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Kölnfahrt 2010 - Dritter Tag, das Abendessen


Ein neuer Abend, ein neues Spiel. Vabanque war nicht unser Ziel, somit "Nummer sicher". Dachten wir zumindest. Der Pörtnerhof in Seßlach, noch recht neu am Markt und von einer guten Bekannten empfohlen, wurde zur Sättigung auserkoren.

Das Parken vor den Stadttoren war an diesem Sonntag Abend doppelt ungemütlich, fielen doch die ersten Flocken Schnee. FrauDSL hatte aber auf ihre Schuhe mit Pfennigsabsatz bestanden. Ok, bleiben wir fair, Euromünzen-Absätze. Trotzdem - für diese Jahreszeit ist dies ungeeignetes Schuhwerk. Sowas wird uns Männern immer als "Gesamtpaket" verkauft....

Im Restaurant angekommen, fallen mir sofort zwei Tischchen im Gang zwischen den Gasträumen auf. Mit jeweils zwei Stühlen. Mir schwant Schlimmes und so geht ein Stoßgebet in den Äther. Auch ohne Kirchenzugehörigkeit wurde ich erhört, wir durften in der warmen Stube Platz nehmen. Direkt am Fenster (danke für die Erfindung des Isolierglases!) und an einem schön gedeckten Tisch lies es sich aushalten.

Die Karte hat nicht allzu viele Speisen feil zu bieten, ist aber durchaus ausreichend und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Außerhalb dieser Karte gibt es noch ein Tagesmenü, welches ansich recht ansprechend gewesen wäre - hätten wir nicht am Tag vorher bereits exakt dasselbe bekommen. Nur die Hauptspeise bestand aus einer anderen Fleischsorte.

So trug es sich zu, dass FrauDSL sich für das Rinderfilet vom argentinischen Rind entschied. Dazu aus der Beilagen-Wahlkarte Ofenkartoffeln und eine Pfeffer-Cognac-Soße. Gute Wahl, bestellt wurde medium plus, € 23,90 für die 250 g-Variante.

Haben sich bei FrauDSL die Beilagen geradezu aufgedrängt, war die Wahl bei mir schon schwieriger. Ein Saltimbocca habe ich gerne "alla romana". Und bisher kannte ich dies als eine Art Fleischtasche, in der sich ein Salbeiblatt und etwas Parmaschinken befindet. Dazu eine leichte Weißweinsoße. Und Reis. Nicht aber hier. Preislich lag das Fleisch (180 g-Portion) bei € 14,80.

Ich konnte zwischen der oben genannten Soße wählen, auch stand ein mediterranes Gemüse zur Auswahl. Dieses schien mir, zusammen mit den Ofenkartoffeln, noch am besten zu passen.Die Auswahlmöglichkeiten sind hier detailliert einzusehen: KLICK!

Vorab wollten wir die "gemischte Vorspeisenplatte" testen, diese schien für € 7,50 für die kleine Version angemessen im Preis. Getränkeseitig wählten wir eine Flasche Mineralwasser (0,75 Liter Taunusquelle € 3,90), ein Spezi 0,4 Liter (€ 2,80) und einen Weißherbst (0,1 Liter - € 2,30, Probebestellung).

Nochmals kurz zurück zum Bestellvorgang und der Getränkeanlieferung. Kaum dass wir die Karten in der Hand hielten, waren wir eigentlich auch schon bereit zur Bestellung, haben dieses deutlich durch abgelegte Karten auf dem Tisch signalisiert. Passiert ist erstmal längere Zeit nichts. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn am Nachbartisch trafen zwei Paare aus der Coburger Geschäftswelt ein, die in dem Restaurant sichtbar als Stammgäste begrüßt wurden. Leider muss ich es erwähnen, aber diese Paare hatten ihre Bestellung aufgegeben, die Getränke am Tisch und eine Aufmerksamkeit aus der Küche. Wir hatten bis dahin: NICHTS! FrauDSL hat zu diesem Zeitpunkt schon laut gemurrt.

Wir durften dann auch bestellen, das Mineralwasser kam zwar in der Flasche an den Tisch, jedoch bereits geöffnet und ohne Verschluss. Nach der Mineralwasserverordnung ist das ein Verstoß. Zudem bekam ich den Wein nicht als Probierportion, sondern als 0,2 Liter für € 4,40. Ersteres schiebe ich einfach auf eine pure Unwissenheit, letzteres auf die entstandene Hektik, als das Lokal sich gefüllt hat. Beides sind für mich keine schwerwiegenden Vorgänge, dürften aber nicht vorkommen. Überhaupt ist zum Service zu sagen, dass dieser zwar bemüht und überaus freundlich ist, aber teilweise überfordert wirkt.

Beginnen wir den Speisereigen.

Gleich nach den Getränken kam aus der Küche ein Teller mit frischem Weißbrot und etwas Butter. Nach der Karte des Restaurants ist das Brot selbst gemacht. Schmeckt gut, aber der gute Bäcker im Dorf (Schoder) kann das mindestens ebenso gut - und wohl mit weniger Aufwand. Trotzdem sollte diese Arbeit anerkannt werden.

Der Gruß aus der Küche bestand aus einer Mikroportion  "Eimernierde Hering" - was Coburgerisch für "einmarinierte Heringe" bedeutet. Diese waren sehr lecker, sahnig und mit frischen Zwiebeln angemacht. Obwohl ich gestehen muss, dass ich Hering eigentlich verabscheue (eigentlich ist Matjes ja vergammelter Fisch...), hat dieses Fitzelchen auf ein großes Essen hoffen lassen. Sogar FrauDSL konnte es sich nicht verkneifen, den "Enemy mine" auf dem Tisch als lecker zu titulieren.

Mein Fleisch kam als erste Portion an den Tisch. Ich muss gestehen: ich war entsetzt. SO hatte ich mir das Essen absolut nicht vorgestellt. Man kann also durchaus sagen, dass der Koch sehr kreativ war. Zwei sehr kleine Stückchen Fleisch (hatten vor dem Bratvorgang ja auch nur 180 g) waren unter einem Haufen "mediterranem Gemüse" versteckt. Ratatouille würde die Bezeichnung wohl eher treffen. Das Beste an diesem Gemüse waren die einzelnen Scheiben gebratene Zucchini. Diese hatten noch Form und Geschmack, der Rest war ein verkochter Haufen Tomaten mit etwas Kräutern. Nicht lecker, aber auch nicht schlecht. Die Kartoffeln kamen frisch aus dem Ofen, waren nicht verdörrt, wie es sonst oft serviert wird, auch Würze war zu schmecken. Die Abstimmung ist harmonisch gelungen. Der Hauptdarsteller auf dem Teller, das Kalbfleisch, war dagegen kein Ruhmesblatt. Extrem(!) pfeffrig, starke Zitronenote, der Schinken als Trennschicht zwischen Fleisch und Gemüse eingesetzt. Eigengeschmack Salbei und Schinken? Fehlanzeige. Der Pfeffer der Schnitzelchen hat leider alles zunichte gemacht.

FrauDSL hatte nun auch ihr argentinisches Rinderfilet bekommen. Nachdem sie ein ausgewiesener Carnivore mit deutlichem Hang zu gebratenem Rind ist, hat sie sich in den letzten Jahren ein recht gutes Gefühl für den Garpunkt des Fleisches erarbeitet. Ein Druck auf das Fleisch reicht ihr mittlerweile aus, um zu sagen, ob das Fleisch nun bleu, medium oder medium plus ist.Medium plus, also ein Zwischending zwischen "medium" und "durch" wird nur selten im Restaurant getroffen. FrauDSL hat aber dann lieber ein zu durch gebratenes Stück Fleisch als eines, welches Richtung "ungebraten" tendiert. Ein Druck, ein kritischer Blick, ein Schnitt quer durch das Fleisch, schon war die Bedienung an den Tisch gerufen. Mit dem ersten Blick hatte die Servicekraft bereits gesehen, dass das Fleisch im Kern auf gut zwei Zentimeter nicht gebraten= roh war. Obwohl oben und unten durch das scharfe anbraten bereits eine dunkelbraune Kruste gebildet war. Das Steak ging zurück in die Küche und kam kurz darauf auf den Punkt gebraten wieder zurück. Außen nun zwar noch dunkelbrauner aber vom Geschmack her gut und auf der Seite der Textur so, wie es sich für ein Filetsteak gehört.

Die Kartoffeln waren derselben Machart wie meine, so gab es nichts auszusetzen. Die bestellte Soße jedoch, Pfeffer-Cognac war nicht optimal. Obwohl selbst angesetzt, hat der überdeutliche Cognacgeschmack keine weiteren Aromen zugelassen. Sobald dieser Geschmack verflogen war, hat der Pfeffer sein Werk getan. Obwohl ich sehr sehr gerne scharf esse, war mir dieser Geschmack zu viel. Homogen und schmackhaft ist anders.

Zum Abschied haben wir noch einen Abschiedsschluck auf Kosten des Hauses bekommen, was uns aber angesichts der Essen nicht versöhnlich stimmen kann.

Unser Fazit: wir lassen erst einmal Zeit verstreichen und kommen dann später im Jahr wieder.

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