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Brose zieht weite Belegschaftsteile ab

Nun war es heute endlich soweit, die Öffentlichkeit muss nun nicht mehr nur im Dunkeln stochern, es wurden Fakten auf den Tisch gelegt. In der Quintessenz sagt die Studie Coburg den Untergang bis zum Jahr 2030 voraus.

Neben der üblichen Kaffeesatzleserei (Stadtfinanzen, Bevölkerungsentwicklung) wurden auch die altbekannten Gründe wieder angeführt.

Ein Tagungshotel und zugehörige Räume fehlen in Coburg. Was für den Bürger eher schwierig nachzuvollziehen ist, denn die IHK hat Coburg erst kürzlich mieseste Auslastungsquoten bescheinigt. Somit dürfte genügend Platz für Tagungsgäste vorhanden sein. Weiterhin ist quasi direkt gegenüber - sogar von Brosebauten umgeben - ein ****-Hotel einer bekannten Kette mit 123 Zimmern vorhanden. Wo da nun ein weiterer Bedarf besteht, wird leider nicht erklärt. Zudem wir in Coburg über weitere Hotels ähnlicher und gar besserer Kategorie verfügen. Mit einem Sternelokal bestückt und hervorragenden Freizeitangeboten. Auch außerhalb der "Stoßzeiten" im Sommer. Wir haben hier Bars und Nachtclubs, eine sehr rege Nachtszene. Und zur Not; soll ja auch vorkommen, Bordelle en masse. Nennen wir das Kind doch beim Namen. Die Frage wäre also, wie hoch denn der konkrete Bedarf ist. Der Stadt Coburg dieses fehlen eines Kongresszentrums zum Vorwurf zu machen, ist nach meiner Ansich falsch adressiert, denn es ist nicht die Aufgabe der Stadt, mit einem Hotel in Konkurrenz der Hoteliers zu treten.
Über ein Kongresszentrum ließe sich reden, aber da sollte dann auch eine Garantie über eine gewisse Grundauslastung vorhanden sein, damit sich ein Investor findet. Bisher ist kein Interessent an die Öffentlichkeit getreten.

Ein wichtiger Punkt ist die Personalbeschaffung. Hier geschieht etwas, was ich nicht verstehe. Einerseits wird Coburg bescheinigt, dass die Coburger Angestellten recht schnell nach Bamberg pendeln können, hier auch recht niedrige Immobilienpreise in einer doch ansprechenden Familienumgebung geboten werden. Warum dann Bamberger nicht dazu bewogen werden können sollen, nach Coburg zu ziehen oder einzupendeln - das verstehe ich leider nicht. Zudem dürfte die Entscheidung der Firma Brose kontra Coburg nicht förderlich sein, junge Menschen für Coburg zu begeistern. Hier gilt es, sich künftig von Brose etwas unabhängiger zu machen und die an den zwei FHs ausgebildeten Fachkräfte in Coburg zu halten. Dumm nur, dass die IHK genau hier einen falschen Schritt getan hat und Coburg einen Fachzweig an Land gezogen hat, welcher Maschinenbau - also zu Nutzen von Brose - im Banner führt. Zugeteilt war ursprünglich ein Zweig der Umweltforschung. Nun, grandios in den Sand gesetzt, liebe IHK. Was nützt ein Studiengang, für den es in Coburg demnächst fast 500 Stellen weniger gibt?

Auch die Verkehrsanbindung wird angemahnt. Nun, da ist es so, dass eben die Firma Brose an einem Keisel residiert, der lediglich fünfhundert Meter weiter auf einen Autobahnzubringer führt, der in wenigen Kilometern direkt auf die A73 führt. Das Totschlagargument Autobahn zählt somit nicht. Allerdings muss man auch der Stadt zwei Vorwürfe machen: erstens wurde klar verschlafen, einen ICE-Halt installieren zu lassen. Und wo war die mächtige IHK, die doch so gute Beziehungen zur bayerischen Regierung hat? Auch hier ist ein kleiner Teil Verschuldens zu melden. Bleibt noch der Flugplatz. Einige Faktoren haben da den Coburgern in die Karten gespielt. Einer war klar die Animosität des Stadtoberen gegenüber dem Chef von Brose. Zumindest stellt sich dies dem Coburger immer wieder so dar. Nicht, dass nicht ein neuer Flugplatz in Planung wäre. Zwar sehr spät, aber dann doch. Und wenn Brose Coburg verlässt, dann sollte auch dieser wieder aufgrund der geringeren Auslastung auf den Prüfstand. Selbst der direkte Konkurrent Bamberg schneidet da schlechter ab, auch wenn die US-Army ihr Airfield zur Aufrüstung durch die Stadt Bamberg früher zur Verfügung stellt. Hier ist aufgrund der Hochspannungstrasse kein Instrumentenflug genehmigungsfähig. Würzburg steht da bedeutend besser da.

Ein weiterer Punkt ist die zu erwartende Verschlechterung der Stadtfinanzen. Hier wird aúf allerhöchstem Niveau gejammert und schlecht geredet. Erst heute war in den Tageszeitungen zu lesen, dass die bayerische Regierung den Haushalt von Coburg abgesegnet hat. Hier wird eine gewisse Verschuldung geduldet, auch das Abschmelzen einer hohen zweistelligen Millionensumme als Rücklage genehmigt. Zumindest so lange, bis die eingeleiteten Sparmaßnahmen komplett durchgreifen. Coburg konsolidiert sich und hält dabei den niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz in ganz Deutschland. So schlecht ist es also um die Finanzen nicht bestellt. Zudem sind die Aussichten für die nahe Zukunft deutlich besser, als sie von dem Wirtschaftsprüfer (hat übrigens einem weltbekannten Hotel an der Ostsee eine glänzende Zukunft vorhergesagt - ist nun insolvent) herbei geunkt werden.

Vielleicht ist ein Teilweggang von Brose auch eine Chance auf die Weiterentwicklung Coburgs. Es werden Fachkräfte frei werden, die in anderen Betrieben dringend benötigt werden, vielleicht entstehen auch Neugründungen bei dieser Gelegenheit, aus der sich kleine und feine Betriebe entwickeln, wie es Brose vor Jahrzehnten auch einmal war. Mit Potenzial auf Wachstum und verwachsen mit Coburg. Brose sollte sich allerdings auch darüber im Klaren sein, dass mit jedem Weggang aus Coburg das Gewicht und der Einfluss auf  Coburg geringer wird. Eine zeitlang mag dies noch funktionieren, aber irgendwann ist auch Brose nur noch eine von vielen Firmen. Das sagt das Essay leider nicht aus.



Kommentare

  1. Manchmal siegt hallt das Parteidenken über alle Vernunft.Wenn alle in der gleichen Partei wären dann würde es ganz anders ausschauen.
    Da darf dann auch schon mal der Seniorchef einer großen Firma im Kreisverkehr verkehrt rum fahren ,weil er Ihn laut seiner aussage auch bezahlt hatt.

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  2. Ich weiß, auf was Du anspielst. Angeblich war da ein Stadtbus mit im Spiel, der nicht weichen wollte. Aber ob das auch so geschehen ist? Lustig wärs schon ;-)

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  3. Hallo Lööfel,

    schade, dass sich Brose so entschieden hat. Wird nun in Bamberg neu gebaut?
    Oder gar in Billigländern?

    Gruß vom lyrischen Frollein

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  4. Laut Aussage meines Schwiegersohnes der schon Jahre dort im Büro arbeitet stimmt es.Ob Stadtbuss oder LKW weiss ich nicht.
    Es sollen sogar die gerufenen Polizisten dem Bus oder LKW Fahrer gebeten haben nachzugeben

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  5. Hallo Lyrische ;-)
    Tja, es ist nun mal so, Coburg muss damit klar kommen und wird das auch. Brose ist eine große Macht in Coburg, aber auch nur EINE. Weg ist weg, warum es ist, ist eigentlich nur noch zweitrangig. Ich habe keine Ahnung, ob da neu gebaut wird oder ob bestehende Gebäude genutzt werden. Auch ist mir nicht bekannt, was mit den freiwerdenden Büroflächen in Coburg wird. Verkommen werden diese jedenfalls nicht, das ist nicht Broseart.
    Vielleicht werden diese umgewidmet in Produktionsstätten, billige Arbeiter gibt es in Coburg genug. Wir werden sehen.

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  6. Bamberg oder Hallstadt lockt ja auch die Firmen mit Super günstigen Angeboten.Da gibts schon mal den Bauplatz für 1 €
    P.S.
    Bevor Brose damals in Bamberg neu gebaut hatt haben Sie auch bei uns in Ebensfeld angefragt.
    Unser damaliger Bürgermeister hatt jedoch gesagt: So was brauchen wir hier nicht.

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    1. Was wiederum kurzsichtig ist, denn der Gewerbesteuerhebesatz wirkt in Coburg viel länger nach. Allerdings ist das nur für Firmen interessant, die flexibel in der Ansiedlung sind. Ob Euer Bürgermeister clever war? Kann man so nicht sagen. Hat alles Vor- und Nachteile.

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  7. Guck bei solchen Gutachten immer, wer die in Auftrag gegeben hat und wer dafür bezahlt.

    Die werden IMMER so erstellt, dass es den Bedürfnissen des Auftraggebers bzw. den Wünschen der Ortspolitiker entgegen kommt.

    Das hört sich hier auch so an.

    Was den Vorfall mit dem Kreisverkehr angeht - je nun: Es ist nun mal so, dass die meisten Honoratioren einer Stadt ihre Wichtigkeit immens überschätzen. Und dann kann sowas schon mal passieren.

    Das die Polizisten aber den "richtig fahrenden" Fahrer gebeten haben, nachzugeben, ist ein Unding.

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  8. Tantchen Jay, drum ja auch das "Wes Brot ich fress...." ;-)

    Naja, der Mensch am Kreisel, der war da schon gut um die 90 Jahre alt. In der Regel hatte der einen Chauffeur. Da wohl mal nicht. Und da steckt auch die Polizei in der Zwickmühle, den alten Mann aus dem Auto zerren ist da nicht so gut. In der Situation möchte ich nicht sein.

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