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Brose zieht 300 Beschäftigte aus Coburg ab.

Oh Gott, oh Gott, die Welt geht unter. Was für eine kleine Stadt wie Coburg erst einmal eine Katastrophe zu sein scheint, ist vielleicht lange nicht so übel, wie es der erste Blick vermuten lässt. Warum dass?

Dass sich die Stadtführung der Stadt Coburg und die Geschäftsleitung der Fa. Brose aufgrund irgendwelcher privater Animositäten nicht grün sind, ist kein Geheimnis. Warum aus ehemals guten Kumpels erbitterte Feinde wurden, darüber wird viel erzählt, was davon wahr ist, ist mir eigentlich egal. Von beiden Seiten aus sollte man jedoch erwarten können, dass eine gewisse Verantwortung aus der entstandenen Machtfülle erwächst. Und was ist passiert? Kindergarten, Kleinkrieg, Sandkastenspiele. Aber, auch das ist hinreichend bekannt, da soll jeder darüber denken, was er mag.

Der neueste "Clou" ist, dass Brose aus Coburg 300 Personen abzieht. Hin zu anderen Orten, deren Infrastruktur -angeblich- besser ist. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass in Coburg ein neuer Flugplatz für eben auch diese Firma in Planung ist, die Autobahnanbindung besser als an anderen Standorten gegeben ist und dass eben auch so recht viel für die Firma getan wird, eben so, wie man es von einer Stadt verlangt, die sich auch um die Firmen in der Ansiedlungszone kümmert.

Erst kürzlich wurde also beschieden, dass die Firma Brose in Coburg keinen weiteren Ausbau mehr vornehmen wird. Was ansich erst einmal nicht verwundert, denn wohin soll noch expandiert werden? Da besteht kein weiterer Platz mehr. Was auch nicht ganz richtig ist, denn in Coburg steht z. B. eine große Fläche mit derzeitiger Bebauung zum Verkauf, welche in direkter Nähe zum Stammwerk liegt. Zudem ist diese auch als Synthese zum geplanten "Band der Wissenschaft" am ehemaligen Coburger Güterbahnhof nicht die schlechteste Lage. Egal, darüber sollen sich die Menschen den Kopf zerbrechen, die dafür viel Geld bekommen. Nur für das Protokoll: die Verkehrsanbindung ist nicht die schlechteste, das Freizeitangebot (die Wohnqualität) ist eine der besten in Bayern und Platz für die Erweiterung gäbe es auch, falls gewünscht.

Nun schauen wir einfach mal, was in Coburg abgezogen werden soll. Der einfache Leiharbeiter, der in Coburg für wenig Geld und in ausreichender Menge massenweise zu bekommen ist? Oder der Ingenieur, der erst nach Coburg gelockt werden muss, unter Umständen auch mit einer Art "Buschzulage"? Na, zwischen den Zeilen gelesen? Richtig, das Ingenieurswesen wird verschlankt. Was heißt - die nicht aktiv produzierenden Teile werden verlagert.

Nunja, dann wird ja Platz frei für Produktionskapazitäten, die in Coburg ja angeblich nicht mehr ausreichend gegeben sind. Und für die Leiharbeiter, die aufgrund der Abhängigkeit und der Notwendigkeit, jeden Job annehmen zu müssen, nicht auf die tollste Anbindung an die Verkehrswege pochen können, sondern eben nehmen müssen, was der Markt anbietet. Schon mal darüber nachgedacht, warum sich in der letzten Zeit gerade im Coburger Raum Callcenter mit Niedrigstlohnarbeitsplätzen angesammelt haben und keine "Think-Tanks"? Aha...

Vielleicht liege ich auch falsch, aber gerade solche international und strategisch ausgerichteten Unternehmen wie Brose gehen mehrere Planspiele ein, um eine möglichst hohe Effektivität der Resourcen zu erlangen. Was betriebswirtschaftlich vernünftig und auch in Ordnung geht. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.

Kommentare

  1. Es könnte schlimmer kommen. Zum Beispiel wenn eine Zeche zu macht und plötzlich zwei Drittel der Stadtbevölkerung nichts mehr zu tun haben ... aber auch das überlebt man mit Kreativität und offenen Augen ganz gut. Das hab ich hier die letzten zwanzig Jahre erlebt. Als ich hier her zog, waren die Straßen voll mit demonstrierenden Bergleuten, richtig wütend. Heute gibt es hier (auf den alten Zechengeländen) mehrere Logistikunternehmen, kleine Zulieferer, Mittelständler ... buntes Leben. Und die Innenstadt mausert sich auch ordentlich. Nur die leer stehende Karstadtruine (früher das Hertiehaus) nervt und stört noch. Aber auch dafür wird sich eine Lösung finden.

    In der Stadt ist eine Menge los. Allerdings ganz viel auf Privat- oder Vereinsinitiative. Die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt ist dagegen grottig. Und darum erfährt keiner davon, oft nicht mal die eigenen Bürger. Und deswegen verlinke ich das hier auch nicht - ist ja eine glatte Negativreklame.

    Grüße! N.

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  2. Hallo Nelja, wir, also die Stadt hat vor Jahren auch die Schließung des damaligen BGS mit gut 1100 Beschäftigten verkraftet. Zudem ist die Wirtschaft in und um Coburg sehr robust. Es wird auch keine neue Ruine entstehen, denn die Firma beschäftigt am Standort Coburg ein Vielfaches dessen, was abgezogen wird. Was eine einfache Firmenentscheidung ist, wird bei uns durch den Streit der zwei Parteien zum Politikum aufgebauscht.

    Und zu sagen, dass in Coburg wenig Lebensqualität herrscht, das stimmt einfach nicht. Wir haben z.B. ein neu errichtetes Einkaufszentrum auf der Lauterer Höhe, wir haben Fachmärkte, eine wunderschöne historische Innenstadt, eine Kneipenstraße, ein riesiges und recht modernes Kino, Theater, massenweise Vereine und Vereinsleben, von Mai bis September Unmengen an Veranstaltungen wie das Schloßplatzfest, die Open-Airs, Schützenfest, Sambafestival und und und. Letzteres gar mit Weltruhm.

    Wir haben einen mehrfachen Anschluss an die A73, ab 2017 sogar den ICE direkt vor der Nase, momentan einen noch kleinen Verkehrsflughafen, der aber erneuert werden soll - fehlt nur ein Hafen, den wir aber nicht bauen können. Mir fehlt da das Verständnis dafür, wenn Coburg so schlecht geredet werden soll. Natürlich sind die Industriebauten hervorragend in Schuss und trotz einer innenstadtnahen Lage prima integriert. Aber auch die Stadt Coburg hat viel Geld in die Hand genommen, und die Straßenzüge dazu hervorragend angepasst.

    Aufgrund der Differenzen mit der Stadtführung (war damals Präsident des örtlichen Bundesliga-Handballvereins) wurde da die Förderung eingestellt. Überraschend und für den Verein sehr schmerzhaft. Kleinkrieg.

    Natürlich fehlt vorerst die Kaufkraft von 300 Familien. Umgekehrt ist es nach Bamberg aber auch nur eine Fahrt von gut 20 Minuten. Was also heißen könnte, dass sicher nicht die ganze Kaufkraft abfließt, sondern einige Familien Coburg als Wohnort weiter nutzen werden. Vielleicht auch schon aus Gründen der günstigeren Wohnungen.

    An der Entscheidung von Brose gibt es nichts zu rütteln, das ist ein privater Betrieb in Familienhand, dieser Betrieb wird entscheiden, was das Beste für diesen ist. Die Stadt kann nur die Rahmenbedingungen vorgeben, jedoch nicht das Personal anschleppen oder gar unendlich Arreal schaffen. In diesem Fall würde ich der Stadt keinen Vorwurf machen, denn, die Rahmenbedingungen sind bei weitem nicht so schlecht, wie diese gemacht werden. Aber, auch das muss die Firma für sich entscheiden. Und wenn anderswo noch bessere Bedingungen herrschen, dann mag das für DIESE Firma gelten, nicht aber unbedingt für andere Firmen auch. Im Nachhinein bleibt der Stadt eigentlich nur übrig, die Situation zu analysieren und zu schauen, wie - und ob überhaupt - reagiert werden muss.

    Dazu wäre vielleicht noch zu sagen, dass wir vor Ort eine stark expandierende FH haben, auf deren Absolventen die Kraft verwendet werden sollte. HIER liegen Coburgs Chancen, HIER sollte versucht werden, die Absolventen in Coburg zu binden und vielleicht die eine oder andere Firmenneugründung an Land zu ziehen. Und für solche Menschen ist sicher genug Platz, Personal und Anreiz da. Zumal wir eine Wirtschaftsförderung haben, die sich hervorragend (weiß ich aus mehrfacher eigener Erfahrung) einbringt.

    Mein Fazit: Der Teilweggang ist schade, nicht zu vermeiden, die Stadt Coburg trifft keine Schulde und wir sollten den Fokus auch auf andere Firmen richten, Brose ist nicht das einzige attraktive Firma in Coburg.

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