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Schlemmen in Coburg - Das Henneberger Haus

Das Henneberger Haus ist mir seit kurz nach meiner Geburt bekannt. Die meisten Coburger, wie ich auch, nennen es "Pflaum". Benannt nach der damaligen Betreiberfamilie Helene Pflaum. Später hat es dann der Heinz Pflaum übernommen, ein Sportkollege von meinem Vater, Sohn von der Helene. Das erste Lokal stand am gleichen Platz wie das heutige Gebäude. Nur viel uriger, in einem uralten Bau. In den achtzigern musste das Gebäude neben der Lutherschule einem moderneren weichen. Irgendwie war die Gemütlichkeit nicht mehr ganz so sehr wie früher. Der Geruch war weg, die Heimeligkeit somit auch.

Ein ewig langer Gang führte erst an der vorderen Stube vorbei, links ging es in den oberen Stock, am Gang weiter hinten links die Klos. Und am Ende des Ganges dann die offene Küche. Da gab es nichts wie Maggi, Knorr oder anderes fertiges Zeug. Alles ehrliche Küche, wie sie heute niemand mehr beherrscht.

Im vorderen Schankraum stand links der Tresen. Heinz hatte da immer zwei kleine Schränkchen obenauf. Eines mit Schnupftabak und Rauchwaren, eines mit Süßigkeiten. Und immer gab es Schokomännchen am Papierstiel. Und Storck Riesen in der Urform. Lecker, klebrig - süchtig machend. Vorne hatten die "Schneckenschisse" ihren Stammtisch, im hinteren Raum saß meist der Stammtisch meiner Eltern. Dreißig bis vierzig Personen waren Sonntag Abends so keine Seltenheit.

Für uns Kinder gab es nur wenige Dinge, die wir wollten. Und zwar immer und immer wieder. Eine kleine Cola. Und dann entweder die hausgemachte Gulaschsuppe, die viel Fleisch enthalten hat. Hergestellt aus dem übrig gebliebenen Bratenfleisch und mit Markklöschen. Dazu eine Semmel vom Barnikol. Dem letzten Bäcker, der leckere Brötchen beherrscht hat. Wasserglasiert. Oder ersatzweise ein Schinkenwurstbrötchen. War eigentlich ein Bierschinken, auch auf den Leckerbrötchen, mit etwas Butter, Salzgurke und die Wurst vom Weschenfelder gegenüber. Gibts zwar noch, hat aber neue Besitzer seit Jahren. Die Wurst habe ich nie probiert. Und als dritte Möglichkeit: Heringsbrüh´ mit Bratkartoffeln. Das war dann die Sahnesoße mit Zwiebeln und Gurken von den einmarinierten Heringen. Und wehe, da war ein Stück Hering drin. Den mag ich heute noch nicht. Die drei Gerichte ware göttlich. Und wenn ich einen Arm geben müsste, damit ich Frau Pflaum einmal bei der Zubereitung der Gulaschsuppe zuschauen dürfte (sie ist leider schon lange tot), ich würde ihn geben.

Bestellt haben wir Kinder immer an der Schiebetür. "Was willst ´n?" Die blaue Kittelschürze, die schwarzen flachsohligen Schuhe, die dicken Strumpfhosen, der Gang - an all das kann ich mich erinnern. Schade, der Tod von Frau Pflaum war wirklich ein Verlust.

Zurück in die Neuzeit. Zuletzt waren wir vor gut acht Jahren im Henneberger Haus. Mitten in Coburg, tausend Mal an der Ampel davor gestanden, nie auf die Idee gekommen, den neuen Wirt, Holger Prase, zu besuchen. Bis meine Mutter am ersten Weihnachtsfeiertag dort unbedingt hinein wollte. Öfter schon haben wir gehört, dass die Bräten sagenhaft gut sein sollen. Heute zur Mittagszeit hatten wir die Chance, es zu testen.

12.30 Uhr, pünktlich das Lokal betreten. Auch der neue Wirt kennt meine Mutter natürlich, zeigt uns kurz den Platz im Nebenraum. Im vorderen Raum alles besetzt, im hinteren Raum auch. Gemischtaltriges Publikum, das lässt hoffen.

An unserem Tisch sitzt bereits eine Familie, was einen Coburger natürlich oft in die Flucht schlägt. Der Coburger ist da eigen. Hier nicht, irgendwie habe ich es nicht anders erwartet. Warum auch immer, vielleicht, weil es auch früher hier immer sehr voll war.

Kurz die Karte überflogen, bei einer der letzten Positionen bin ich hängen geblieben. Sauerbraten. Mit Klößen und Salat. Meine Hoffnung hat sich erfüllt. € 8,10 sind in Ordnung, am Nachbartisch die Portion war recht groß. Frau DSL und meine Mutter ordern Gänsebrust, € 13,50 je Portion, mit zwei Klößen und Rotkraut. Mineralwasser 0,4 Liter zu € 2,30, Spezi 0,4 Liter zu € 2,50 und Apfelsaftschorle 0,4 Liter zu € 2,50. Prima gekühlt, frisch eingeschenkt.

Die Getränke waren in kürzester Zeit am Tisch, kurz darauf folgten die Beilagensalate. Als das Rotkraut dampfend am Tisch eintrifft, gesellen sich umgehend die Fleischportionen dazu.

Der Sauerbraten:




Und die Gänsebrust:


Die Gänsebrust war rösch gebacken, frisch aus dem Rohr und Klöße, wie ich sie liebe. Die Coburger Rutscher sind nicht so mein Ding, ich bin froh, dass die servierten Exemplare die Form wahren. Das Nonplusultra wären Bröckele (geröstete Weißbrotwürfel) gewesen. Ja, wer viel hat, der will noch mehr.

Die Sauce aus der Ente gezogen, das Rotkraut ähnlich wie das selbst zubereitete zu Hause. Kurz: die Adressaten waren zufrieden. Sehr zufrieden.

Eigentlich bin ich ja schon fast immer zufrieden, wenn ich einen Sauerbraten bekommen. Ich habe schon zig Rezepte versucht, ich bekomme diese Speise einfach nicht hin, wie ich sie mag. Trotz der lieben Hilfe von z. B. hier. Ich lasse es ganz einfach sein und genieße gekauften Sauerbraten. So wie heute. Das Fleisch war angebraten, dann nachgegart. Weich, zart, geschmackvoll, lecker. Die Soße: kein Süßsauerbraten, kein Süßbraten, kein Packungssoßebraten - ein Sauerbraten. So, wie ich ihn mag, so, wie ich ihn WILL! Immer. Täglich. Früh, mittag, abends. Was für andere Leute Drogen sind, ist für mich wohl Sauerbraten. Warum auch immer, ich liebe dieses Zeug. Und diesen im Henneberger Haus ganz besonders.

Besonders erfreulich: meine Schwester mag nur wenig Fleisch. Ahnen Sie etwas? Richtig! Wir haben vorher gedealt. Sie nimmt anstatt der angepeilten halben Portion nur einen Kloß weniger aber die normale Portion Fleisch. Nochmals ein Dank an die Küche, dass der fehlende Kloß durch etwas mehr Fleisch kompensiert wurde. So leckerglücklichsatt war ich schon lange nicht mehr.

Ach ja, einen Beilagensalat gab es auch. Der war frisch. Die Möhren lecker, die Gurken lecker, der Krautsalat (kommt gleich nach Sauerbraten!), auch lecker. Eisbergsalat mag ich nicht, dafür kann aber die Küche nichts. Dieser war ebenso frisch, die Schnittkanten hatten keine Verfärbungen und der Salat war auch nicht so kalt wie man ihn manchmal bekommt.

Das Essen war also lecker, das Lokal ist zu empfehlen. Sauber und ordentlich ist es sowieso. Nur leider für Rollstuhlfahrer ungeeignet, da der Eingangsbereich Stufen hat und auch die Toiletten im Keller gebaut wurden.

Ach ja, es wird gemunkelt, das Frau Pflaums Kartoffelsuppe noch immer Samstags nach deren Rezept hergestellt wird. Wäre auch mal einen Besuch wert.....

Hier finden Sie den Bericht mit Punkten  - und viele, viele weitere Bewertungen zu tausenden Lokalen in ganz Deutschland. 

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