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Kurz vor 2.00 Uhr morgens - warum ich?

Ich habe so ziemlich alles, an dem mir im Leben gelegen hat, geschrottet, mit Bravour an die Wand gefahren oder erst gar nicht bekommen. Da male ich nicht schön, das muss ich reell sehen, ist so. Und trotzdem bin ich seit gut eineinhalb Wochen doch recht zufrieden und mit dem Leben versöhnt.

Bis. Ja, bis heute um kurz vor 22 Uhr ein Anruf kam. Eine mir unbekannte Rufnummer, deren Inhaberin, wie es sich herausstellte, über einen gemeinsamen Freund durch eine Indiskretion an meine kam. Am Telefon eine Sie, die ich bisher nur flüchtig kennengelernt habe. Sozusagen nur eine Randnotiz in meinem Leben.Was sie auch bleiben wird. Aus Gründen...

Zurückgelassen nach den knapp 248 Minuten Gespräch - in dem ich meistens, was nicht meine Art ist - der stille, zuhörende Part war, sitze ich hier, versuche meine Gedanken zu ordnen und kann nicht an Schlaf denken. Es schwirrt und arbeitet. Ein kleiner Exkurs in die Grausamkeiten dessen, was ein Mann einer Frau antun kann, seelische Verstümmelung trifft es wohl am Besten, wurde mir aufgezeigt. Und ich, der ich bisher nur den Namen und den Wohnort dieser Frau kannte, weiß wohl nun so ziemlich alles aus ihrem Leben. Tragik ohne Ende. Mit der Tendenz, selbstzerstörerisch zu sein und bewusst das Falsche zu wählen. Oder warum hat eine Frau immer und immer wieder den Drang, zu einem Mann zurückzukehren, der sie körperlich misshandelt, wenn er getrunken hat und seelisch deformiert, wenn er klar denken kann?

Und warum kommt diese Frau zu mir, klagt ihr Leid und sorgt so dafür, dass ich mich nun irgendwie verantwortlich fühle, sie aufzubauen und den Mülleimer zu spielen? Irgendwie habe ich keine Lust, dies zu tun. Und trotzdem wird es wohl wieder darauf hinauslaufen, dass ich verstört und verwundert auf der Strecke bleibe. Dazu habe ich keine Ambitionen. Nicht mehr.

Ich glaube, ich werde ihr sagen, dass sie eine professionelle Hilfe braucht und mich selbst fragen müssen, welche Signale ich aussende, dass schon wieder einmal eine Frau zu mir kommt, um Beistand zu suchen. Ausgerechnet zu mir.


Kommentare

  1. Mal sehen, wenn Du so gut im zuhören bist, werde ich mir mal Deine Nummer auch irgendwo notieren.
    Vielleicht kannst Du auch mich gut aufbauen :-)))

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    1. Die Nummer hast Du doch schon lange. Bitte Nummer ziehen und hinten anstellen.
      Und - hahaha... - DU musst nicht aufgebaut werden.

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  2. Weißt Du, was ich denke? Die Signale, die man aussendet, sind das eine. Das andere aber ist die Abgrenzung, die man selber schaffen muss.
    Ich meine, was bewegt einen im Grunde fremden Menschen, jemanden in der Nacht anzurufen und diesem die ganze verkorkste Lebensgeschichte zu erzählen?? Man kann einfach nicht jedem Menschen helfen, und schon gar nicht dann, wenn man selbst dabei ausbrennt. Dann muss man den anderen sanft, aber bestimmt ausbremsen und darauf hinweisen. Ihm nicht 248 Minuten lang zuhören und für den Rest der Nacht keine Ruhe mehr finden.
    Nachdem ich nach Jahren des seelisch-moralischen Beistands mancher neverending stories fast völlig ausgebrannt war, handhabe ich es seit etlichen Monaten so, dass ich abends mein Haustelefon ausschalte und bei Anrufen auf dem Handy auch sehr genau abwäge, ob ich sie annehme oder nicht.


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    1. Das mit dem "Ausbrennen" habe ich schon hinter mir. War keine schöne Zeit. Seither sorge ich aber dafür, dass ich da schon rechtzeitig den Strich ziehe, wie weit ich mich wofür engagiere, alleine schon aus Selbstschutz. Früher war das nicht so, da ging es nur darum, immer zu funktionieren.

      Was die Frau bewegt hat? Sie hat gesagt, dass sie sonst niemanden kennt. Und das mit dem Telefon ist eben auch so ein Problem. Die Festnetznummer ist nur vier Personen bekannt, das bleibt auch so. Das Handy lasse ich aber an, weil das die Nummer ist, die meine Mutter immer anwählt. Und die war gestern um diese Zeit unterwegs. Naja, da könnte ja sein, dass es ein Notfall ist. Also? Richtig - rangehen. Glaube mir, ich war mehr als überrascht, musste auch erst mal den Namen einem Gesicht zuordnen. Und jetzt hoffe ich einfach mal, dass das eine einzelne Aktion war.

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  3. Mein unmaßgeblicher Kommentar?
    Zu Deinem letzten Satz in der Kommentarantwort:
    " Es irrt der Mensch, so lang es lebt "
    Wetten?

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    1. Darauf entgegne ich Dir: "Die Hoffnung stirbt zuletzt!" :-)

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