Direkt zum Hauptbereich

Schlemmen in Dinkelsbühl - Der "Eisenkrug"

München, Zwischenstation Aalen, Heimfahrt nach Coburg. Da meldet sich der Magen. Ach, was schreib´ich? DIE Mägen. Von einem Besuch bei der Vanille-Lady habe ich noch im Hinterkopf, dass wir kurz durch DKB gefahren sind. Damals hat mich diese Stadt schon gereizt, heute, mit etwas mehr Hunger, noch mehr.

Blinker recht, ab von der Autobahn, ein paar Kilometer Landstraße, als es pünktlich zur Einfahrt in das Städtchen beginnt zu regnen. Was für uns heißt: Möglichst nah an der Gastronomie parken. Und siehe da, ganz hinten in der Dr.-Martin-Luther-Straße ist noch ein einsamler, einzelner Parkplatz frei. Diese Chance nutzen wir und nehmen das erstbeste Restaurant in einer Straße, welche über und über an Auswahl bietet. Der "Eisenkrug" soll für diesen Abend unser Betrauter in Sachen Leibesfülle sein.

Ein paar Stufen aufwärts, vorbei an der Rezeption, rechter Hand befindet sich der Tresen. Wir fragen nach zwei Sitzplätzen und bekommen einen positiven Bescheid. Platz nehmen dürfen wir an einem schön vorgedeckten Tisch, bekommen beim ersten Kontakt mit dem Service eine gepflegte Karte ausgehändigt. Innen finden wir wenige, aber sehr gut klingende Speisen. Wir entscheiden uns für folgende Küchenorder:

1 Teinacher Mineralwasser 0,25 Liter zu 2,10 € (Literpreis 8,40 €)
1 Spezi 0,4 Liter zu 3,40 € (Literpreis 8,50 €)
1 Ritterspieß zu 14,90 €
1 Hirschgulasch zu 13,80 €

Die Getränke sind angenehm gekühlt, was wir von Besuchen in München leider nicht immer sagen konnten. Scheinbar ist es ein Problem, Getränke passend zu temperieren, denn wir bekamen entweder fast tiefgekühlte oder stattdessen brühwarme Flüssigkeiten. Im Eisenkrug passt das.

Nach einer angenehmen Wartezeit kamen dann folgende Speisen:
Der Ritterspieß. Schweinefilet, Räucherauch, Senfsoße, Bratkartoffeln.
Hirschgulasch, Haselnussspätzle.

Beginnen wir mit dem Gulasch. Ich für meinen Teil mag kein Wild mehr, seitdem ich in einer Gastronomie im Coburger Land die mir zugeteilte Portion wieder hochwürgen musste. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass es meinen anderen Kollegen auch so ging. Alleine der Geruch von Wild hob mir den Magen an. Doch mit diesem Besuch sollte es wieder anders werden. Meine Begleitung hatte sich die Portion bestellt, diese sah beim Einheben erst gar nicht so opulent aus, doch erwies diese sich größer als das Loch im Magen. Dieser Duft... Und es kam, wie es kommen musste - meine Begleiterin war satt, noch bevor der Teller geleert wurde. Dies geschah unter andauernder Bekundung, dass es eine der besten Speisen rund um Wild jemals sei. Auch die Spätzle wurden ausgiebig gelobt, die Soße in den Himmel gehoben. Ich wurde neugierig. Wenn ich dann neugierig bin, dann hält mich nichts zurück. Den anfänglichen Ekel (gegenüber Wild, nicht dieser Speise) überwunden, durfte ich es auch spüren.

Butterzartes Wild. Mit einem milden Geschmack, den Wild mit sich bringt, ohne aufdringlich oder gar penetrant zu sein. Hervorragend abgestimmt auch die Soße, in der der Hirsch dargeboten wurde. Perfekt die Spätzle dazu, von denen ich ausgehe, dass diese hausgemacht sind, abgerundet mit einem Buttergeschmack und für das Mundgefühl unter Zugabe von gemahlenen Haselnüssen. Kleiner Tipp an den Koch: Etwas weniger nehmen, dafür die viel aromatischeren aus der bayrischen Zucht. Diese sind zwar deutlich preisintensiver, adeln aber jedes Essen, in denen sie Verwendung finden. Aber das ist jammern auf sehr hohem Niveau.

Mit meinem Spieß hatte ich leider nicht ganz so viel Glück. Das Schwein "schweinerte" leicht. Erst dachte ich, dies wäre die Schuld des Fleisches, aber als Schuldiger konnte der verwendete Bauch ausgemacht werden. Kann passieren, sollte man aber als versierter Koch erkennen und dem Kunden nicht vorsetzen. Im Umkehrschluss hätte ich mir dafür gewünscht, dass die Soße deutlicher nach Senf schmeckt. Pefekt im Gegenzug die Bratkartoffeln. Knusprig, mit Speckwürfeln, gut gewürzt, mit etwas Kräutich fein niveliert.

Unser Fazit: Sehr nettes Personal, eine wunderbar gediegene Gaststube. Essen auf gutem Niveau mit kleinen Schwächen, Preise in ertäglichen Regionen. Wir für unseren Teil werden demnächst wieder kommen und dort einen Tag ausklingen lassen. Einen Tipp noch anbei: Zumindest an einem Samstag sollte eine Reservierung erfolgen, denn während unseres Besuches mussten einige Gäste abgewiesen werden, unser Platz war sofort nach dem Verlassen wieder besetzt. Auch ein gutes Zeichen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

90 Minuten Ruhe und Entspannung

Bild: Eingangsbereich zum Bad in Bad Staffelstein

Piscina. Ich war überrascht, dass ich zu meinem Geburtstag einen Gutschein für einen Aufenthalt im Piscina bekommen habe. Mir war der Begriff bis dato nur als kirchlicher bekannt, bezeichnend für das Handwaschbecken in Kirchen. Einfach zu Reinigung.

Bild: Die Piscina

Und die Assoziation war nicht einmal so falsch. In oben genannten Gutschein-Fall ist Piscina etwas erweitert zu sehen, und zwar als Becken, in welches man Wasser füllt - und eben wieder ablässt. Dieses Piscina befindet sich in dem der Klinik Bad Staffelstein angeschlossenen Bad. Unseres, wir hatten das mit der Nummer eins, wird durch eine Art Schleuse betreten, die gleichzeitig auch als Umkleideraum fungiert. Da diese nur durch einen einfachen Fallriegen zu verschließen ist, empfehlen wir, Wertsachen im Auto zu belassen.

Die Piscina selbst ist komplett gefliest, helle, freundliche Farben, zwei Schalen mit Kerzen sorgen für eine gewisse Grundstimmung, eine eigene Dusche sowie z…

Vorbei.

Dies ist der 2689. Post hier in meinem Blog. Und auch der Letzte.
Wie Ihr sicher bemerkt habt, ist die Schreiberei seit dem 02.09.2014 hier deutlich weniger geworden. In der letzten Zeit habe ich kaum noch aus meinem Leben erzählt.

Ich danke Euch für die Jahre des Lesens, ich danke für die tausenden Kommentare von Euch, ich danke für die Bekanntschaften hier, aus denen teilweise auch Freundschaften entstanden sind.

Ich danke Euch für weit über 400.000 Klicks, die Hilfen, den Zuspruch, den Disput, den Konsens und auch dafür, dass der Blog mich über schlechte und schlechteste Zeiten gebracht hat. Der Blog hier war eine zeitlang mein Leben. Ein großer, wichtiger Teil.

2016 hat sich als Arsch erwiesen, ich weiß nicht genau, wie es weitergehen wird, aber es sieht so aus, als bräuchte ich meine Kraft nun im wahren Leben.

Lebt wohl und sagt niemals nie. Außer hier und heute.

Ich drücke Euch fest und bleibe
Euer Holger


P.S.: Bitte habt Verständnis dafür, dass ich hier auch keine Moderation …

Ragout Fin - der Convenience-Test

Mitte der 70er Jahre im 20. Jahrhundert war es ein Edel-Essen auf jeder besseren Party; Ragout Fin. Ich kann mich noch daran erinnern, wie meine Mutter diese -damals noch recht teuren- Blätterteigförmchen gekauft hat. Und drei Tage vorher wurde uns das Maul schon wässrig gemacht. Zumindest haben mich diese Teilchen auf Anhieb überzeugt. Eigentlich mehr der Inhalt, den ich auch Heute noch gerne esse. Zeit, einen Test zu veranstalten, nachdem in der letzten Zeit immer mehr dieser Convenience-Produkte auf den Markt kommen.

Im Test befinden sich Aufwärm-Produkte von verschiedenen Discountern, teils auch Aktionsware wie das Produkt der Marke Sodergarden, hergestellt von Tulip. Zwar sind diese nicht immer zu bekommen, einen Geschmackstest kann man ja trotzdem machen. Natürlich völlig uneigennützig... Erwärmt werden die Produkte jeweils auf 60° Celsius, um eine Basis für die Vergleiche zu haben. Gemessen werden die Temperaturen mit einem Digitalthermometer, um eine Überhitzung und somit Beei…