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Blanker Popelismus auf unseren Straßen

Ja, ich gebe es zu. Ich bin ein (zu) vorsichtiger Fahrer. Die Scheiben immer frei gekratzt, das Auto perfekt gewartet, die Hände beim Fahren 10-vor-2, seltenst zu schnell. Sogar in der Fahrschule habe ich öfter den Rüffel bekommen, doch mehr Gas zu geben. Bitte nicht falsch verstehen, wenn es der Verkehr zulässt und der passende Untersatz dabei ist, dann bewege ich mich gerne schon mal in Richtung 300 km/h und fühle mich dabei auch nicht unwohl. Dann muss aber alles passen. Wetter, Auto, Verkehr, Tagesform, Beobachtungsgabe. Sonst nicht.


Und ist die Beobachtungsgabe einmal nur mittelmäßig, so reicht es doch immer, an der Ampel die Menschlein um mich herum zu beobachten. Im Speziellen deren Zeigefinger. Interessanterweise gehen diese fast automatisch in Richtung Nase. Aber nicht jeder Typ Mensch ist da gleich.

Zuerst geht es um die "Gewinnung" des Schürfmateriales. Da gibt es "Däumlinge", "Fingerlinge" und "Zarte".

Der "Zarte" streicht nur recht verlegen um die Nase, berührt das Nasenloch kaum. Symptomatisch ist für diese Sorte das hektische umblicken, ob sie beobachtet werden. Am besten zu beobachten sind solche aus dem Augenwinkel oder im Rückspiegel. Die Nasenausbeute ist dabei in der Regel gleich Null.

Der "Däumling" schiebt den Daumen halb in die Nase, unterstützt die Nasenaußenwand mit dem Zeigefinger und kratzt die Innenseite sauber. Meist gedankenverloren mit einem starren Blick voraus. Die Reaktion auf das umspringen der Ampel erfolgt nur unterbewusst.

Der "Fingerling" dagegen ist komplett enthemmt. Der Zeigefinger fährt bis zum biologisch möglichen Anschlag, dreht und kurbelt im Nasenloch, wird vollflächig als Lore für das zu Fördernde eingesetzt. Scham? Keine, denn schließlich ist man in seinem eigenen Fahrzeug unterwegs. Ein die Klassen überspannendes Phänomen, denn es ist in der Luxuslimousine ebenso zu finden wie in der fahrenden Bauarbeiterbude. Finger as Finger can.

Die Begutachtung des Ergebnisses erfolgt dann wiederum über zwei Sorten. Der "Gucker" und der "Schämer" sind nun am Zug.

Der "Gucker" schaut sich sein Ergebnis unbeeindruckt von der Umwelt ausgiebig an. Farbe, Konsistenz, Menge, alles wird geprüft. Zur Not wird noch einmal nachgefasst, sollte die Ausbeute nicht hoch genug sein. Da ist man durchaus praktisch veranlagt.

Der "Gucker" mündest meist in den "Roller". Zwischen Zeigefinger und Daumen wird das Extrakt gerollt und gewälkert, bis der Anspruch an die Form passend gemacht wurde. Ein kurzes Fingerschnipsen und schon ist das Handwerkszeug bereit um die nächste Fahrt in den Stollen zu unternehmen.

Der "Schämer" dagegen ist eher als "Schmierer" zu betrachten. Verstohlen aus der Nase gezogen, muss das Objekt schnellstmöglich entsorgt werden. Das einfachste ist, die Tageszeitung zu nehmen. Auch beobachtet wurde schon das kleben unter das Armaturenbrett. Immer noch besser als der "Esser", auf den ich hier nicht eingehen werde.....

Kommentare

  1. Also, ich finde, hier wird etwas kritisiert, was es in unserem Land viel zu selten gibt - nämlich Menschen, die ohne Rücksicht auf Ansehen und gesellschaftliche Stellung bereit sind, das Letzte aus sich herauszuholen und nicht nur äußerlich einen gepflegten Eindruck zu hinterlassen - jede Körperöffnung will gepflegt sein.

    Und hier steckt auch noch ein Verbesserungspotenzial für die Automobilindustrie: Es gibt Aschenbecher, Handschuhfach, Ablagefach, Becherhalter, aber eine Kügelchenablage habe ich im Zubehörkatalog noch nicht gesehen ....

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  2. @ Uschi C: is wirklich so, einfach mal schauen...
    @ Manu: würks trifft es, ist aber eine Tatsache!
    @ Hans: Richtig, druch ist der letzte Satz auch unvollendet ;-)
    @ Blogspargel: so gesehen sind diese Menschen ja nur Opfer unserer Leistungsgesellschaft. Neuer Aspekt. Und das mit dem Kügelchenbehälter wäre doch eine Prima Sache für einen Vorschlagswettbewerb?

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