nein, ich werde diesen hier beantworten. Warum auch nicht. Und ich werde auf vermeintliche Spitzfindigkeiten ...

Der letzte Apfel

Bei uns läuft fast täglich ein altes Paar am Haus vorbei. Er redet dabei leise mit ihr, führt sie an der Hand. Ein für mich rührendes Bild von Glück im Alter. Vor ein paar Wochen haben wir erfahren, dass sie wohl krank ist, sehr schlecht sieht und den Beginn einer Demenz zeigt. Beide sind Anfang 80, haben kurz nach dem Krieg geheiratet. Ob sie Kinder haben ist nicht bekannt, aber sie leben in einer kleinen Wohnung in unserer Nähe und versorgen sich selbst. Heute am Nachmittag war es wieder mal soweit. Ich stand am offenen Esszimmerfenster, mit Blick auf den Garten. Dort steht ein einzelner Apfelbaum, der jetzt im Herbst sein Laub abwirft. Ein nicht allzu alter, aber sehr niedriger und unansehnlicher Baum. Mal trägt er fünf Äpfel, mal nur drei. In diesem Jahr nur ein einziger. So, als wolle er uns sagen: Lasst es mich im nächsten Jahr noch einmal versuchen, ich strenge mich ja an. Und dieser Apfel bleibt hängen und entwickelt sich weder vorwärts noch rückwärts. Kein Fleck auf seiner...

Lebensabend

Juli 2011 Oktober 2011 Intime Bilder. Und doch haben wir uns dazu entschieden, diese in das Internet zu setzen. Einmal um zu zeigen, dass eine Vorsorge für das Alter und die damit zu erwartenden Krankheiten immer wichtiger wird. Mein Vater hat bis vor drei Jahren noch aktiv Fußball in einer Altherren-Mannschaft gespielt. Nur wenige Monate später wurde dann eine aggressive Demenz, Richtung Alzheimer diagnostiziert. In diesem Mai dann auch noch Parkinson. Spasmen in den Händen sie die Folge, auch Schluckhemmungen und viele andere Sachen mehr. Eigentlich ist nicht viel mehr als der Hirnstamm einigermaßen intakt, welcher die rudimentären Lebensfunktionen aufrecht erhält. Mein Vater wollte nie so enden, hat immer davon gesprochen, vorher freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Eine Chance, diesen Plan in die Tat umzusetzen hatte er keine mehr. Erstens kommt die Krankheit schleichend, zweitens wird diese von den Betroffenen oft verdrängt. Und als drittes ist es dann so gekommen, das...

Ich kann das nicht!

Eigentlich wollte ich die Bilder, die ich von meinem Vater seit dem Beginn seiner Krankheit gemacht habe, in eine chronologische Reihenfolge bringen und hier einsetzen. Für die Menschen, die mit seiner Krankheit nichts anfangen können. Für die Menschen, die uns regelmäßig fragen, wann er wieder nach Hause kommt. Für die Menschen, die uns beschimpfen, dass wir ihn in ein Heim abgeschoben haben und nun die Rente einstecken. Für die Menschen, die ihn besuchen, "da rausholen" und "zur Not auf den Schultern wieder nach Coburg tragen" wollen. Und für die wenigen Menschen, die ihn besuchen und mit Alkohol auftauchen. Ob in der Flasche oder in Süßigkeiten. Das werde ich nun nicht machen. Zu sehr hat mich heute erschüttert, wie schlimm es um meinen Vater steht. Jetzt, beim Sichten der Fotos, ist in mir der Entschluss gereift, dass er das bestimmt nicht wollen würde. Einer meiner letzten Dienste an ihm wird wohl nun sein, dass ich ihn nicht in einem Zustand zeige, in den er...

Epileppi aber Happy?

Dieser Spruch war in meiner Teenagerzeit sowas wie die vielen anderen dummen Sprüche - unüberlegt und dem Zeitgeist geschuldet. Was das eigentlich bedeutet, hat doch keinen interessiert. Heute hat uns die Bedeutung mit voller Wucht getroffen. Unser Sorgenkind, mein Vater, hatte am Freitag einen Anfall. Zwar nur einen leichten und einseitig, aber dann doch. Heute haben wir davon erfahren, der Arzt hat uns aufgeklärt, dass bei seinem Krankheitsbild (Alzheimer und aggressive Demenz) diese Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit rapide eine Verschlechterung erfahren wird. Was im Umkehrschluss bedeutet: noch mehr Medizin. Im Moment wird mit relativ leichten Tropfen entgegengewirkt, aber die Hoffnung auf Heilung oder zumindet einen Stillstand dieser zusätzlichen Belastung wurde uns gleich wieder genommen. Was muss dieser Mann noch alles aushalten? Es tut sehr weh, seinen ehemals kräftigen und mannhaften Vater so hinsiechen zu sehen. Und niemand kann ihm helfen. Zum geistigen Verfall kommt...

Gunther Sachs ist tot - Freitod als Ausweg vor Alzheimer?

Gunther Sachs ist tot. Naja, ist halt so, zumal er seine Hochzeiten hauptsächlich vor meiner Geburt hatte. Und geglänzt hat er wohl dadurch, dass ihm die Frauen zu Füßen lagen. Wie auch immer. Gestern dann ist es erstmals als Gerücht durch das Internet gegeistert. Selbstmord. Warum? Konnte noch niemand sagen. Heute dann hat die Familie im Rahmen einer Pressekonferenz auch den Abschiedsbrief veröffentlicht. Die Rede in diesem ist von der unheilbaren Krankheit A. Alzheimer? Der Schluss liegt nahe, denn er hat in selbigem Brief auch Symptome aufgezeigt, die teils schon vorhanden sind, teils noch nicht - aber zum Krankheitsbild gehören. Es klingt vielleicht grausam, aber der Herr Sachs hat das Einzige getan, was in solch einer Situation für mich verständlich ist. Er hat sich bei freiem Willen und in der Lage noch klar zu denken das Leben genommen. Wer hier ab und zu mal mitliest, der weiß, dass mein Vater an Alzheimer-Demenz erkrankt ist. Noch dazu an einer Form, die sehr schnell for...

Demenz und das Verhalten Anderer

Die Diagnose Demenz ist ja nun schon eine Weile her, der erste Schock hat sich verzogen. Nähere Bekannte wissen Bescheid, die Freunde sowieso. Freunde... Das ist so ein Thema für sich, wenn man krank ist, nicht mehr so agieren kann wie früher - und vor allem keine Feste mehr feiert, auf denen sich ein jeder durchfr..... Egal... Wenn die Sonne im Leben tiefer steht, dann zeigt sich, wer wirklich dein Freund war. Die oberste Regel in der Familie ist nun "Nachsicht walten lassen" geworden. Und eine einigermaßen feste Struktur, die Sicherheit bietet, hilft auch bei der Tagesbewältigung. Dabei lassen wir möglichst viele seiner alten Gewohnheiten einfließen. Z. B. das tägliche Kaffeetrinken zur Frühstückszeit mit den alten Freunden. Klappt gut, nur der Transport hin und zurück muss organisiert werden, macht aber - wenn man es mit den eigenen Interessen verknüpft - kaum Aufwand. Was die Familie komplett neu lernen musste in kürzester Zeit, ist, dass nun für den ehemaligen Chef einer...