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Kölnfahrt 2010 - Dritter Tag, die Innenstadt



Wiederum recht gut genächtigt, ging es auf die Fahrt in die Innenstadt. Dem mehr als distanzierten Personal im Hotel einen schönen Tag gewünscht und die Schlüssel abgegeben. Ein erstauntes Gesicht fragte ungläubig: "Sie haben ja schon bezahlt...?" Ja, haben wir, fragen Sie mal Ihren Kollegen....

Mit einer aufgewärmten Wut im Bauch verlassen wir nun letztmals den Bunker der traurigen teppiche.


Dieses Mal ohne die Navi zu bemühen, lassen wir uns durch den Verkehr in die Innenstadt strudeln. Und wieder beginnt die Irrfahrt durch Köln, bedingt durch Staus aufgrund der Messe und einer Baustelle. In der Nähe des Doms, unter dem Schauspielhaus für das Musical "Hair Spray", parken wir.

Als Provinzler sind wir es gewohnt, am Automaten an der Einfahrtsschranke ein Billet zu ziehen. Hier in Köln ist das scheinbar anders, hier wird die Kreditkarte zum Einlass benötigt. Und natürlich auch wieder zum Auslass. Eine wirkliche Kontrolle über die Kartendaten hat man so nicht, auch wenn das Display und der Ausdruck die Summe anzeigen Ein wachsames Auge ist dem nächsten Kontoauszug sicher. Irgendwie hat mich das Schild an der Ausfahrt an ehemalige Zonengrenzen-Schilder erinnert.


Der erste Weg hinaus aus diesem verdreckten und übel riechenden Parkplatz führt uns zum verdreckten und übel riechenden Bahnhof. Menschen mit dem Tagesziel "Abendssturzbesoffen" stehen mit der Bierflasche im Eingangsbereich. Und scheinbar wird dieser auch als Urinal verwendet. Im Bahnhof selber ist eine eigenartige Atmosphäre zu spüren. Liegt es an der recht niedrigen Decke oder auch an der Bauart selbst - wohl fühlt man sich hier nicht. In komprimierter Form ist jedoch eine Abbildung einer x-beliebigen Großstadt in Deutschland zu sehen. McDonalds, Burger King, zig kleine Lokale. Und da wir uns noch nichts zum Frühstück geleistet haben, zieht es mich an den Stand, der mit "Original bayerischer Wurst" wirbt. Wer auf der Messe Preise in Höhe von 7,70 Euro (waren mal gute 15 D-Mark!) für ein Pizzastück in der Größe eines viertel Haushaltsbackbleches genannt bekommen hat, den stören auch 3,10 € für eine halbe Semmel mit Leberkäse nicht. Die Semmel war gut, der Leberkäse eher einer aus industrieller Herstellung. Wenn ich sowas haben möchte, besuche ich den C+C-Großmarkt, der bietet mir für die gleiche Summe ein halbes Kilo an. Was solls, die Leute wollen auch leben, zudem habe ich mein Vorurteil bestätigt bekommen. Touristenfalle Bahnhof! (Und Kölner können nicht bayerisch kochen!)
Foto: Minifiliale der Whopperei

Den Ausgang am Ende des Ganges genommen, stehen wir direkt vor dem Kölner Dom. Auf Bildern irgendwie beeindruckend und imposant, kann der Dom wiederum nur ein Bild liefern: dröge, dreckig, irgendwie unförmig. Hauptsache hoch und schnell fertig, man hat den Eindruck, die Erbauer wollten möglichst schnell in den Karneval.

Auch so ein Thema für einen Faschingsmuffel wie mich: überall Jecken. Nach dem ersten Eindruck kann man die auch in zwei Gruppen unterscheiden. Gruppe eins: Reisegruppen, Vereine, Damengesellschaften. Laut, sehr ausgelassen, fast aufdringlich. Der Franke, der an einem 10er-Tisch im Gasthaus am liebsten alleine sitzt, findet sowas suspekt. Muss man nicht haben, die Knutscherei nervt, auch die kleinen Gläser...
Foto: Stolpersteine, wie sie zum Andenken und als Mahnmal an die Greueltaten gegen jüdische Bürger auch in Coburg verbaut wurden.

Gruppe zwei nimmt den Karneval bierernst. Im Anzug, darunter eine Schärpe oder Phantasieorden. Ein bisschen kommt mir das vor wie die Cosplayer in Japan. "Spaß" wird hier verordnet, somit findet dieser auch statt. Und manchen scheint der Karneval sogar wirklich Spaß zu machen. Für uns ist das nix, wir wollen hier weg. Und zwar schnell. Wir haben eher wenig Spaß am Spaß im Karneval.

Unsere Füße tragen uns in die Fußgängerzone. Welch Überraschung - auch hier keine Überraschung. Douglas, MCDonalds, Handyläden, Büchereien - alles die gleichen Handelsketten wie in Coburg, Bamberg, Nürnberg, München und wer weiß wo sonst, auch. Halt, etwas ist anders. Die Bausubstanz der nach dem Krieg aufgebauten Häuser ist bisher kaum renoviert worden. Was für den Kölner wohl Heimat bedeutet, tut mir in der Nacht in den Augen weh. Oberhalb des ersten Stockwerkes herrscht graue Tristesse, hohe Gebäude verdunkeln die Straßen, wenig Grün ist an den Passagen erkenntlich. Eigentlich so gut wie keines. Dafür ist das Erdgeschoss in der Regel in grelle Neonreklamen getaucht, die tagsüber von noch grelleren Reklameschildern abgelöst werden. Eine einheitliche Satzung scheint es nicht zu geben. Oder zumindest sehr liberal, sodass jeder an seinem Laden hängen und leuchten lassen kann, was er will.

Sollte Udo nicht mehr auf Diät sein, kann er sich hier wieder Schwabbel anfressen. Marlies steht ja scheinbar auf "schwammig":

Kurz noch zu Dunkin Donuts, die haben wir bisher noch nicht probiert. In einem Laden zusammen mit SubWay genehmigt sich FrauDSL ihr Frühstück, eines der unsäglich teuren halben Sandwiches. Im Rausgehen nehmen wir uns dann aber eine 6er-Box der quietschbunten Donuts mit. FrauDSL entscheidet sich für drei Varianten, die sich hauptsächlich um Schokolade drehen. Ich lasse meiner Vorliebe für fruchtige Kringel freien Lauf. Somit wandert ein Blaubeerteil, eines mit Himbeer-Vanille-Füllung und ein Zitronengedeckelter in die Box.

Auch hier wieder an jeder Ecke und in jedem Eingang: Vagabunden. Aller Herren Länder mit allen möglichen Hunderassen und mit Filialen. Ja, auch der gemeine Penner hat die Expansion in den 90er-Jahren verstanden. So kann man vereinzelt Bettler beobachten, die an zwei, manche gar an drei Bettzeugen anhalten und die Geldsammler leeren. Ich unterstelle, dass man sich so in einem Jahr mit sparsamen Ausgabeverhalten ein kleines Vermögen zusammenschnorren kann.

Das Auto haben wir aus der Garage befreit, unterwegs hat es nach schlecht ausgemisteten Rummel-Pferdeplatz gestunken. Nur weg von hier.

Nächstes Ziel: Dernbach im Westerwald. Und wen wollen wir da aufsuchen? Richtig: die Familie Ludolf. Kult-Schrottsammler auf dem Kanal "DMAX". Zwar werden die neuen Folgen auch nach dem Schema "F" gedreht - was heißt: Auto finden, blöde Idee von einem Verlgeich, zweites Auto zum vergleichen finden, ein Bruder schmarrt rum, einer fährt ein Auto kaputt, der Flugplatz freut sich über die Ruhe, die einkehrt. War mal unterhaltsamer.


Uns überrascht, welche schöne Gegend um den doch schon arg in die Jahre gekommenen Bau der Ludolfs entstanden ist. Direkt gegenüber, manchmal sieht man es im Fernsehen, befindet sich ein herrliches Blockhaus mit ganzen Stämmen aus kanadischer Zeder. Um das Eck der Kindergarten, Dernbach ist recht überschaubar. Nachdem am Sonntag niemand vor Ort weilt, fahren wir weiter ohne einen Kaufwunsch zu äußern. Die Autobahn liegt nur knapp drei Kilometer vom Ludolf´schen Anwesen weg, was den Zeitverlust gering hält.


Auf der Heimfahrt - die hat FrauDSL alleine bestritten, gab es dann glücklicherweise keine Überraschungen mehr.

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