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Abzocker

Mein Vater hat früher schon gewusst: "Haste was, haste Freunde. Haste nix, biste allein." Tja, Recht hat er gehabt.

Es gab ja mal die Zeit, da habe ich über ein paar Fahrzeuge mehr verfügt, unter Anderem einem LKW und einem Transporter. Beides bequem mit dem Autoführerschein zu fahren. Dumm war, dass mein Vater als Vorbesitzer der Firma gerne und bereitwillig jedem "Freund" diese Fahrzeuge auslieh. Und der "Dank" dafür war meist eine Beule, ein Kratzer; mindestens aber ein leerer Tank. Über die Jahre waren eine zerstörte Plane (damals fast 2.000 DM), kaputte Stoßstangen, abgerissene Bordwände etc. zu beklagen. Ersatz hat aber niemand geleistet. Wird schon jemand richten. Prima, wenn am Montag Vormittag ein Fahrzeug auf dem Hof steht, welches zwar eingeplant, aber nicht eingesetzt werden kann. Einmal war der Tank von unserem LKW so weit leer gefahren, dass wir uns nur nach der Auffüllung aus dem Ersatzkanister vom Hof getraut hatten.

Später dann, nach der Firmenübernahme, standen oftmals gegen Wochenende Menschen vor mir, die ich ein oder zwei Mal im Leben gesehen hatte. Manchmal wusste ich nicht den Namen. Freunde meines Vaters, mit dem Anliegen, die Fahrzeuge zu leihen. Nach kurzer Zeit wurde mir das dann zu bunt - nur was dagegen machen? Eigentlich war die Lösung recht leicht, elegant und ich habe auch meinem Vater nicht vor den Kopf gestoßen: Versicherungswechsel! Da wurden dann drei Fahrer eingetragen, die in der Firma beschäftigt waren, ab sofort war es nicht mehr möglich, das Fahrzeug legal zu verleihen. Und siehe da, die "Freunde" wurden weniger.

Die Firmengebäude haben abseits der Stadt in einem Industriegebiet gelegen, waren also nicht mal eben so "auf der Strecke" gelegen. Und doch gab es genug "Freunde", die gerne, regelmäßig und ausdauernd auf einen Kaffee aus dem Vollautomaten zurückgegriffen haben. Ansonsten war von diesem Menschen wenig bis gar nichts zu sehen. Aufheulen ging durch die Massen, als wir uns dann erlaubt hatten, für eine Tasse (groooß) 50 Cent zu erbitten. Freiwillig, als Spende. Dafür konnte jeder Milch und Zucker nehmen bis zum Abwinken. Und da war kein billiger Kaffee vom Discounter drin. Trotzdem wurde ein Geschäft gewittert und uns vorgeworfen. Aber, der Effekt war der gewollte: "Dann kann ich auch in die Stadt, meinen Kaffee trinken!" Nu, so mach´ das. Dabei hätten wir uns einfach einmal über eine Tüte Kaffee gefreut, die die "Kumpels" ja auch hätten wieder "abarbeiten" können. Kekse, unsere Privatvorräte, waren auch gerne gesehene Opfer, die lagen neben der Maschine, ebenso wie unsere Vorräte an Schokolade und Pausenbrote. Man sollte es nicht für möglich halten, all das ist Opfer der Besucher geworden. Bis zu dem Tag, an dem es Chili-Gummibärchen gab und mit Essigessenz gefüllte Lebkuchen. Learning bei Schmerzing :-)

Aber auch im Privatleben gibt es gute Freunde, die denken, man bemerkt nicht, dass man nur ausgenutzt werden soll. Klar koche ich gerne, esse noch lieber in Gesellschaft. Aber nach der 15. Einladung würde man schon gerne einmal zurück eingeladen werden. Und wäre es auf ein Pizzabrötchen. Alleine die Geste reicht doch eigentlich aus. Oder - noch besser - die Menschen, die keine Handflatrate haben, weil sie die 5 Euro im Monat scheuen. Da klingelt einmal das Telefon und dann, beim Rückruf, heißt es: "Ach, ich hatte ein mieses Netz, das ist abgebrochen." Komisch, dass 10 Sekunden später an der gleichen Stelle eine glasklare Verbindung möglich ist.

Wenn ich so ein Menschlein mal aufgrund eines Zufalles am Telefon erwische, dann ist das Gespräch schnell vorbei, beschränkt sich auf das Nötigste. So eine Minute kostet ja auch 9 Cent. Wenn ich aber zurückrufe, dann wird die Woche durchgehechelt und die kleinste Kleinigkeit genannt. Immer in der Hoffnung, dass das Gegenüber nicht bemerkt, welche Sache da läuft. Na, wenn die Freundschaft nicht einmal ein kleines Telefonat wert ist, dann kann ich auch keine Briefe mehr aufsetzen. Oder am Computer helfen. Oder anders mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Selber schuld. Der Klügere gibt eben so lange nach, bis er der Dumme ist. Mag ich nicht mehr sein.

Kommentare

  1. *grins* ...aber sag mal ..das mit der Essigessenz war ein Joke oder? *immernoch grins*

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  2. Ne, kein Scherz. Warum auch? Ist ja recht harmlos. Und so lernt das "Opfer" nachhaltig. Danach war Ruhe.

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  3. Als wir noch die disco hatten ,da gab es auch immer solche die mich schonb von weitem gegrüßt haben,als wenn Sie auf mich gewartet haben.Selbstverständlich haben die vorrausgesetzt das icjh dann natürlich in der Bar einen ausgebe.Da hab ich mir dann einen Eigenbräuschnaps gemacht.Apfelkorn mit Chillykerne 1-2 Wochen ziehen lassen und durchs Sieb.Das hatt man erst gemerkt als er getrunken war.Die sind kein 2. Mal gekommen und haben gebettelt.

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    1. Ist doch schlimm, dass man solche Tricks anwenden muss, oder? Wenn ich etwas ausgegeben bekomme, dann fühle ich mich eher unwohl. Und wenn ich aktiv geschnorrt hätte? Ne, das kann ich gar nicht. Lieber gebe ich einen aus.

      Den Schnaps haben wir übrigens Mungi genannt. Asbach, vier Wochen lang 20 komplette getrocknete Chilischoten rein, abgießen - gut wars. Und große Gläser und Ex trinken ;-)

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  4. Voll tolle Aktion, die Chilibären und die Essigkuchen. Aber, die haben euch nicht wirklich die Pausenbrote weggefressen, oder?

    Ausnutzen lass ich mich auch nicht, bin in dieser Beziehung echt ein wenig hart geworden. Ich würd NIEMANDEN 15 mal ohne Gegeneinladung zu mir einladen. Wobei, allzu genau nehm ich das nich, so nach dem Motto, einmal der, einmal ich, aber irgendwie sollte sich das schon ein wenig ausgleichen. Wenigstens annähernd. So handhabe ich das mittlerweile auch mit dem "sich-melden". Wenn ich dreimal oder so jemanden angerufen habe, der sich aber nie meldet, dann ist das Interesse wohl nicht besonders groß. Bitte, von mir aus, ich brauch solche "Freunde" nicht. Das zieh ich grad mit meiner Mutter durch. Mindetsens die letzten 4 Mal hab ich mich gemeldet, bin gespannt, wann sie mal anruft. Wenn sie das dann tut heißt es sicher, wir melden uns ja nicht.

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    1. Ja, eine Bekannte, die habe ich über M kennengelernt, hat mich oft nach ihrem Feierabend in der Firma besucht. Nette Gespräche (sie steht auf Frauen!) und sie hatte immer Hunger und Durst. Und da ich immer einen kleinen Vorrat von Irgendwas habe, wurde sie auch fündig. Aber auf so charmante Art, dass sie auch das Pausenbrot essen durfte.

      Nö, ich halte das auch wie Du. Das Telefon funktioniert in beide Richtungen. Meist verschicke ich sowieso nur SMS, um nicht irgendwo dazwischen zu platzen. Wenn dann die Antwort drei Tage später - oder gar nicht - kommt, kenne ich den Stellenwert.

      Den Spruch mit dem "nicht melden", den kenne ich auch. Früher hat mich das gestört, heute antworte ich entsprechend.

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  5. Ooh mann, ich sehe schon, ich bin ein viel zu guter Mensch.
    Aber das ist auch leicht bei den Gegnern.
    Zum Glück läuft das bei meinen Freunden anders. Allerdings wissen sie, dass ich kein guter Anrufer bin. Ich glaube fest an den Schweinehund, der vor meinem Telefon sitzt. Jedoch ncht aus Geiz.
    Dennoch helfe ich mit, wenn ich gebraucht werde und wenn sich gemeinsame Zeit findet, dann wird die auch ausgiebig genutzt.
    Gruß vom sich selbst beweihräuchernden Frollein, dass jetzt eine Balkonsichtwand mit baut

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  6. Diese Freibiergesichter (so haben wir Sie genannt) sterben nie aus.
    Es gab da auch viele Discogäste die wenn die Bedienung gefragt hatt was Sie denn trinken möchten mit Nichts geantwortet haben.Und da wir auch kei9nen Eintritt genommen haben war das auch ärgerlich.Eines Tages endeckte ich einen Schnaps der nannte sich Nichts.War ein klarer Schnaps.Den haben wir dann offiziel auf die Getränkekartte gesetzt zu einem leicht höherem Preis.
    Die Flasche wurde als Beweisstück das es den wirklich gibt immer mit an den Tischgenommen.
    Die meisten haben es mit Humor genommen und bezahlt.Einige wurden auch richtig böse das Sie überlistet wurden.
    Aber es hatte Erfolg .Genau wie mit dem CHilli Schnaps.

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  7. Das mit den Freunden kenn ich auch.Bei uns sind es die Vereine.Wir haben jetzt 36 Jahre das Lokal,aber die meisten wissen nur wo wir wohnen wenn Sie zum Sammeln kommen,ob für die Kirche ,Preiskopf oder ähnliches.Zum Essen hab ich die noch nie gesehen.
    Heuer war ich das erste mal stur und hab nix mehr gespendet und hab das auch den Leuten gesagt warum.
    Ausrede: Keine Zeit !! und dann siehst du wie Sie woanders rauskommen.

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  8. Hihihi Pfanni, als ich deinen vorletzten Post angefangen hab zu lesen fiel mir sofort der Schnaps ein, der "Nichts" heißt. Ich kenn den auch, und hätte das genauso gemacht wie Du.

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