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Meckertag

Die Mittagessenpartnerin hat heute frei und sitz wohl bei sich vor dem Fernseher. Ich nach dem Mittagessen auch, zappe durch die Programme und bleibe beim - vermeintlich - kleinsten Übel hängen: "Die Küchenschlacht". Die "Topfgeldjäger" schaue ich schon ewig nicht mehr, weil man a) vom kochen wenig sieht, b) das Gelaber vom Moderatoren nervt und c) ich nicht mag, wenn man respektlos mit Lebensmitteln umgeht.

Zurück zur Schlacht. Das ist also in dieser Woche als "Host", wie es auf neudeutsch so unschön heißt, der Herr A. S. aus München mit seiner beliebten Art und dem umfangreichen Wissen um die atomare Zusammensetzung der Zitronenmolekülreihen dran.

Ich weiß ja schon, was dann kommt, schalte einfach auf "DeLuxe Music" um, da läuft in der Regel gute Musik. Und wenn ich keine Regel habe, dann auch. Schön vom Sender. Natürlich kann weder der Frömmste in Frieden leben noch ich, die Mittagessenpartnerin schickt eine SMS, dass der Moderator heute mal wieder mit besonders klebriger Art um das Wohl seiner Kochelevinnen besorgt ist. Wobei die Kochelfinnen mehr der Aufmerksamkeit bereit gestellt bekommen als die 1b-Ware. Klar selektiert jeder Mann auch mit den Augen, wie sehr ist eine andere Sache. Seine Augen (wurde der mal auf Morbus Basedow untersucht?) huschen wie Scanner über die Körper. Ja, mit gutem Fleisch kennt er sich aus. Und was ein guter Koch ist, der erkennt eine Premiumqualität auch per Tasttest.

So wird während dem Kochen umarmt, die Hand geführt, der Nacken berührt, der Arm gehalten. Aber: nur bei Premium. Standard bekommt nur dann Tipps, wenn es fragt.

Was uns zu dem Geschmarr bringt. Warum muss dieser Mann zum tausendsten Mal erzählen, dass im Pfeffer Piperin und in der Chili Capsaicin ist? Und das der Ingwer Tinte auf den Füller bringt, die Weltwirtschaftskrise beseitigt und hängende Ärsche wieder zu einer Topform verhilft? Naja... Zumindest halten seine mittlerweile nervtötenden Ansprachen die Kochmenschlein von der Arbeit ab. Ist manchmal bei dem Gegurke vor der Kamera auch nicht das Übelste.

Schlimm auch, wenn die "Interviews" geführt werden. "Wooos mochstnnn doa?" Der/die Kochende erzählt, noch bevor der Satz beendet ist und Herr Kochguru weiß, wie der ausgehen soll, erfolgt eine Nachfrage, die nur aus dem Takt bringt. Dabei ist nicht immer eine charmante Art die seine. Kann man mögen, muss man nicht. Ich mag es nicht.

Dafür bewahrt er aber die Menschlein vor Kochsünden. Dass sind all die, die von seiner Art zu kochen abweichen. Er hat die alleinige Macht, er ist das Non-plus-ultra, er hat die Macht. Möge sie auch endlich mal mit ihm sein, ihm ein kleiner grüner Mönch erscheinen und ihm sagen: "Du Ingwer nicht bist!" Na, er würde das wohl als Heiligenerscheinung verkaufen und um Anbetung seiner Figur bitten.

Ist schon mal jemandem sein neuester Spruch aufgefallen, den er gerne mit erhobenen Finger unter das gläubige ihm folgende Volk bringt? "Wir würzen nicht mit Gewürzen, wir würzen durch das kochen!" So, das muss man erst mal sacken lassen. Wurde er geläutert? War Yoda doch schon bei ihm? Hat er ein giftiges Pfefferkorn der Weisheit erwischt? Er, der Herr der Gewürze, er, der gerne an hilflose Köche seine Mischungen zu einem Preis verkauft, der mich immer wieder staunen lässt, wettert gegen Gewürze? Aber Hallo!

Weil seine Gegenüber recht staundend und mit offenen Mündern dastehen, wird natürlich auch ungefragt die Erklärung geliefert. In breitestem Münchner Dialekt, der die glücklichen Nordlichter davor bewahrt, alles zu verstehen, was nun aus dem Hals kommt. Mit gestelzten Worten wird nun erklärt, dass nicht übermäßig viele Gewürze den Geschmack machen, sondern dass der Geschmack sich über die Kochzeit aufgrund des H²O-Verlustes maximiert. Nach zehn Minuten Eloge fragt man sich dann: warum sagt der nicht einfach, dass man erst mal vorsichtig würzen und dann reduzieren soll? Das wird wohl sein Geheimnis bleiben. Oder mal eine weitere Vortragsstunde werden. Mal abgesehen davon, dass es bisher keines seiner Gewürze über meine Türschwelle geschafft hat: jetzt erst Recht nicht mehr.

Genug über den Herrn aus Waging. Was war denn heute noch so?

Die Frau Mittagessen kam heute nicht, sie hat zu Hause zu tun, sich einen Tag frei genommen. Dafür habe ich Gestern meiner Mutter Bescheid gesagt, dass es heute Essen gibt. Siehe Eintrag vorher. Nun, kurz vor Mittag ein Anruf, an der Gegenstelle ein schmatzendes Etwas. WAS ich gemacht habe? Gekocht? Aber, sie hat doch eben zwei Bratwürste mit Kraut und Brötchen.... Na prima. Keine 24 Stunden und das Essen wird vergessen. Was willste da sagen? Ach, ob sie nicht für Morgen etwas abholen könnte? Kann sie natürlich. Und weil ich meine Mutter gut kenne, lasse ich den Teller stehen. Ob sie nicht mal probieren...? Klar, will sie. Ende vom Lied: drei Löffel Pü für mich, den Rest hat die Seniorin des Hauses vor Ort verspeist. Und die Pute und die Kartoffeln - ich solle doch nicht so viel auf den Teller packen. Ich könnte wetten, dass die Hälfte der Auflage schon auf dem Weg in das Erdgeschoss sein Ende gefunden hat.

Früher, als die Ex noch da gewohnt und mein Vater schon im Heim war, hat sie sich ab und zu auch mal was zu essen geholt. "Ach, ich habe ja gaaaar keinen Hunger....! Na gut, ich nehm´  es mit nach unten!" Eine viertel Stunde später hat dann der leere Teller wieder auf der Treppe gestanden. Tja, ein eiserner Wille ist schon was wert. ;-)

Hat schon mal jemand diesen kleinen Balg gesehen, der bei der "Fleckenpudding-Werbung" mit einem langen Löffel Futter klaut und dabei schielt, dass man ihm eine schießen möchte? Das Gesicht macht mich aggressiv. Der kleine Kotzbrocken kann ja geradeaus schauen, wie man am Schluss vom Spot sehen kann. Soll das putzig wirken? Mich hält sowas eher vom Kauf ab.

Genau wie der Schokobon-Tanz. Dieses elektronisch grausam verhunzte Lied. Kommt mir nicht mehr in den Kühlschrank. Und warum tanzt die Familie, als hätte sie einen kollektiven Epilepsieanfall? Liegt das am Zucker in dem Mist? Auch nicht die Milchschnitte, bei deren Werbung der Vater den BH der Frau befummelt, die gerade erst nach Hause kommt.

Kennt jemand die internationale und schlecht synchronisierte "Susi" aus der Activia-Werbung? Manchmal wünsche ich mir, dass das Zeug bei ihr eine Verstopfung auslöst und sie an ihren Blähungen einfach nur explodiert.

Carrglas hat wieder einen Sachsen rausgekramt, der sächselt, dass es nicht besser geht. Hier mal einen Studie dazu, vielleicht wären die Werbetreibenden gut beraten, sowas auch mal zu lesen. (Nein, ich spreche kein bayerisch, ich habe einen itzgründischen Idiom, dem Fränkischen ähnlich)

Dann hätten wir da noch die Göre aus dem McDonalds-Clip. Hinterlistig, verlogen - und frech auch noch. Warum lassen das die Eltern durchgehen? Und warum wird der Cheeseburger von 1,00 Euro auf 1,39 erhöht? Weg der dummen Werbung?

So viele Fragen, ich geh´ jetzt in der Küche mal runterkommen. Ist doch wahr...

Kommentare

  1. Du magst ihn auch nicht? Phu, ich bin nicht die Einzige. Ich finde ihn unerträglich arrogant und seine Anwesenheit ist für mich ein Grund, eine Sendung, die ich sonst ganz gerne mag, NICHT anzuschauen.
    Ich hatte mal Gelegenheit, seine Gewürze zu sehen (natürlich nicht damit zu kochen - nur so: Schau mal, ich habe A.S.-Gewürze, die hat er MIR geschenkt bla bla ...). Da waren drin Zimt, Zimt, Zimt in jeder Mischung, egal wofür. Ich liebe Zimt. Aber doch nicht immer und überall - und überhaupt hasse ich Mischungen. Ich mörsere und mahle lieber selber, wie ich grad Lust drauf habe.

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  2. Ganz früher mal, vor dem Erfolg im Fernsehen, da war er ganz nett. Auf BR3 habe ich ihn gerne gesehen. Da ist auch nur der Wepper dabei, da gibt es nichts weibliches, bei dem man sein Balzverhalten so rausstellen muss. Mittlerweile schalte ich da auch immer weg, bis auf "Lanz kocht" von letzter Woche, da war ein Neuer dabei.

    Früher war das mal Zimt, heute Ingwer. Überteuert und für mich auch oft nicht stimmig. Was nützen mir 28 verschiedene Gewürze in einer Mischung, wenn mir die Hälfte davon unbekannt ist oder ich die nicht mag? Ich bin noch immer der Meinung, dass eine deutsche Küche mit sehr wenigen Aromen arbeiten muss. Salz, Pfeffer, Kümmel, Knoblauch, heimische Kräuter, vielleicht noch Rosenpaprika und ab und zu in homöopathischen Dosen auch Vanille. Also eher die klassischen Aromaten. Meinen Mörser habe ich jetzt auch wieder rausgeholt, das Ding wiegt leider gut 15 Kilo + Mörser.

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    1. Der Ehemann ist gerade wieder da, wo der Pfeffer wächst und ich freue mich schon (und bin gespannt) auf seine Ausbeute. Er hat da nämlich eher weniger den Überblick (nach einer Strahlenbehandlung ist ihm Geruchs- und Geschmackssinn etwas verrutscht), geht mit einem Einheimischen, dem er vertraut übern Markt und versucht, meine Liste einzukaufen.

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    2. Das ist natürlich ein besonderer Service. Ich hole meinen (schwarz und weiß) aus dem Fleischereibedarf, relativ frisch also. Grüner entweder von EDEKA, wenn mal im Angebot vorhanden, oder eben der eingelegte. Dann noch langer Pfeffer und Sezchuan-Pfeffer. Damit komme ich aber schon sehr gut aus. Schreib doch mal in Deinem Blog, wie die Ausbeute ausfällt :-)

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  3. Ist doch prima so ein schwerer Mörser. Wer viel mörsert der vertreibt auch Kalorien.

    Ach ja der a.s. Da ist mir LLL lieber. Die haben heute auch gegen den ingwerpabst ausgeholt.
    Den topfgeldjäger mag ich auch nicht. Danlischka eher die Landfrauen, die kochen auch ziemlich professionell.
    Wie hat dir denn die Jurorin gefallen?
    Zierlich, nervös, herz auf der Zunge und anscheinend Premium, da besonders umbalzt.

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    1. Ich habe immer den Eindruck, dass LLL und A.S. ein klein wenig auf Kriegsfuß stehen. Kann aber täuschen, man sieht ja nicht hinter die Kulissen. Die Landfrauen sehe ich gerne, eine davon (die aus Meeder) kenne ich sogar entfernt.

      Meinst Du die
      http://de.wikipedia.org/wiki/Sybille_Sch%C3%B6nberger
      Na, die ist sich schon sehr ihrer Sache sicher. Ich finde die nicht mal ansprechend.

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  4. Deine Gewürzliste kann ich unterschreiben, fehlt allerdings noch Muskat. Frisch gerieben in den Spinat *yammi*.

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  5. I moag den a net ... Aber der schlimmste Angrabscher von denen ist der Hunsrücker Burgherr. Ekelhaft!

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  6. Meinst Du den Ceramicman? Der ist irgendwie die gleiche Kategorier. Manchmal hat man das Gefühl, die verwechseln "Nähe zum Publikum" mit Aufdringlichkeit. Und viel schlimmer ist, dass, wenn man es erst mal bemerkt hat, immer wieder darauf achtet :-)

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