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Eisig kalt und knusprig warm


So in etwa könnte man das Arbeitsklima der Straßenwärter bezeichnen. Von 40° C im Sommer bis hin zu -25° C im Winter. Zwar geschützt durch entsprechende Kleidung, aber doch belastend für die Konstitution, gibt es bei jedem Wetter etwas zu tun. Im Sommer sind es die Grünflächen, die gewartet werden möchten, im Winter treibt Schnee und Eis auf den Straßen den Berufsstand in die Gassen. Zeit, einmal nachzuschauen, wie hart so ein Wintereinsatz ist. Zeit, auf einem Räumfahrzeug des Landratsamtes die Landkreisstraßen sicher zu machen.

Der deutsche Autofahrer ansich ist ja eher ein verwöhnter Welcher. Im Sommer werden die Löchlein geflickt, im Winter das Frostwasser von der Straße gekehrt. Längst vorbei sind die Zeiten, als mit starren Pflügen und einfachem Streusalz - noch dazu mit Augenmaß verteilt - die Straßen geräumt wurden.

Heutzutage wird mit dem neuesten Gerät aus Gaggenau gearbeitet. Ein U400 sollte uns heute bei der Arbeit behilflich sein. Ausgerüstet mit Elektronik bis zum Abwinken bleibt im Betrieb nichts unbemerkt. GPS sorgt für die Aufzeichnung der Straßen als Nachweis der Tätigkeit, die Außenfühler schlagen die Streusalz- und Solemengen vor (zumindest bei den alten Geräten, die neuen Apparate vertrauen mehr dem Menschen), Allradtechnik hilft an den steilen Passagen. Auch der Pflug ist mannigfaltig verstellbar. Früher nur auf und ab, so kann heute auch der Anstellwinkel verstellt werden. Stufenlos, schnell, per Hebelchen im Cockpit.

Trotz der Gangvorwahl und den ganzen elektronischen Helferlein ist es aber nicht so, dass der Straßenwärter von heute arbeitslos wäre. Wahres Multitasking ist angesagt. Fahren, den Gegenverkehr im Auge behalten (der Pflug hat eine Arbeitsbreite von immerhin 3,20 m), den Streusalzgeber und den Solemischer überwachen, gleichzeitig den Pflug passend zur Fahrbahn ausrichten, abschätzen, wie viel Salz vorrausschauend benötigt wird. Und ab und zu ruft auch der Chef über Funk die Neuigkeiten ab. Und Königshausklatsch ist da nicht gefragt, harte gesammelte Daten interessieren den Chef.


So hier nun das Arbeitstier. Der U400, 238 PS-6-Zylinder, mit Bluetech von Daimler ausgerüstet.

Ein Harnstoff, eingespritzt zusammen mit dem Diesel, sorgt für umweltgerechte Verbrennung des Schweröles. Die Umwelt dankt es.

In der Wärmehalle steht das Schmuckstück, aufgerüstet mit einem Kombitank für Streusalz und Sole FS 30. Was bedeutet: 70 % Körnung, 30 % Feuchtsalz, also ein Gemisch aus Wasser und Salz. Der Vorteil hierbei ist unter anderem, dass diese Sole schneller einwirkt.

Vorne am Unimog ist ein neues Schild befestigt, welches auch wieder Vorteile in der Schneeableitung gegenüber den bisherigen Schildern haben soll. Einen Nachteil konnten wir auch feststellen: Schneematsch wird gerne über das Schild auf die Windschutzscheibe geworfen. Bei Kriechfahrt ist dieses Phänomen aber wieder verschwunden. Sozusagen eine Art Geschwindigkeitsbegrenzung.


Beladen ist der Unimog dann mit knapp 3 Tonnen körnigem Salz und gut 1.300 Liter Sole. Gewicht gepaart mit einem Allradantrieb, so sind die Ketten nur in äußersten Notfällen nötig. Bei einfachem Schnee entfällt dies eher.
Einer der Soletanks am Streugutbehälter
 
Kaum dass die Einsatzbereitschaft gecheckt ist, geht es auch schon los. Ein Straßenwärter hat es übrigens doppelt schwer - wenn er zur Arbeit fährt, hat ihm niemand den Weg geräumt. Und wegen schlechtem Wetter später zur Arbeit kommen? Da hat der Chef nur wenig Verständnis. Gearbeitet wird übrigens nicht nur Abends oder nur Morgens. In der Regel wird tagsüber die normale Arbeit geleistet, Abends und Nachts besteht dann zusätzliche Rufbereitschaft.

Um kurz vor 13.00 Uhr ging es dann los, Scheuerfeld wird in Richtung Witzmannsberg im Landkreis Coburg verlassen.


Die Elektronik an Bord gibt dem Fahrer zwar Vorschläge, wie anhand der vorherrschenden Außentemperaturen zu streuen ist, jedoch kann der Pflugsteuermann auch von Hand eingreifen. Nötig ist dies bei der Streubreite (bis zu 8 m Streubreite können abgedeckt werden) und auch dann, wenn es sich um Steigungen oder vereiste Stellen handelt. Bis zu 40 g Streugut sind je Quadratmeter möglich. Fein verteilt über den Streuteller am Heck.



Die Strecken sind den Fahrern in der Regel auch schon vom Dienst im Sommer bekannt, höherstehende Gullideckel oder Pflaster kann so berücksichtigt werden. Sollte ein Pflug vor Ihnen einmal ohne für Sie ersichtlichen Grund langsamer werden - nicht überholen, auch bremsen; alles Andere wäre vielleicht für Ihre Gesundheit abträglich. Vertrauen Sie dem Mann vor Ihnen, keiner kennt diese Strecke so gut wie er.

Die Winterdienststrecken sind übrigens fein verteilt. Da nicht jeder überall sein kann, haben die Straßenwärter jeder seine eigene Aufgabe. Die Gemeinde (oder Stadt) räumt meist innerorts, der Landkreis übernimmt die Landstraßen und der Staat sorgt für freie Fahrt auf Bundesstraßen und Autobahnen. Wenn Sie also wieder einmal einen Schneepflug sehen und dieser die verschneite Straße nicht räumt, dann hat das einen guten Grund: er ist hier schlicht und einfach nicht zuständig. Sie sagen, dann kann er doch trotzdem räumen, wenn er schon vor Ort ist? Theoretisch ja. Aber, die Mengen an Streugut auf den Fahrzeugen sind begrenzt und wenn hier zu viel verteilt wird, dann langt es da nicht mehr. Was heißt: mehr Weg und Leerfahrt und Chaos unter den Streudiensten.

Auf unserer Fahrt sind uns natürlich auch "Konkurrenten" entgegen gekommen.
 
Der Kollege aus der Gemeinde Ahorn bei streuen der Zufahrtsstraße zum Freizeitzentrum Witzmannsberg.



 Der eigene Kollege nach dem Nachladen im Salzdepot.



Der Kollege vom Staat beim räumen der Bundesstraße zwischen Schorkendorf und Tambach.

Und nicht nur der Straßenwärter stärkt sich zwischendurch mit Kaffee und Spezi, auch der Unimog verlangt Betriebsmittel. Neben dem Diesel natürlich auch in Form von Sole, die in der Straßenmeisterei fertig gemischt im Tank auf den Einsatz wartet.



Links der Schlauch, der die Tanks mit Nachschub versorgt, daneben eine Steckersonde, die der Pumpe sagt, wann der Behälter "satt" ist. Bei einem defekten Stecker soll es auch schon vorgekommen sein, dass die Pumpe nicht abgeschaltet hat. Was dann in der Folge für "dicke Backen" am Unimog sorgt.

Auch Salz muss nachgeladen werden, die ca. 2.7 to. werden jedoch nicht mehr von Hand geschaufelt, auch hier hat die Technik schon lange Zeit eine Lösung parat. Und zwar in Form eines Laufbandes mit Schaufelrad. Das Prinzip ist ähnlich wie bei den Baggern im Tagebau, nur in vergleichsweise winziger Ausführung.



Das Salzlager.

Mehrere Sattelzüge an Ladung werden hier jeden Herbst angeliefert, um auch für die schlimmsten Wetterlagen gewappnet zu sein. Auch beim Salz gibt es Unterschiede. Die Körnung ist je nach Abbauzeitpunkt unterschiedlich. Dies hängt nicht mit der Jahreszeit, sondern mit dem Entnahmezeitpunkt des Sprenggutes zusammen. Am Anfang und am Ende sind die Körner des Berges im Stollen feiner und staubiger, während zwischendurch die eher groberen Körner anfallen. So ist es auch eine Glückssache, welche Körnung im Endeffekt im Bauhof ankommt.

Die staubige Variante ist nicht so sehr gerne gesehen, verweht der Salzstaub eher und bleibt auch auf der Straße nicht so lange wirksam wie ein Salzkorn. Insgesamt ist das schon eine kleine Wissenschaft, die ganze Industriezweige mit Arbeit versorgt. Übrigens, ich habe das Salz probiert. Natürlich nur vom helleren, nicht das graue Salz. Schmeckt fast wie das Siedesalz zuhause, nur natürlicher. Was wohl auch daran liegen könnte, dass dem Streusalz keine Rieselhilfe zugesetzt wird, wie das im häuslichen Bereich der Fall ist.



 
 

Die Fuhre ist komplett, die Plane auf dem Salzbehälter wieder geschlossen. Und umgehend geht es zurück auf die Straße. Zwar sind die Strecken nur gut 35 km einfacher Weg, aber, dieser muss erstens doppelt befahren werden, zweites sind auch Sonderarbeitsgänge nötig, um Kreuzungen zu räumen und breitere Straßen gilt es teilweise mehrfach zu räumen.

Nicht hilfreich sind dabei gedankenlos am Straßenrand abgestellte Fahrzeuge und Zeitgenossen, die dem Pflug bis auf wenige Meter auffahren. Spätestens an der nächsten Kreuzung, an der die Rückfahrleuchte aufflammt, sind in den Augen der nachfolgenden PKW-Fahrer pamische Reaktionen ablesbar. Nicht umsonst heißt das Blinklicht im offiziellen Sprachgebrauch "Warnleuchte". Blöd ist also der, der die Warnung missachtet, nicht der der ein Warnlicht berechtigt benutzt.

 In der Dämmerung ist die Sicht noch einigermaßen in Ordnung,
während bei zunehmender Dunkelheit das fahren mehr zum ahnen wird. Noch ein Grund mehr, anständigen Respekt vor einem Räumschild zu zeigen.


So ungefähr ist die Sicht, die ein Pflugfahrer hat, wenn er nur mit den Zusatzleuchten navigieren kann. Hier sollte doch dringend vom Hersteller nachgebessert werden.

Nach gut sechs Stunden ist die Tour zu Ende, die Strecken vorschriftsmäßig geräumt. Was für den Straßenwärter aber noch lange nicht Feierabend bedeutet.

Nachtanken mit Diesel, Salz und Sole auffüllen - und mit dem Hochdruckreiniger peinlich genau abdampfen, damit das wertvolle Gerät lange Zeit seinen Dienst versehen kann. Gute sieben bis acht Stunden nach dem ersten anlassen des Fahrzeuges verstummt der Motor dann in der Wärmehalle. Aber nur, bis die Nachtschicht abermals den Schlüssel dreht. Für Ihre und meine Sicherheit auf den Straßen in ganz Deutschland.

Kommentare

  1. Hey cool - wie kommst du auf den Bock? Hast du nen neuen Job?
    Sehr schöner Artikel! Danke.

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  2. Hallo Stefan, danke für die Blumen! Nein, das ist ein Kartkumpel von mir. Und weil die keine Beifahrer mehr haben ist er gelegentlich bemüht, einen "privaten" Beifahrer zu bekommen. Die Nachtschicht kann sonst endlos laaaaange werden.

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  3. Hallo Silberlöffel,

    Klasse Bericht. Vielen Dank dafür.
    Möchte gleich auch restlos alle deinen Postings höchst komplimentieren.
    Ich lese unheimlich gerne alles was Du schreibst.Faktisch , sehr informativ , kompetent und vor allem unheilmlich schön geschrieben. Danke dafür.


    Besten Gruß aus Nürnberg Jacob

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  4. Hallo Jacob, vielen Dank für da Lob! Jetzt bin ich ganz rot angelaufen.....

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