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Herr Löffel, Sie müssen.....

Ich MUSS gar nix. Aber sowas von gar nix, dass es fast schon weh tut.

Da sitzt also der Besuch im Sessel und bekommt dieses süffisante Lächeln. Und es bricht heraus: "Herr Löffel, sie MÜSSEN(!!!) uuuunbedingt mal Austern probieren. Ich sach´ ihnen - ein Traum!"

Mag sein, dass es für den Herrn Neureich in meinem Popohalter ein MUSS ist, für mich nicht. Und auch für viele andere Menschen nicht, mit denen ich mich darüber unterhalten habe. Ich wage jetzt mal die These, dass die Neureichs und die Möchtegerns dieser Welt einer Auster eher zugetan sind, als die, die es sich locker mehrmals am Tag leisten könnten. Kann ich mir zwar nicht leisten, aber ich sehe auch nicht ein, dass ich etwas essen soll, was ich nur zu mir nehme, weil es teuer und hip ist. Ich mag das nicht mal probieren, auch wenn ich mir sicher eine einzelne Auster leisten könnte.

Frage an den Herrn neben mir auf der Feier der Möbelbarone vor Jahren: "Na, keine Austern? Schnittchen vom Buffet?" Er: "Gehnse mir weg mit dem Zeug. Das haben wir in den 70ern gegessen. Heute esse ich, was schmeckt, nicht was erwartet wird." Und dann erklärt er mir, dass er davon zwar auch satt werden würde, aber dass diese Dinger, wie er sie nennt, nach nichts oder nur wenig schmecken. Bestenfalls würde das Meerwasser in der Schale einen salzigen Geschmack haben. Oder das Tabasco oder die Zitrone darüber. Ne, das ist nicht seins. Die Anderen nicken zustimmend. Und einer der neuen Reichen lässt verschämt eine Schale verschwinden unter seiner Serviette.

Und wie wurde ich angeschaut, weil ich keine Gänsestopfleber mag. Nicht mal mehr probieren. Hab ich schon, einmal. "Ach, der Herr mag wohl nicht, wie die produziert wird?" Klar, das ist leicht und kann man gerne unterstellen. Nix Gourmet, Gourmand. Na, was solls, damit kann ich gut leben. Aber in der Realität mag ich die Konstistenz von Leber nicht. Nicht die vom Rind, nicht die von der Sau und eben auch nicht die gestopfte und widernatürlich angeschwollene von der Gans. Leberwurst - ja. Leberknödel - auch ja. Das schmeckt anders und ich merke das Schwammige nicht. Und bitte - ich habe Leber schon in totgebraten, medium und fast roh (ekelhaft....) probiert. Ich mag es nicht. Wenn es jemand mag, mit Stampf, mit Apfel und Zwiebel, als Eintopf, wie auch immer - es sei ihm gegönnt. Ich MAG es NICHT und das wird auch so bleiben. Ich lasse mich da nicht missionieren. Mir geht das auf den Sack. "Waaaaaas???? Das isst du niiiiiicht????"  Nö.

Nein, ich mag es einfach nicht. Oder magst du mein Eiererdbeermarmeladenbutterbrot mit Salz? Ich kann das verstehen, also bitte akzeptiere auch, dass ich auch kein Bries mag. Nicht, weil es eine Drüse ist, wie mir oft unterstellt wird. Ich mag die Konsistenz nicht. Und ja, ich weiß, dass es kein Hirn ist.

Ich mag auch kein gebackenes Hirn. Und ich mag auch keinen Blutauflauf. Milchbrüh heißt das bei uns in der Region. Und es ist mir auch egal, dass nach dem Krieg die Leute froh waren, sowas zu essen zu haben. Ich habe anderes Essen, ich muss glücklicherweise nicht essen "was andere auch essen". Und schon gar nicht, wenn es mir nicht schmeckt oder ich es ekelig finde. Dafür mag ich die Steckrübe, die eben meist die Leute als "Kriegsessen" verweigern, die mich unbedingt zur Milchbrüh zwingen wollen.

Ach was.... Ekel ist anerzogen und die kleinen Kinder essen auch Regenwürmer? Na bitte, gerne. Wenn die das mögen, ich mag es nicht. Und auch wenn manche Sachen als ekelig anerzogen sind - sie sind ekelig. Warum soll ich  mich überwinden? Nur weil DU das isst? Geh einfach weiter, friss das, was ich ekelig finde, ich esse dann das, was mir schmeckt und übrig bleibt.

"In Afrika machen die sich aus Fliegen Burger. Ich habe das im Fernsehen gesehen. Und du magst nicht mal die frittierten Mehlwürmer hier?" Nein, die mag ich nicht. Erstens ekelig (anerzogen, dafür danke ich meinen Eltern!), zweitens Schädlinge in unseren Breitengraden (ich würde Mehl mit einer solchen Besatzung entsorgen!), drittens kann ich in den Laden gehen und ein Stück zusammenhängendes Rind mitnehmen und braten; wenn ich Lust habe, mache ich daraus einen Burger. Viertens WEISS ich, dass die Viecher pures Protein sind. Sollte ich einmal davon zu wenig haben, dann kann ich gerne mehr Hühnchen essen. Und als Letztes - schau mir in mein Gesicht. Sagen Dir da irgendwelche Starkpigmentierungen, dass ich anderes Essen als in Europa üblich gewohnt sein könnte?

Nächste Stufe: Nahrungsnazis. "Waaas? Du isst...... (hier irgendwas einsetzen)?"
Ja, siehst Du doch. Und ich bin mir bewusst, wie das angebaut oder gezogen oder gehalten wird. Und ja, ich akzeptiere das. Natürlich habe ich manchmal auch ein schlechtes Gewissen, weil das Schwein nicht immer beim kiffenden Ficken im Stall tot umgefallen ist. Ganz entspannt. Aber ich habe bei meinem Essen meist einen größeren Anteil an Gemüse und Sättigungsbeilagen dabei. Warum, fragst Du? Weil sich da mein Gewissen regt? Ne, ich mag einfach Sahne und Butter. Und die lässt sich prima an warmes Gemüse schmiegen oder unter ein Kartoffelpüree quetschen.

Hör mal, du militanter Veganer - hast Du schon mal überlegt, dass Dein Essen auch von weit her eingeflogen wurde? Vielleicht mussten dafür keine Tiere eingesperrt werden. Du weißt aber schon, dass es außerhalb von Europa gang und gäbe ist, Kinderhände zur Ernte zu Hilfe zu nehmen? Schau mal, die bessere Zukunft für Deine Körnerkinder erkaufst Du also mit dem Leid von Kindern auf anderen Kontinenten. Klar, Du hast Recht. Das ist besser. Besser, dort wegzuschauen? So wie ich hier bei Schlachthöfen und der Tierzucht? OK, akzeptiere ich. Weil es eben Deine Sicht auf Essen ist. Meine Sicht ist eine andere und bitte akzeptiere die auch. Und falls Du nun meinst, mich mit Gruselbilder aus einem Schlachthof zu schocken, die entweder in Takatukaland oder im Deutschland kurz nach dem Krieg aufgenommen wurden - dann muss ich Dir leider sagen, dass ich als Kind bei Hausschlachtungen dabei war. Und ich habe auch schon Wurst selber gemacht. Natürlich weiß ich auch, dass das süße Gesicht des Schweinchens (Maske nennt das der Metzger) gekocht und fein gemahlen als Bindung in meiner Wurst ist. Also dann, wenn es für mich gut läuft. Könnte ja auch sein, dass es sich um Industriewurst mit Chemie als Ersatz handelt.


Soll doch jeder essen was er mag, ich werde da niemanden versuchen, etwas vorzuschreiben. Und nicht alles was auf dem ersten Blick gut und erstrebenswert aussieht, ist es auch. Beim Essen gilt mehr als woanders: Jeder für sich.

Kommentare

  1. ...und übrigens: Austern SIND eklig. Salzig und glibberig - Geschmack gibt es keinen. Ich weiß das nur, weil ich ein einziges Mal dazu eingeladen wurde.
    Mein Fazit: Sowas Ekeliges nehm ich auch nicht geschenkt. Örks.

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    1. Sieste.... Ich fand das schon schlimm, da mal drauf zu drücken. Puh....

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    2. ... gut, hab mich schon immer drum gedrückt.
      Danke, jetzt bin ich sicher dass ich richtig gehandelt habe.

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  2. Jedem das Seine......unterschreibe ich sofort.
    Und die ewigen Bekehrer sind nichts anderes als Extremisten.
    Ich persönlich mag Austern gerne. Sowohl roh, als auch gratiniert. Und ich bereite sie selber zu. (Und ich bin weder neu-, noch altreich.
    Ich mag auch Leber in jeder Form (ausser roh).
    Aber schämen dafür, nöööh.
    Eher beschämend finde ich diese Austern-Schnittchen-Sekt-Events bei denen sich die Leute selber in die Tasche lügen.
    Da würde ich gerne mal hingehen und aus der Brotbüchse ein Leberwurstbrot oder ne Käsestulle (würzig) holen und mich dann "nett" unterhalten.

    Wie schon eingangs erwähnt, jedem das was er mag und was ihm schmeckt. Fertig.

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    1. Siehste, SO ist das in Ordnung. Du isst Leber und Austern - weil es Dir schmeckt. Und versuchst trotzdem nicht, andere Leute dazu zu nötigen.

      Die Idee mit der Brotbüchse - das hat Charme :-)

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  3. Jau hat es. Ich würde jedes Austern-Kaviar-Champagnerbüffet für ne anständige Wurststulle und nen süßen Rotwein stehen lassen. Wirklich. Meinetwegen auch ein leckeres Pils. Und ich bin auch ein Konsistenzesser. Darum würd ich nicht mal versuchen, eine Auster zu probieren *schüttel*. Oder Kalamaris. Ich liebe andererseits Mozzarella, bei eher wenig Eigengeschmack eine heeeeerliche Konsistenz ;-) Und ja, jede/r soll doch essen, was ihr/ihm schmeckt. Missionieren will ich auch niemanden, aber sagen dürfen was einem schmeckt oder eben nicht darf man schon. Finde ich.

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    1. Kaviar hab ich mal probiert. Geht so. Champagner - mag ich nicht, da schmeckt mir zu sehr die Hefe durch. Dann lieber ein fränkisches Weizen ;-).
      Mozzarella ist abhängig davon, wo der her kommt. Der Kuhmozzarella, den finde ich wirklich ohne Geschmack. Der vom Büffel ist gut. Am besten schmeckt mir der, der in einem Laden in Bamberg direkt vor den Augen der Kunden frisch selbst gemacht wird. Und dann der mit der Sahnefüllung... Hachmach....

      Wir stimmen ja auch selten überein, was uns so schmeckt, aber es klappt ja trotzdem. Solange wir keine WG bilden ;-)

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  4. Völlig richtig diese Einstellung - und eigentlich sollte sie auch ganz normal sein. Wie kann man denn jemandem ein bestimmtes Gericht "aufzwingen" wollen? Wozu das? Einen Vorschlag machen - klar. Mal erzählen, warum einem selber ein bestimmtes Essen gut schmeckt - auch okay. Aber aufdrängen? Sowas ist m.E. schlechtes Benehmen. Ich selbst esse auch manches nicht, was viele Leute gern mögen. Marmelade - mir zu süss. Honig - gleiches Problem, mag ich nur verarbeitet in geringen Dosen. Dampfnudeln, Milchreis, Milchgries - nicht meins. Auch mit Innerereien möge man mir fern bleiben, was zugegen eher Kopf- als Geschmackssache sein mag. Warum auch nicht? Dafür esse ich gern Kapern, Oliven, Auberginen und eingelegtes Gemüse. Ich würze mit Chili, massig Knoblauch und trinke einen Schluck Zitronen- oder Limettensaft auch gern mal pur. Ich mag halt scharf und sauer. Und ich mag Gemüse, Käse und Fisch viel lieber als Wurst, Fleisch und weißes Brot. Dafür will ich mich weder rechtfertigen, noch drücke ich anderen Leute diese Ernährung auf. Und auf Sätze, die mit "Sie müssen..." anfangen, reagiere ich sowie wie eine Eiskönigin;) Deswegen "mag" ich Gespräch mit Versicherungsvertretern auch so sehr...

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  5. Und der vorletzte Abschnitt spricht mir so aus der Seele, du glaubst es nicht.
    Ist das Zauberwort nicht : Toleranz?
    Jeder wie er will.

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  6. Ach ja, vergessen, das mit dem Käse.
    Du meinst Burrata.
    #Kann man sich reinknien.

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    1. Gerhard, Essensdinge sehen wir ja sowieso oft zumindest gleich. Und ja, Burrata. Wollte noch nachsehen, wie das heißt. In meinem Alter vergisst man schon mal was. Ach weh.

      Wenn Du mal wieder durch das Frankenland fährst, denk´ mal bitte daran, dass ich Dir die Adresse nenne.

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