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Ui. Oder: Wenn die Marketingabteilung die Zielgruppe falsch einschätzt.

Katjes. Eines der Dinge, die in unserem Haushalt so gut wie nie ausgehen. Nicht für mich, Süßigkeiten sind seit gut sechs Jahren hier für mich kaum noch vorhanden. Gäste und Mitbewohner(innen) schätzen es jedoch, immer eine gefüllte Schüssel vorzufinden.

Katjes, eine Marke, die mir eigentlich nur aufgefallen ist, weil dort A. Neldel am Bewerben war, ist nicht so mein Ding. Schaumzeug, ich mag weder den Geschmack, noch die Konsistenz. Was hier jedoch nicht das Thema sein soll. Mir geht es um die aktuelle Werbung und die Reaktionen darauf.

Während mir eher die tiefe Stimme am Schluss des Videos aufgefallen ist und dieses schlimme Pink im ganzen Spot, achten viele andere User auf die Kleidung. Und interpretieren.

Nach Auskunft von Katjes in den Medien, sollte mit dem Video und dem Kopftuch (den exakten Terminus möge sich bitte jeder selber ergoogeln) gezeigt werden, dass das vegane Süßgelumpe auch für Menschen geeignet sind, die sich ohne tierische Zutaten in und an der Nahrung ernähren. Ob aufgrund der freiwilligen Nahrungssituation oder aufgrund der religiösen Bestimmng, darf sich in Deutschland glücklicherweise jeder selbst aussuchen.

Nun ist der Deutsche in diesen Tagen ein wenig, sagen wir übersensibilisiert, was alles, was ein wenig orientalisch aussieht, angeht. Orientalisch setze ich in diesem Fall mit muslimisch und irrtümmlich islamistisch im Extremfall einfach einmal gleich. Und Zack - Kopftuch. In vielen Köpfen als Symbol der Unterdrückung, des Islamismus und des gefährlichen Fremden. Der Aufschrei ist entsprechend, Katjes hat seine Aufmerksamkeit. Ob allerdings genau diese Version bei der Kundschaft erweckt werden sollte, bin ich mir nicht sicher.

Egal um was es geht - Hauptsache, man ist im Gespräch. Oder auch: "Bad publicity is better than no publicity." Mag schon sein, aber es scheint, als ginge das gezielte bewerben der Produkte in muslimischen Kreisen, nach hinten los. Gegenkommentare auf die Begründung von Katjes, warum ein Kopftuch verwendet wurde, lauten unter Anderem: "Warum sind da keine Asiaten abgebildet, nur eine Muslima?" Tja, könnte sein, dass das Kopftuch nur ein Mode-Accessoire ist. Und wer es nicht weiß; auch Asiaten können durchaus dem muslimischen Glauben angehören. Indonesien sei hier zuvorderst genannt. Glaubste nich? Guxste: HIER. Afrikanerinnen werden dabei auch vermisst. Ich denke, dabei wird (rassistischerweise?) auf die Hautfarbe angespielt. Darf ich hier als kleinen Hinweis mit der ägyptischen Fahne wedeln?

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist, dass im Iran gerade Frauen für ihre Freiheit kämpfen, ohne Kopftuch laufen zu dürfen. Übrigens, das war in den 50er, 60er Jahren schon einmal der Fall. Katjes muss sich also wirklich fragen lassen, ob das Kopftuch für die Umwerbung von Muslimen - von denen der Großteil Produkte aus diesem Haus aufgrund der Weglassung von tierischer Gelatine verzehrt - das richtige Symbol ist. Hier aber mal ein Video aus 2017, welches zeigt, dass die Kopftuchproblematik schon recht weit aufgeweicht ist: KLICK Eigentlich hängen wir in D wohl mit unserem Bild über das "Kriegsland" Iran ein wenig nach.

Zurück zur Frage der von Katjes gewählten Symbolik. Ich denke nein, diese Werbung wird bei der Kundschaft mehr Schaden als Gewinn anrichten. Denn im Moment steht das Kopftuch in allen seinen Ausprägungen negativ behaftet in der Öffentlichkeit. Ob zu Recht oder Unrecht, das mag ich nicht beurteilen, das müssen die Menschen leisten, die sich damit intensiver beschäftigen. Aber! Werbung ist auch das Spiel mit visuellen Reizen. Die Werbeabteilung hat wohl auf eine kontroverse Diskussion gesetzt oder zumindest darauf, in das Gespräch als "Gute" zu kommen. Political Correctness. Dumm nur, dass der Grundtenor, zumindest bei Facebook, nach hinten los geht. Katjes wird im Moment wohl froh darüber sein, dass das NetzDG greift.


"#Boykottiertkatjes". Hat für mich etwas von "kauft nicht beim Juden". Schlimm, dass es im Jahr 2018 offenbar Gründe für Angst und Hass gibt, denen scheinbar niemand beizukommen in der Lage ist.

Ist es DAS, was in Kauf genommen wurde dafür, dass ein paar Tüten mehr verkauft werden? Wenn ja, dann ist das für mich nur ein Pyrrhussieg. Es sei denn, die Kunden vergessen schnell wieder, "was da mal war". So, wie sie auch vergessen, dass jeder Mensch individuell ist und nicht in Gruppen abgeurteilt werden kann.

Ein Gedanke noch zum Abschluss... Seit gut 70 Jahren arbeitet Deutschland daran, die Gräueltaten der Nazionalsozialisten zu bewältigen. Wird der Zuzug islamistisch denkender Muslime (wenn auch "nur" ein Teil der Zuwanderer) unser nächstes Trauma?


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