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´s Leben geht weiter.....

Dummer Spruch, aber stimmt. Das Leben geht wirklich weiter und manche Dinge werden eben nun notwendig. Dinge, auf denen man zwar schon so oft herumgedacht hat, aber die man irgendwie mit einem "neeeeee...., jetzt noch nicht!" aufgeschoben hat.

Valentinstag-Abend, 14.02.2013

Realisation

Eben noch bin ich einer der glücklichsten Menschen auf Erden. Ich habe mit der Vanillelady telefoniert.
Das Handy liegt neben mir, ich warte darauf, dass es kurz läutet, mein Signal, dass sie nun zuhause angekommen ist und alles soweit erledigt hat. Nur kurz wollte ich, damit sie sich erholen kann von ihrem schweren Job. Und am Wochenende sieht man sich vielleicht, da gibt es so viel zu erzählen. Oder einfach schweigen und in die Glotze zu schauen, die Filme ansehen, die wir gemeinsam verpasst haben - eben weil wir telefoniert haben. Manchmal erschrecke ich, wie viele Dinge wir gemeinsam mögen; oder auch nicht mögen. Und ich bin fast den Tränen nahe, als ich zur Begrüßung ihre Stimme am Telefon höre, die sich mit einem kleinen Lied für den Blumenstrauß bedankt. Muss lachen, weil sie wieder so süß ist. Karten zum Valentinstag? Brillianten? Materielle Dinge sonstwelcher Coleur? Alles würde ich geben, wäre diese Stimme für immer um mich herum. Aus den paar Minuten, die ich denke, dass wir telefonieren, werden wieder über zweieinhalb Stunden. Ach ja, eigentlich telefoniere ich nicht unbedingt gerne. Meist nur ein paar Minuten. Vielleicht zeigt da, wie gerne ich.....?

Als wir auflegen ist es nach 22 Uhr. Ich bin bleiern schwer müde, keine Ahnung, warum dies so ist. Ein paar Minuten noch auf der Couch, dann gehe ich ins Bett. Gleich....  als die Augen wohl zufallen. Ich muss noch einmal an das Lied denken, in mir wird es warm. Und irgendwie fühle ich mich müde aber sehr wohl. Nur ein paar Minuten die Augen zu machen. Mit dem Bild von der Vanillelady vor dem geistigen Auge schlummere ich hinüber.

22.50 - exakt. Keine Ahnung, warum ich als erstes auf die Uhr schaue. Meine Mutter kommt ohne anzuklopfen in mein Wohnzimmer. Macht sie seit dem Auszug der Ex nicht mehr, das ist eines der Dinge, die sich gewandelt haben seither. Ich werde wohl nie vergessen, wie der Schlafanzug ausschaut. Ferrariroter Nickizweiteiler. Mit einer Micky-Maus vorne drauf. Warum ich mir ausgerechnet das merke? Ohne ein Wort zu hören wird mir klar, dass es vorbei ist. Mit ihm. Noch bevor sie etwas sagt, kommt mir zwei Mal ein "Nein!" über die Lippen. Von Ruhepuls auf Herzschlag. Die Gedanken rasen und ich hüpfe von einer Sache zur anderen. Tot! Der Tod! "Es ist eine Erlösung für ihn. Nein, so darfst Du nicht denken. Doch, für ihn war es gut so. SO wollte er nicht leben. Ach, das war kein Leben mehr. Er ist tot. Hmmm... Einfach weg. Du siehst ihn nicht mehr. Prima, dass Du in seiner letzten Hochphase noch einmal zu Besuch warst. Ob er mich erkannt hat? Warum wollte er meinen Namen nicht sagen, als ich dort war. Er hat auf meinen Bauch gestarrt. Ob er wusste, dass ich es geahnt habe? Wir haben uns nicht umarmt. Naja, haben wir ja noch nie. Er ist tot. Wann wird er starr werden? Zwei Stunden.... Dann wieder weich. Ob er schon Flecken hat? Die Vanillelady hat mir so viele Fachbegriffe beigebracht in der letzten Zeit. Infundiert.... Lustiges Wort. Man, Dein Vater ist tot, gestorben. WOW. Einfach weg. Ob er hier um dich herumschwirrt? Hab ich nicht mal gelesen, dass eine Seele von einem verstorbenen Menschen drei Jahre auf der Erde bleibt, von einem Selbstmörder ist sie sieben Jahre gebunden? Ab wann zählt das? Und wer bestimmt das? Oh man, was da wieder zu regeln ist. Ob er Schmerzen hatte? Ach ne, er hat ja Infusionen bekommen. Hmmm... und jetzt? Nein, ich glaube nicht an verbleibende Seelen... Ach, die Rose hatte doch Recht. Man, nur die schlechten Dinge treffen ein, meine Silvestersache? Da hat sie wieder versagt. Von wegen... Die erste Nachricht, dann erkennt sie im Jahreslauf dass.... Jetzt ist er tot."

Die Mutter setzt sich. Sehr geschockt ist sie nicht, konnte sich mittags bei ihrem Besuch verabschieden. Ganz ruhig und bewusst. Warum ist sie nicht an seiner Seite geblieben? Und warum hat sie dieses Mal nicht gesagt, dass es so schlimm um ihn steht? Das übliche dumme Gelaber, welches mich so sehr auf die Palme bringt. Als ob der Mann, mit dem sie fast 50 Jahre verheiratet war, ein Geschäftsvorgang ist. Zumindest hat sie ein paar Tränen für ihn. Vom Tod ihrer Mutter habe ich in einem Nebensatz erfahren, nur weil ich nachgefragt habe. Mir ist nun irgendwie bewusst, dass sie nur wenig mehr empfindet als damals, als sie die Hunde zum einschläfern brachte. Das haben wir auch nur so nebenbei mitbekommen, als es schon zu spät war. Schutzfunktion oder die Kälte, die wir bei ihr vermuten? Ich sollte sowas nicht denken, aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob sie weint, weil der Ernährer weg ist oder ob sie etwas wie Trauer empfinden kann. Ich weiß es wirklich nicht. Auch meine Schwester wird es mir später nicht beantworten können, als wir uns nach dem Termin beim Bestatter alleine unterhalten.

Tränen

Mein erster Impuls war: du musst jetzt reden, ruf´ die Vanillelady an. Es ist spät, sie braucht den Schlaf. 23.00 Uhr, nein, das mache ich nicht. Von der Übernachtung bei ihr weiß ich, dass sie das Handy nicht hört, wenn sie schläft. Ich entscheide mich dazu, ihr eine SMS zu schicken. Einfach nur "Mein Vater ist eben gestorben!". Ich weiß nicht warum, sie ist der einzige Mensch, den ich informieren will. Sie hat meinen Vater nie kennengelernt. Er hätte sie sicher gemocht. Kaum ist die SMS weg, denke ich mir, dass es keine gute Idee war, wenn sie früh als erstes von mir so eine SMS anstatt einem Morgengruß bekommt. Mist, aber weg ist weg. Als das Telefon auch schon klingelt. Sie hat die SMS erhalten und gelesen. Ich höre ihre Stimme und die ersten Tränen kommen, ich kann kaum sprechen. Nur kurz, dann ist es wieder vorbei. Und mein Kopf ist mit einem Mal leer. Keine Worte. Keine Gedanken. Keine Bilder. Der nächste Gedanke ist: "Was tust du dieser Frau an?" Mir wird klar, dass ich hier einen Menschen im Moment mit einer Situation überfordere, die ich selbst kaum überreißen kann. Ich danke ihr und verabschiede mich. Sie ist so nett zu mir und ich tue ihr so etwas an.

Der Fernseher läuft die ganze Zeit ohne Ton. Anschalten. Zappen. Raab erscheint passend, da braucht es keinen klaren Gedanken, um zu folgen. Die kreisen abwechselnd um den Tod und die Vanillelady. Ich hoffe, dass ich sie nicht zu sehr geschockt habe. Und ich frage mich, warum ich den Tod meines Vaters nicht gespürt habe. Ich weiß es nicht....

Freitag, 15.02.2013

Pflichten

Kurz nach Mitternacht ist der erste Schock überwunden, die klaren Gedanken kehren zurück. Hier ist er wieder, der klare und aufgeräumte Holger, der normalerweise den Überblick nicht verliert und erst sachliche Entscheidungen trifft, die getroffen werden müssen. Für Panik ist später Zeit. Wir sind uns einig, dass wir eine Beisetzung nur im engsten Familienkreis wollen. Von seinen Freunden erfährt nur der von seinem Tod, der auch bis zum Schluss bei ihm war.

Fast 40 Jahre Fußball, Freundschaft, geschmissene Feiern, ein rauschendes Fest zum 60. Alle waren da. Alle, die gerne Bier und gutes Essen mögen. Auch der morgendliche Kaffeestammtisch. Und besucht hat ihn eine Handvoll. Anfangs. Nach dem Anstandsbesuch kam niemand mehr. Nur der eine Freund. Tja, nichts zu holen, kein Freibier, keine ganze Sau, die gefressen (nicht gegessen, da wurde gefressen!) werden kann, nur ein Mensch, der sich über einen Besuch gefreut hätte. Diese Menschen wollen wir auch nicht auf seinem letzten Weg dabei haben. Für mich ist der Gedanke unerträglich, dass bei diesem "Leichenschmaus" erst geheuchelt, dann gesoffen und gelacht wird. Kann jeder sehen, wie er mag, ich mag das nicht. Noch nie. Und ich werde damit auch jetzt nicht anfangen. Ob mein Vater das so wollte? Ich glaube schon. Nicht um das Geld ist es uns schade, einfach diese Doppelmoral ist es, die zumindest mich von solchen Veranstaltungen schon immer fern hält. Einmal habe ich das mitgemacht, als Kind. Mein Onkel war durch einen Unfall ums Leben gekommen, die Familie in Tränen aufgelöst und die "Kumpels" haben sich den Rest mit Bier und Schnaps gegeben, zotige Witze erzählt und gegröhlt. Ab diesem Tag waren solche Veranstaltungen für mich erledigt.

Der Mensch wird zur letzten Aktennummer

Freitag, 12.30 h ist Termin beim Bestatter. Mal wieder, ich kann mich nicht daran gewöhnen, will das auch nicht. Meine Schwester muss arbeiten, ich weiß eigentlich, dass sie keine Lust auf solche Dinge hat, meine Mutter ist damit überfordert. Auch ich will nicht entscheiden müssen, wie mein Vater entsorgt wird. Wie früher auch, kann ich auch heute noch Emotionen abschalten und sachlich entscheiden. Meine Mutter lässt da nur einfließen, was wohl die Anderen machen würden. Ich bin nicht die Anderen, werde das auch nicht sein. Will das nicht sein. Mein Vater war ein pragmatischer Mensch. Ohne Schnörkel. Und für ihn hat immer nur der Preis gezählt. Ich bin mir sicher, müsste er seine Beerdigung heute bestellen, ein weinender Bestatter bliebe zurück und er würde wohl in einer Papiertüte den Weg in den Ofen finden, in dem ein paar Teelichter brennen. So werde ich auch entscheiden - in seinem Sinn. Verschwendung war ihm immer zuwider. Muss ich da ein schlechtes Gewissen haben? Ich denke nein. Meine Grabstelle habe ich bereits gekauft. Der billigste Platz im Ruheforst. Es ist bestimmt, dass nur die einfachsten und minimal notwendigsten Dinge verwendet werden. Gäbe es die Möglichkeit, einen Abdecker für mich zu bestellen, warum nicht? Für mich wäre das in Ordnung. Keine Erben, keine Grabpfleger, warum irgendwo jahrelang in der Erde vermodern müssen oder mit viel Energieaufwand verbrannt werden? So ein blödsinniger Totenkult.

Therapie/Ablenkung

Wenn ich nicht schreibe, dann bewältige ich Stresssituationen mit Kochen. Essen muss ich und ich habe mir geschworen, nicht mehr aus Gram oder aus Bequemlichkeit in den damaligen Duktus der Essfaulheit zurück zu kehren. Das Lager ist voll, Zeit, für eine Ablenkung zu sorgen. Zudem verweigert die Mutter die Nahrungsaufnahme, hier heißt es: vorbeugen, sonst darf ich wieder mit den Folgen leben. Zur Not wird eben zwangsernährt. Aber, wie ich meine Mutter kenne, wenn Sie frisches Essen riecht, sagt sie nicht nein. Heute also: Lachs mit Nudeln. Nicht der, den sie macht, mit Pilzen aus der Büchse und Ketchup-Sahnesoße

Gebratenes Lachsfilet auf gefärbten Bauernschinken-Nudeln

Zutaten:
- 2 Lachsfilets á ca. 125 g
- 250 g Nudeln
- 200 g Sahne
- 1 Zwiebel
- 4 Scheiben Bergbauernschinken, roh, geräuchert
- 1 Schnapsglas Noilly Prat
- 1 Tl. Tomatenmark
- Salz
- weißer Pfeffer, frisch gemahlen
- 1 El. Curcuma
- 1 Tl. Paprikapulver rosenscharf
- 1 Tl. Dillspitzen
- 1 El. Butter
- 2 El. Olivenöl

In einer beschichteten Pfanne das Olivenöl moderat erhitzen, die Zwiebelwürfel (fein geschnitten) darin anschwitzen, Curcuma, Pfeffer, etwas Salz zugeben, bis es sich leicht am Boden absetzt. Mit dem Noilly Prat ablöschen, Sahne aufgießen und eine halbe Tasse Wasser dazu. Kurz aufkochen, Dillspitzen zufügen und in einer Schüssel zwischenlagern. Den klein geschnittenen Schinken unterrühren und ziehen lassen.

Wasser mit dem Paprikapulver und etwas Salz aufkochen, Nudeln zugeben, garen lassen. Ich verwende dazu die gleiche Pfanne vom Ansatz oben, bin da etwas bequen (aber vorher ausspülen, bitte!). Sobald diese noch leichten Biss haben abseihen und unter die Soße rühren.

Wieder die gleiche Pfanne nehmen, bei mittlerer Hitze die Butter schmelzen lassen, die Lachsfilet zugeben, in der Pfanne die eine Seite leicht salzen, einmal wenden und auf der unteren Seite kurz mit hoher Hitze knusprig braten.

Auf Tellern anrichten und verspeisen. Guten Appetit!

Auf dem Festnetz hört die Mutter nicht, wäre auch zu schön, da könnte ich ja mal ein paar Cent sparen. Also auf in den Treppenaufgang, kurz rufen und die Mutter ist - oh Wunder - folgsam. Wenig Widerstand, als ich den Teller fülle.

Wenig später ist das gemeinsame Essen vorbei, meine Mutter ist nicht der Mensch, der sich mit einem Essen aufhält und sich unterhält. Kurz ein Check der Unterlagen, zumindest verbal. Ich wundere mich, warum ich keine Belege bekomme. Und warum schrillen die Alarmglocken schon wieder? Weil ich gut bin, meine Mutter kenne und ahne, was kommt. Der Ordner ist weg. Und wohin? Zur Steuerberaterin, um den Anspruch auf Sozialhilfe(!) ausrechnen zu lassen. Gut, ich überschlage kurz ihr Einkommen (nicht zu knapper vierstelliger Betrag im Monat) und die Ausgaben, die auf sie zukommen werden. Dies ist dann ein niedriger vierstelliger Betrag. Übrig bleibt also ein hoher dreistelliger Betrag, der für was auch immer auszugeben ist. Hmmmm... Die im Amt werden wohl lachen, wenn die ihr Ansinnen hören. "Aber die am Stammtisch haben doch gesagt...." Gesagt haben die, dass meine Mutter im Monat einen Anspruch von 1.550 Euro für ihren persönlichen Bedarf hat. Zur freien Verfügung, also für Lebensmittel und Tralala. Nicht für die Lebenshaltung allgemein. Zur Erinnerung: Haus und Autos sind bezahlt. Was übrig ist, ist zum ausgeben. Muhahaha.... Und die Differenz - nachdem alles bereits bezahlt ist, soll das Amt bezahlen. Ich erkläre ihr nun zum Xten Mal, dass da nichts zu holen ist, wäre ja noch schöner. Und dass auch der Steuerberater lachen wird, weil der eben Regiestunden aufschreiben darf. Ich verbuche das unter dem Konto "Sie hört nur, wenn es am Geldbeutel weh tut". Und doch fehlen die Unterlagen nun beim Bestatter. Prima gemacht.

12.10 h schreit es wieder im Flur. Wir müssen los. Wäre im Moment ein Problem, weil ich ohne Hosen noch lächerlicher aussehe als mit. Man sieht da eines meiner größten Mankos: meine Beine sind zu weit hinten angebracht. Und zum Bestatter sind es gerade einmal vier Minuten Fahrt. Hab ich Lust, so sehr zu früh zu kommen? Nein, habe ich nicht.

12.29 betreten wir dann den Raum bei dem Bestatter. Mal wieder. Formalitäten, einiges weiß ich vorher schon, so geht das recht schnell. Wie gesagt, Formalitäten. Bis meine Mutter meint, einschreiten zu müssen. Mit dem, was sie so "Smalltalk" nennt. Eigentlich sollte ich sowas nicht denken, schon gar nicht schreiben. Aber: ich schäme mich. Was ist eine Spritze, die sie am kommenden Montag bekommt, gegen den Tod meines Vaters? Mit Mühe bekomme ich das Thema wieder zurück zu den sachlichen Dingen. Kann diese Frau nicht einfach trauern, wie jeder andere Mensch auch? Muss sie immer im Mittelpunkt stehen? Und warum? Die langen Pausen der Fachfrau uns gegenüber nach den Monologen meiner Mutter zeigen mir, dass auch sie die Nase voll hat von so einer Zeitverschwendung. Sie ist Profi genug, dies zu überspielen. Ich habe dafür keine Nerven. Ich will dafür auch keine Nerven haben. Ich will wieder heim. Aufräumen, fernsehen, wischen, saugen, von mir aus auch bei Frost die Fenster putzen. Ich will hier weg. Bitte schnell. Soweit ist alles klar, es geht nun nur noch um das Aussuchen des Grabschmuckes und der Dinge, die mit meinem Vater zusammen verbrannt werden. Ganz ehrlich? Ich hätte überall ein Kreuz bei "billigste Variante" gemacht. Warum brauche ich einen Eichesarg in massiver Ausführung, wenn ich auch in einem einfachen Sarg abgefackelt werden kann? OK, wenn sie eine "Bessere Ausstattung" will, so soll es ihr Wille sein. Ich werde einen Teufel tun und da auch nur ein Wort darüber verlieren. Das wird sie später im Auto tun, ich werde mich darüber maßlos aufregen und doch ist alles wie immer.

Ein Thema ist die Zeitungsanzeige. Warum meine Mutter weiß, dass eh niemand die Presse und alle nur das Tageblatt lesen, das wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, aber auch hier ist sie die Chefin im Ring. Ruhe bewahren, lohnt nicht, sich aufzuregen. Ich denke bei mir, dass mein Vater da über uns wohl gerade am Rotieren ist, wie sein schönes Geld zum Krematorium herausgeblasen wird. Denn es ist nicht die einfache Annonce, die nach seiner Verbringung in die Urnenwand geschaltet werden soll, Zug um Zug kommt Wort um Wort dazu. Ursprünglich sollte nur ein kleiner Satz in der Anzeige stehen, ein schöner Spruch, dazu "Seine Ehefrau XXXXXX und seine Kinder XXXX und YYYY. "Ja, aber was sagen denn dann....?" Ich sage was ich denke, nämlich klipp und klar und mit deutlichen Worten, dass es mir am Arsch vorbei geht, was die Blagen machen, die uns drei Jahre lang mit Gerüchten das Leben schwer gemacht haben. Und die sollen neben meinem Namen auf dem letzen Dokument stehen, in dem mein Vater und ich zusammen genannt werden? Niemals. Von mir aus soll sie die Leiche weich auf handgezupfte Rosenblätter legen und den Sarg mit Blattgold verzieren lassen. Mir egal. Aber bei der Nennung der Schweinebrut zusammen mit mir - da streike ich. Und meine Mutter weiß, dass ich das ernst meine.

Wir einigen uns auf eine neutrale Formel und gut ist es. Ich versuche einen Scherz, fordere statt dem Kreuz sein geliebtes Rinderfilet-Steak und statt einem "Amen" ein "Eins geht noch!". Ich werde überstimmt, obwohl die Gravediggerin meint, das hätte doch zumindest Wiedererkennungswert.

Natürlich fehlen die Unterlagen, die meine Mutter im Original weiter gegeben hat (lernt sie auch nicht mehr) und ein paar andere Dinge. Die werden wir nachreichen. Nachdem meine Mutter schon wieder auf "die schwere OP" zu sprechen kommt (wir reden noch immer von einer Spritze!), verlasse ich den Raun. Ich kann es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr hören und mein eines Knie schmerzt, dass ich denke, da wohnen Ratten im Gelenk. Verdammte Stühle, bei denen bei einer normalen Sitzposition die Knie an den Ohren kleben. Mögen die Reichen manchmal auch Stil und Geschmack haben, diese Variante der Kapitalisten hat nicht Probe gesessen. Ich verabschiede mich vor die Tür. Luft. Frische, klare Luft.

Die Mutter kommt mit der Bestatterin vor die Tür, diese sieht irgendwie erleichtert aus. Kann ich ihr nicht verdenken. Nachdem meine Mutter noch kurz in das LKH läuft, kommt die Fachfrau zu mir, wir unterhalten uns kurz und ich bekomme einen Tipp, wo vielleicht eine Hilfe gegen meine Krankheit zu holen wäre. Zu Hause werde ich dann später googeln und feststellen, dass es sich um eine Heilpraktikerin handelt, die es vom Lebenden gerne recht großzügig abschneidet. Nachdem ich aber bereits mehrmals positiv auf diese Frau hingewiesen wurde, werde ich für den kommenden Montag einen Anruf zur Terminabklärung ansetzen. Zwar hat mich die Vanillelady dank ihres fundierten Fachwissens schon in eine richtige Richtung geschubst, aber ein mehr an Heilung kann nie schaden. Und zudem wollte ich sowieso ein großes Blutbild machen lassen. Warum dann nicht gleich alles auf einmal.

Kaka-Cake

Für 15 Uhr ist meine Schwester angesagt. Ich habe sie gebeten, ein paar Stücken Kuchen mitzubringen, damit wir im kleinen Familienrat ein wenig beraten können, wie es nun weiter gehen soll. Klappt ganz gut, bis wieder - wer ahnt es nicht - jeder zweite Satz auf die "schwere OP" kommt. Ich verliere kurzfristig die Beherrschung, danach sind die Stimmbänder angenehm frei und mein Tee schmeckt irgendwie zufriedener. (Keine Angst, die "schwere OP" kam trotzdem noch mehrmals.) Fast 18 Uhr ist es, als wir wieder auseinander gehen. Das Reden hat gut getan, wir sind uns weitestgehend einig, die Erinnerungen an meinen Vater lassen uns sogar schon erste Scherze machen. Tieftottraurig hätte er uns nicht sehen wollen, auch er hat eher dann getrauert, wenn niemand hingesehen hat. Eine Träne hat in seinem Auge nie jemand gesehen, wenn es um Trauer ging. Nach dem Treffen ist mir wohler, wir haben irgendwie unseren Frieden mit ihm gemacht, sehen alles ähnlich. Und wir sind nun nicht mehr nur traurig, wir sind froh, dass er nicht mehr das erleiden muss, was er so sehr gefürchtet hat.

Eine SMS an die Vanillelady, die in ihre alte Heimat kommt, die Reste der Kaffeetafel entfernt und die Erinnerungen des Tages eingetippt.

Stille. Und ein paar Gedanken an meinen Vater. Fernsehen zur Ablenkung und der Gedanke daran, die beiden Stückchen Kuchen auch noch zu essen. Die Vernunft siegt und ich bleibe einfach sitzen. Schließlich war das Stück vorhin schon ziemlich heftig. Eine irgendwie komprimierte Creme. Als die Vanillelady kurz das Handy klingeln lässt bin ich erleichtert. Das bedeutet: gut angekommen, nix passiert. Ich muss ein wenig lächeln, denn nun sagt das Handy ihre Anrufe nicht mehr mit ihrem Namen an, es sagt: "blau, dann grün". Erst verstehe ich das nicht, dann kapiere ich: anstatt die Namenszeile vorzulesen liest es die Notizzeile vor. Und da habe ich die Lieblingsfarbe notiert. Gut, nach dieser Aktion werde ich die wohl nun nie wieder vergessen. Ist auch was wert.

Samstag

Bangen, ob die Vanillelady kommen kann, sie hat einen anderen Termin. Prima, als die Email eintrifft, dass es klappt. Kurzer Check, ob ich auch was zu Essen kochen kann. Kann ich, ist ein klein wenig was am Lager. Sollte für zwei halbwegs gesättigte Menschen ausreichend sein. Basics fehlen, ich will eine Flasche Hefeweizen, dunkel, mitgebracht bekommen. Dafür muss ich nicht extra aus dem Haus, ich hole lieber Holz aus der Garage und sauge schon mal. Der Einkauf kommt zurück, meine Mutter stellt den Korb zu mir, ist auch noch ein wenig Zucker drin. War auch leer, brauchen die Gäste ganz schön, in letzter Zeit. Was solls, mein Verbrauch tendiert gen null. Komisch. Früher hätte ich das Zeug mit dem Löffel pur zu mir nehmen können. Na, ich beschwere mich da mal nicht :-) "Hefe dunkel haben die nicht gehabt!" Was mich wundert, weil eben gerade unser Brennpunkt-Discounter in Sachen flüssige Rauschmittel sehr gut bestückt ist. Korb wird ausgeräumt. Ein Würfel Hefe ist übrig. Na, da wird sie wohl wieder einen Kuchen backen wollen. Aber mit Hefe? Das ist neu. Meist gibt es den gefürchteten Käsekuchen.

Kurzer Anruf (Festnetzflatrate macht faul ;-) und Stille an der anderen Seite. "Aber du hast doch dunkle Hefe bestellt, die gab es nicht....!" Jetzt bin ich leicht verwirrt. Bestellt hatte ich eine Flasche Hefeweißbier (heißt bei uns Hefe) dunkel. Klar, dunkle Hefe gab es im Backfach nicht. Auch die Frau vom Discounter wurde gefragt, wusste ebenfalls nicht weiter. Dunkle Hefe hatten die noch nicht. Ach?  Anstatt einer Flasche Bier habe ich nun einen Würfel Backhefe. Kurze Überlegung, ob ich den in eine Flasche mit warmer Cola drücke. Entscheide mich dagegen aber für ein Brot.

Katzi-Brot.

- 400 g Mehl
- 1 Würfel Hefe
- 1 Tl. Zucker
- 1 Tl. Salz
- 1 Tl. Thymian
- 1 Knoblauchzehe
- 0,3 Liter warmes Wasser
- 5 Scheiben Bergbauernschinken
- 3 Stück sonnengetrocknete Tomaten (eingelegt)
- 1 Handvoll geraspelter Käse, bei mir ein Butterkäse
- 3 El. Öl (von den Tomaten)

Wasser mit Hefe verrühren, den Zucker zugeben.

Mehl, Salz, Thymian, Tomaten, Schinken, Käse und das Öl grob verrühren, sobald die Hefe aufgelöst ist, die Flüssigkeit auch zugeben, gut verkneten. Die Knoblauchzehe zerdrücken und ebenfalls zugeben.

Sobald sich der Teig von der Schüssel löst - Maschine abstellen und den Teig ruhen lassen. Mindestens eine Stunde bei Zimmertemperatur sollte er bekommen.

Nochmals kurz durchkneten, einen Laib formen und auf ein Backpapier geben. Wieder ruhen lassen, wieder eine Stunde Minimum. Je länger der zweite Ruhevorgang dauert, desto lockerer wird das Backergebnis. Der Länge nach ca. 1 cm tief einschneiden.

Im vorgeheizten Ofen (180°) eine halbe Stunde backen, herausnehmen und die Oberfläche mit kaltem Wasser bestreichen. Das Brot wieder zurück in den Ofen schieben und nochmals 25 - 30Minuten backen.

Heraus nehmen, wiederum mit Wasser bestreichen und im ausgeschalteten Ofen erkalten lassen. Schmeckt sehr gut als Amuse bouche oder mal so zum Fernsehen mit Kräuterquark.

Im Dippquark haben sich gefunden:

- 250 g Quark (25 %)
- 200 g Schmand
- 1/2 Zwiebel, klein geschnittene Würfel
- Salz
- 2 Knoblauchzehen
- Pfeffer
- 1 Msp. Paprika Rosenscharf
- 1 Tl. Speiseöl
- 1 Tl. Dillspitzen

Einfach verrühren, ein paar Stunden ziehen lassen, fertig.

Samstagabend

Die Vanillelady kommt. Ich mag zur Zeit nur wenig reden, sie versteht das, wir schauen ein paar Filme, reden nur wenig. Wie immer verfliegt die Zeit viel zu schnell. Und so machen zu können, worauf man Lust hat oder nicht - ist ja auch nicht das Schlechteste. Na, schau mer mal, ist ja noch Zeit, die sie hier verbringt. Ach ja, Zeit. Heute sind es auf den Tag genau zwei Jahre, dass ich in die Freiheit entlassen wurde.

Sonntag. Vormittag

Nachdem die Vanillelady gestern partout nicht bekocht werden wollte, steht im Kühlschrank nur ein wenig von den Lebensmitteln herum, die schnell und ohne Aufwand verkocht werden können. Wenn die Zeit mit einem Besuch schon knapp ist, dann soll die ja auch nicht in der Küche verblödelt werden. Obwohl ich schon viel Spaß dabei habe. So wird es eine Lende mit Gemüse, einer Teriyaki-Sauce und mit Käsegratin. Dazu einen profanen Basmati. Nachdem ich nicht mehr genau weiß, was da alles hinein kam, hier nur ein Foto davon. Gut wars.

Ersatzweise hätte ich auch Gulasch bekommen können. Aber, nachdem ich gerne Fleisch auch beiße und nicht nur durch den Strohhalm ziehen möchte (Gulasch LaMama: vier Stunden bei höchster Stufe gekochtes Schweinefleisch, somit komplett von Geschmack befreit, kein Scherz!)


LaSister und 2.0 kommen nach dem Essen zu mir in die Wohnung, um sich den WE-Kaffee abzugreifen. Kurzer Streit über die Sorte (z. E.: ich habe eine Tassimo mit Portionsausgabe, da kann jeder machen, was er/sie mag...), demnächst werde ich also nur noch eine Variante am Lager halten. 2.0 eröffnet mir, dass er mit dem neuen Handy (das Geld für das alte Handy hat meine Schwester mir noch immer nicht zurück gezahlt..) nun auch im Internet surfen kann. Und steigert mal eben auf ein paar hässliche Schuhe am Elektrostrand. Bekommt er nicht, ist glücklich darüber. Hmmm... Warum hat er dann geboten?

14:45.  Ich bin traurig. Nicht nur wegen meinem Vater. Kann und mag das hier nicht erklären, ist einfach so.

15:05. Die guten Frauen bekommen IMMER die Anderen ab. Und die machen sie kaputt. Danke. Arschlöcher, blöde.

Abends ruft dann die Vanillelady an, wir plaudern kurz, die Laune bessert sich. Irgendwie habe ich heute aus Frust alles weggefressen, was Zucker auch nur mal gesehen hat. Ich bin müde und kann trotzdem nicht schlafen. Viele Gedanken kreisen um meinen Vater und um die Vanillelady. Wird wohl Zeit, dass ich wieder  ein kleines Schutzschild um mich baue und die Sachen wegstecke. Emotionen sind blöd. Was bringt es, zu zeigen, was man empfindet? Nichts. Warum trauern Frauen den Arschlöchern nach? Da kommt man echt ins Grübeln, ob man die Frau des Herzens überhaupt mit dem Hintern anschauen soll. Scheinbar stehen Frauen darauf, verletzt zu werden und verlieben sich in die. Ne, dann lieber in mein Schneckenhaus zurück und gut ists. Da tue ich niemandem weh und für mich ändert sich auch nichts. Und morgen vermisse ich dann wieder eine bestimmte Stimme schon nach dem Aufstehen. Arrrggghh... Ich bin auch schwierig.

Und die Wahrsagerin? Kannste knicken. Klar, die negativen Dinge treffen ein. Jeweils auf die Woche genau hat sie den Auszug der EX (habe ich danach erfahren, ein paar Menschen wußten es vorher!) und den Tod meines Vaters und die Umstände drumherum ziemlich genau vorhergesagt. Gruselig. Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte ich vielleicht darüber lachen. Hmmm... Vielleicht ist da der Kaffeesatz bei den mich betreffenden positiven Vorhersagen gestört gewesen ;-) Und die ersten zwei Tage hat sich nur eine Frau gemeldet. Und 2.0 wohnt auch wieder bei meiner Schwester. Tsss...

Tag der Termine

Ich hasse es, Termine vereinbaren zu müssen, die mir aufgezwungen werden. Heute gleich mehrmals. Ganz früh ging es in das LKH. Nicht für mich, meine Mutter hatte einen Termin. Komisches Gefühl, vor dem Komplex zu stehen, in dem seit Tagen der tote Vater in der Kühlung liegt.

Ich warte im Auto, weil ich mich nicht in die Kantine setzen möchte. Die haben zwar ein gutes Frühstück, aber ich würde da heute wohl die Auslage komplett leerfressen. Also: Vermeidung durch Entzug der Möglichkeit. Ich kreisle mit dem Auto, warte auf den Anruf. Als der kommt verkrampft es sich schon wieder in mir. Ich weiß genau, dass meine Mutter mir gleich erzählen wird, dass sie ja gar nicht weiß, wie es weiter geht.(Hab ihr gesagt, sie soll zur Wahrsagerin, nicht mich nerven. Hat kein Wort darauf gesagt.)

Zwischendurch auf einem Parkplatz habe ich schnell die Termine vereinbart. Aussegnungshalle und Urnenbeisetzung, Besuch des Geistlichen bei meiner Mutter. Hurra, die Scheißwoche ist verplant.

Zu Hause angekommen verziehe ich mich in meine Wohnung. Denke so bei mir, dass die nun wirklich zu groß wird. Das ganze Haus. Mit den Kellerräumen zusammen müssen wir zu zweit nun Bodenflächen von etwas über 500 qm in Schuss halten. Ich denke mal, dass meine Mutter keinen Mann mehr sucht, auch meine Suche geendet hat. Was also mit so viel Platz anfangen? Eben. Kann mir schon gut vorstellen, was dann wieder erzählt würde, würden wir das Haus verkaufen oder vermieten: "Kaum ist er unter der Erde, wird alles verkauft...!" Dass aber so ein Haus für eine Frau über 70 und deren Sohn zu groß und zu viel wird, das mag ja wieder niemand sehen. Was solls, bin ich ja gewohnt. Hinten ist mein Hintern, an dem die mich lecken können. Bitte in die Schlange derer einreihen....

Kaum bin ich die Treppen hinauf gegangen (klappt täglich besser :-), klingelt es unten. Die Postfrau. Ich erkenne die Stimme und habe einen Fluchtreflex. Ich höre noch, wie sie meiner Mutter erklärt, dass die Art der Post auf einen Trauerfall schließen lässt. Oh Wunder, sie denkt.... Und dann höre ich, wie meine Mutter sie zu mir nach oben schickt. Warum???? Was habe ich ihr getan???

Kurz: Besuch von der Postfrau. Heute. Kein Widerspruch möglich. Sie will kochen. Ich will weinen. Hab genug vom letzten Kochversuch. Sowas prägt. Darum schlage ich ihr einfach eine Pizza aus dem Tiefkühler vor. Sie sagt zu und strahlt. Hmmm... Komisch... Scheinbar kann man Frauen auch mit einfachen Dingen begeistern. TK-Pizza? Oh man.... Na, bin gespannt, was das wieder werden soll.

Der Kumpel war zum Kaffee da, keine spektakulären Dinge liegen/lagen an. Hätte mich auch gewundert.

Kurz danach (Timing ist eben alles :-) kam die Postbotin. Kurzes Update auf beiden Seiten (nein, ich wollte DAS alles wirklich nicht wissen....). Die Pizza kam in den Ofen, 16 - 20 Minuten. Ich gebe der lieber mal 25 Minuten. Ja, ich weiß, dass die Pizza dann nicht gut wird. Soll sie auch nicht. Ich nenne die Kreation "Pizza Afrika".
Fast tut sie mir leid (die Postbotin, nicht die Pizza), als ich mich an ihren Kochversuch hier erinnere. Schinkennudeln. No mercy! Es knackt und knuspert beim essen, scheinbar schmeckt das Kohlekomprettchen. Ich esse: nichts. Bekomme nichts herunter.

Viel hat sich nicht getan, sie ist noch immer Single, ansonsten ist alles bei Alten geblieben. Somit nichts zu erzählen :-)

Dafür dann nach der Verabschiedung von der Postbotin: Kür des Tages -Anruf bei der Vanillelady! Nur kurz (heißt: unter eineinhalb Stunden!). Komisch, ich höre ihre Stimme und schon ist der komplette Ärger des Tages wie weggeblasen. Ach ja. Der "Götterfrucht-Tee" schmeckt 1 : 1 gemischt mit dem Direktsaft "Deutscher Birnensaft mit Johannisbeere" von LIDL richtig gut. Nur mal so.

2:40 am Morgen, mittlerweile ist es Dienstag. Ich kann nicht schlafen. Nicht mal wegnicken ist drin. Mich nervt das unheimlich. Zumal ich zum xten Mal die News gelesen habe. SPON, Focus, die Tageszeitungen. Keine Aktualisierungen momentan. Und da heißt es immer, Druckerzeugnisse werden in der Nach produziert. Dafür war ich am Kühlschrank, habe den Kräuterkäse probiert. Leckeres Zeug, da hatte die Vanillelady mal wieder recht. Ich glaube, der schmeckt zu einem Dressing und in der Aufmachnung wie der damalige Chefsalat von McD auch sehr gut. Muss ich mal probieren. Gibts eigentlich noch den Chefsalat? Muss ich mal googeln. So, bin wieder da. Gibt es nicht mehr. Aber hier die Zubereitungsanweisung: http://www.chefkoch.de/forum/2,53,393228/Chefsalat-von-MC.html

Zwischendrin

Dienstag, 19.02.2013, 8.35 h. "Brauchste was?" steht synonym für "soll ich Dir was vom Brennpunkt-Discounter mitbringen?" Das ist mir heute zu heikel. Grund: Der Bäcker hat Ochsenaugen im Angebot drei Stück für drei Euro. Ja, nicht wirklich billig, ich weiß, aber sehr gut. Eigentlich das Einzige, was von diesem Bäcker schmeckt. Und da nebenan der Metzger ist und dieser ab und zu mal eine außergewöhnliche Bestellung von mir bekommt - ich gehe da mal kein Risiko ein. Sage nur: dunkle Hefe....

Nach fast auf den Tag genau einem Jahr bin ich erstmals wieder im Laden. Schön, nein, schön ist anders. Dreckige Böden, eine Sortierung, dass es einem gruselt. Aber, was willste machen...? Essen muss ich und der nächste Laden dieser Kette ist so weit weg, dass sich die Angebote nicht mehr rechnen. Sofern die überhaupt erhältlich sind. Überhaupt Angebote. Die bieten 3-für-1 an. Bei mehreren Artikeln. Aber mit 6 : 2 oder gar 9 : 3 - da sind die heillos überfordert. Das gute Heinz-Ketchup ist im Angebot, statt 1,59 für 1,11 €. Drei Stück mag ich mitnehmen, bekomme nur zwei. Haushaltsübliche Menge. Pfffff.... Und da liegt so viel Frankendammer im Kühlschrank, der nach Vanillelady´scher Zubereitungsart verlangt. Ja, wir essen beide den Frankendammer auf frischem Brot mit Ketchup. Ist halt so. :-)

Von 19 Artikeln aus dem Angebotsblatt gibt es am Dienstag noch 11. Mitnehmen kann ich nur neun, denn Shitake-Pilze sind vielleicht lecker, wenn diese allerdings aussehen wie eine Florida-Frau mit 70, dann sage ich Danke. Ebenso mag ich keinen verwelkten Endivien. Pappnasen.....

Ach ja, meine Mutter habe ich an den Rand der Verzweiflung gebracht. Mein Tag ist ja nicht wirklich stressig gestaltet, was also heißt, dass ich massenhaft Zeit habe, Einkäufe zu erledigen. Und in einem Jahr gibt es so das eine oder andere neue Produkt am Markt. Und schließlich will man ja wissen, was dem Körperchen zugemutet wird. Gelernt habe ich heute, dass meine Mutter nach 30 Minuten in einem Laden leicht nervös wird.

Mittwoch, 20.02.2013

Die ganze Nacht war irgendwie scheinbar nicht besonders ruhig, ich wache früh auf wie erschlagen. Und dann nachher noch der Termin. Will ich nicht hin. Aber, die Zeit kriecht einfach weiter, egal wie unangenehm die Sache werden wird, irgendwann ist alles vorüber. Als ich kurz nach sechs Uhr in die Dusche krabbel, rührt sich unten bei meiner Mutter auch schon was. Anscheinend kann auch sie nicht mehr schlafen. Ein paar letzte Tränen unter der Dusche gelassen, wieder raus. Die Frisur sitzt, der Bart ist gestutzt (später wir mich die Verwandtschaft auffordern, den Bart komplett zu scheren), eine Tasse  Kaffee und eine Dank-SMS. Fast eine Stunde habe ich so im Bad vertan. Als ob ich mit Trödelei den Termin herauszögern könnte. Prokrastination in Reinform.

9.50 h - wir treffen am Mausoleum ein. Nur die enge Familie, ein Freund meines Vaters und gut. So, wie er und meine Mutter es besprochen hatten. Pünktlich 10 Uhr trifft der Pfarrer ein. Wäre ich nicht bereits aus der Kirche ausgetreten, so wäre es heute der Fall geworden. So einen Stuss zu erzählen und dabei so "egal" zu wirken - dass muss man auch erst beherrschen.

Eine gute dreiviertel Stunde und Bäche von Tränen (meine waren schon weg, was mich selber wundert) später waren wir wieder an der frischen Luft. Bis auf bei einem Menschen konnte ich mich davor retten, gedrückt zu werden. Meine Tante wird mir bei dieser Gelegenheit mitteilen, dass sie mich nicht mehr erkannt hat. Was ich an diesem Tag noch mehrmals höre. 2.0 hat sich dann wider Erwarten und entgegen seiner Ankündigung anständig benommen.

Kaffee und Kuchen (warum macht man sowas) bei der Mutter, fast alle Angehörigen kommen mit. Irgendwie bin ich sehr erleichtert, dass das Schlimmste nun vorüber ist. Zu Hause angekommen verkrümle ich mich erst einmal in der eigenen Bude. Noch einen Kaffee und etwas Kuchen hole ich mir später ab. Das Gröbste ist getan, nun geht es dazu über, die restlichen Formalitäten zu erledigen. Wir werden sehen, was die Zeit bringt....

Kommentare

  1. Nach jedem Sturm und Regen kommt auch Sonnenschein.
    P.S. Das erste Halbjahr 2013 ist noch nicht vorbei.
    Wirst sehen alles wird gut.

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    1. Nicht nur Sonnenschein, ein richtiger Stern strahlt da am Himmel.

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  2. Von himmelhoch bis abgrundtief war da jetzt alles dabei.
    Ich hoffe nach einer hoffentlich erholsameren Nacht kannst du schon wieder optimistischer analysieren.
    Gruß vom Frollein

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    1. Ein Wechselbad der Gefühle, wie es so heißt. Gäbe es nicht die Abende, wäre alles viel, viel schlimmer!
      Gruß

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  3. Mein Beileid und ganz viel Kraft für die nächsten Wochen und Monate.

    LG

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  4. Mein herzlichstes und aufrichtigstes Beileid aus ganzem Herzen. Bewahre deinen Vater im Herzen und er wird auf ewig weiterleben. Schön daß du die Vanillelady an deiner Seite hast. Vielleicht kannst du bei ihr ein Paar Tage ausspannen wenn alles etwas weniger weh tut.

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    1. Hanne, vielen Dank, ja, sie ist eine große Stütze. Aufenthalt dort ist schwierig, ich würde wohl eher den Ablauf stören. Wenn sie Besuch wünscht, weiß sie aber, dass ich jederzeit auch für sie da bin.
      Gruß
      Holger

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  5. Mein Beileid, gut, dass es ein Wechselbad der Gefühle ist und sich somit zumindest hin und wieder die Wolken ein wenig lichten....

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    1. Danke, ja, auch der Umstand, dass sein Abschied von uns eigentlich vier lange Jahre gedauert hat, macht es etwas leichter.

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  6. Zitat: " Und wir sind nun nicht mehr nur traurig, wir sind froh, dass er nicht mehr das erleiden muss, was er so sehr gefürchtet hat."

    Ich glaube, das ist der wichtigste, hilfreichste und erleichterndste Satz aus deinem Resümee. Wenn ihr das erkannt habt, dann ist es auch kein Wunder, dass die Tränen nicht im "normalen" Moment fließen, sondern dann, wenn man(n) es eigentlich nicht erwartet. Es hift so ungeheuer, den geliebten Menschen gehen zu lassen. Finde ich. Weinen oder Nicht-Weinen (können) sagt nichts, aber auch gar nichts über "Kälte" aus. Finde ich. Und auch nicht über Trauer oder Nicht-Trauer. Jeder trauert eben anders. Finde wieder ich.

    Und jetzt nehm ich dich ganz dolle in den Arm und drück dich, bis dir die Luft wegbleibt. So.

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    1. Danke brisy, von Dir lass´ ich mich auch drücken! *japslasswiederlosbitte* Nein, Tränen sagen nichts über Trauer aus. Ich glaube auch, dass gerade bei meiner Mutter alles erst sacken muss. Schlimm nur, dass "die Leute" schon wieder über die Schwestern meines Vaters reden, weil die ein paar Tage nach seinem Tod in "normaler" Kleidung und nicht tiefschwarz gesehen wurden. Was hat das mit Trauer zu tun? Hauptsache, erstmal das Maul zerrissen. Arme Welt.

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  7. Mach dir keine Sorgen um die Vanillelady, sie ist erwachsen und weiß, was sie tut. Hab mal ein bisschen Vertrauen in sie und sei ein bisschen mehr egoistisch - also denk auch mal nur an dich. Die Verpflichtungen hast du doch ganz gut überstanden. jetzt gönne dir Trauer auf deine Weise.

    (Tja, und was deine Mutter und "die Leute" angeht - wenn ich das so bei dir lese gruselt es mich jetzt schon vor eventuellen Begebenheiten bei mir - wann auch immer das auf mich zu kommen wird. Sie sind sich so ähnlich, deine und meine Mutter.)

    Grüße! N.

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    1. Nelja, wenn ich mir um einen Menschen keine essentiellen Sorgen mache, dann um die Vanillelady. Ein paar kleine Schusseleien (die sie so unglaublich süß machen :-):-):-) ausgenommen, kenne ich eigentlich nur wenige Menschen, die so sehr ihr Leben im Griff haben. Und Vertrauen....Tja, Du ahnst nicht, wie sehr ich ihr in ALLEN Dingen vertraue. Sie weiß mehr über mich, als M es je erfahren hat. Und komischerweise vertraue ich ihr auch alles an, ohne dabei nachdenken zu müssen, ob es irgendwann mal auftaucht. Und ich würde ihr auch ohne zögern mein Leben anvertrauen, wenn es nötig würde. Das mit dem "im Weg stehen" war eigentlich so gemeint, dass sie wirklich sehr, sehr wenig Zeit für sich hat und ich da nicht erwarten kann, dass ich bewirtet und durch die Gegend gefahren werde.

      Heute noch die Urnenbeisetzung, dann schaue ich mal, wie es weiter geht. Vielleicht tauche ich auch einfach mal ein oder zwei Tage unter, Ziel unbekannt. Einfach weg. Irgendwo hin.

      Tja, meine Mutter und "die Leute". Da arbeiten wir dran, ich glaube, sie bemerkt langsam, dass es IHR Leben ist, nicht das der anderen Menschen. Und dass diese sicher auch nicht immer so reagieren, wie sie es von anderen Menschen verlangen.

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    2. Ein oder zwei Tage untertauchen? Dann nehme dir doch Begleitung mit. Vielleicht mag die Begleiterin auch ein Paar Tage Urlaub machen weiß man ja nie :-) Und ab und zu sollen im Urlaub auch schon Herzen zueinandergefunden haben die vorher nicht mal voneinander wußten. ;-)
      Hanne

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    3. Ach Hanne, ich schreibe es nun noch ein letztes Mal und sehr deutlich - bitte glaube auch, was Du hier liest:
      - Vanilleladys Herz ist belegt
      - Vanillelady ist zwei Evolutionsstufen weiter als ich

      Lustig aber: da scheint irgendwo im Hintergrund eine Kuppelmaschinerie anzulaufen, Morgen oder am Samstag soll ich mit meiner Schwester und ein paar Mädels Abends ausgehen. Hmmm.... Soll ich die sichten oder wollen die mich angaffen? Na, ich mach´ mir einfach einen schönen Abend, spiele den Fahrer und gut ists. Schauen kann ich ja mal. Hoffentlich wird das kein Ball-de-Barrack wie es schon einmal der Fall war. Und zwar damals, bevor ich mit M zusammen kam. Frage nicht, was da vor meine Augen gezerrt wurde, eine war, glaube ich, sogar schon hirntot. Ich mache mir da also wenig Hoffnungen auf Klasse. ;-) Vielleicht sind es wenigstens moderne Frauen und laden mich auch mal auf eine Cola ein - Alk ist ja nicht ;-)
      Gruß
      Holger

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    4. Mein lieber Löffel! Als ob du auch nur einen Gedanken an eine andere Frau als die Vanillelady verschwendest. Aber trotzdem wünsche ich dir einen schönen Abend mit den Frauen vielleicht ist da ein freies Herz für dich dabei. (aber wir wollen hier einen Bericht!!!!!)
      Hanne

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    5. Hanne, mehr Dinge sprechen gegen denn für eine Beziehung. Und da sind wir uns einig. Und das wird wohl auch so bleiben!!! Nein, Abends war ich nicht fort. Wurde ein reiner Mädelsabend.

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