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Lebensabend

Juli 2011
Oktober 2011

Intime Bilder. Und doch haben wir uns dazu entschieden, diese in das Internet zu setzen. Einmal um zu zeigen, dass eine Vorsorge für das Alter und die damit zu erwartenden Krankheiten immer wichtiger wird.

Mein Vater hat bis vor drei Jahren noch aktiv Fußball in einer Altherren-Mannschaft gespielt. Nur wenige Monate später wurde dann eine aggressive Demenz, Richtung Alzheimer diagnostiziert. In diesem Mai dann auch noch Parkinson. Spasmen in den Händen sie die Folge, auch Schluckhemmungen und viele andere Sachen mehr. Eigentlich ist nicht viel mehr als der Hirnstamm einigermaßen intakt, welcher die rudimentären Lebensfunktionen aufrecht erhält.

Mein Vater wollte nie so enden, hat immer davon gesprochen, vorher freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Eine Chance, diesen Plan in die Tat umzusetzen hatte er keine mehr. Erstens kommt die Krankheit schleichend, zweitens wird diese von den Betroffenen oft verdrängt. Und als drittes ist es dann so gekommen, dass er eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie über sich ergehen lassen musste, um an den Medikamenten eingestellt zu werden. Und ab da war keine Sekunde in seinem Leben mehr eigenbestimmt, eine Möglichkeit zum Suizid nicht mehr gegeben.

Warum er nicht eher etwas unternommen hat? Er hat - wie auch wir - nie geglaubt, dass sein Ende so beschaffen sein würde. Leid, Schmerz, Inkontinenz, Bewegungsunfähigkeit, Fasernahrung durch den Bauchnabel. Hätte ich geahnt, was auf ihn zukommt, vielleicht hätte ich ihm den Notausgang ermöglicht. Jetzt ist es zu spät.

Ein weiterer Grund, warum wir diese Fotos online stellen ist, dass noch immer Anfeindungen und Vorwürfe laut werden, wir hätten meinen Vater "weggesperrt", würden uns nun, nachdem er "ausgedient" hat, von seinem Vermögen leben. Und viele Menschen fragen, warum wir ihn nicht nach Hause holen, damit er wieder früh in die Stadt kann. Einer seiner "Kumpels" hat sogar gegenüber meiner Mutter geäußert, er würde in Kutzenberg ein Gespräch mit ihm suchen, ihn aus der Depression holen und wieder nach Hause bringen. Wörtlich: "Und wenn ich ihn auf den Schultern nach Coburg trage...!"

Zudem ist sein Vermögen - und auch Teile, die meiner Mutter gehören, unter der Aufsicht der Betreuungsbehörde. Wir dürfen also im Monat aus dem "Vermögen", welches wir verschleudern, monatlich zwischen 1.500 und 1.700 Euro zuzahlen. Nicht Gesamtkosten, Zuzahlung!! Wer nachrechnet, der kommt im Mittel auf um die 19.000 Euro im Jahr. Dazu kommen die erhöhten Aufwendungen für die Nebendinge der Pflege wie spezielle Kleidung, Zuzahlungen zur Arznei, Fahrtkosten, Gutachten und und und... So eine Krankheit ist also der wahre Luxus.

Und die Zahlungspflicht endet natürlich nicht damit, dass das "Vermögen" aufgebraucht ist. Sollte meine Mutter nicht zahlen können, dann müssen wir Kinder einspringen. Prima Zukunft. Wer noch immer Zweifel an der Richtigkeit der Unterbringung hat, noch immer denkt, wir können meinen Vater einfach so in ein Auto setzen und in die Stadt fahren lassen, der ist gerne eingeladen, ihn zu besuchen. Adresse und Station ist bei mir per eMail zu erfahren. Und: er ist immer vor Ort. Versprochen!

Kommentare

  1. ...

    ... ich möchte mal wissen, wieviele von seinen Freunden/Sportkollegen ihn seit seiner Erkrankung/Krankheit schon besucht haben. ... derer werden es wahrscheinlich nicht soviele sein, wie diejenigen, die den Mund aufmachen und nicht wissen, was es heißt, einen kranken Menschen betreuen zu müßen. ... und wie sehr das an einem selber zehrt, den einst starken Papa/Mama etc. Stück für Stücke gehen zu sehen, ...

    LG,
    Pupe

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  2. Unfassbar. Wirklich. Das können die lieben, lieben Zeitgenossen ja gut, immer ihren Senf dazu geben, obwohl sie keine Ahnung von nichts haben. Ich selbst kann auch nur erahnen, dank Deiner Offenheit lieber Löfffel, wie schrecklich dieser Zustand für Euch und für Deinen Vater sein muss. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber jeder, der ach so schlaue Kommentare abgibt wie das Abschieben, den möchte ich gern sehen wie er reagieren würde, wäre seine Frau oder sonst ein nahe stehender Mensch in einem solchen Zustand. Ich wünsche Deinem Vater, dass er bald seinen Frieden finden kann und ihm weiteres Leid erspart bleibt. Euch wünsche ich weiterhin die unglaubliche Kraft, die Ihr täglich aufbringen müsst. Ich bin der Meinung, Ihr habt nach bestem Gewissen gehandelt.

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  3. Bei dem Fotos kommen mir die Tränen... Danke, dass Du sie eingestellt hast.

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  4. Pupe, Du weißt, wie schwer so eine Pflege ist. Und ich habe täglich mehr Respekt vor dem Pflegerpersonal. Eine Meinung dazu haben viele Menschen, besucht haben ihn bisher venau vier von seinen Freunden. Na, er ist doch erst seit zwei Jahren im Seniorenheim.

    brisy, solche Kommentare gibt es doch immer. Ich denke einfach, dass die Leute das auch nicht wissen können. Woher auch, wenn man nicht in dieser Situation ist, beschäftigt man sich nicht mit dieser Krankheit. Danke für den Zuspruch. Kraft habe ich bisher daraus geholt, weil ich gehofft habe, irgendwann darf ich Marlies wieder in meine Arme schließen. Seit Montag weiß ich, dass sie das endgültig nicht mehr will. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll, meine Kraft ist wie weggeblasen.

    Die Fotos sind übrigens von 07/2011 und von Gestern.

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