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Zu dumm zum klauen.

Ab und zu geschieht es, dass Bekannte oder Verwandte auf mich zukommen und darum bitten, ein Konzept mit auszuarbeiten. Oder gleich nach Vorgaben für diese komplett selbst zu entwerfen. Meist mit all den geforderten Dingen, die eine Bank beruhigen soll und auch das entsprechende Kapital zu günstigen Konditionen besorgt. Waren Konzepte für die Firmengründung Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre noch recht simpel und überschaubar, so ist in den Jahren der Anspruch an diese Schriftstücke doch recht umfangreich geworden.

Der Verdienst dabei für mich liegt in der Regel darin, dass ich einen warmen Händedruck bekomme. Manchmal wird mir auch eine Flasche irgendwelchen Fusels oder ein Essen versprochen. Auch hier: nichts davon ist bisher eingetreten. Wäre ich von der Einlösung der Versprechen abhängig - ich wäre schon vor langer Zeit zugrunde gegangen. Meine Genugtuung liegt also darin, dass sich von den ganzen Konzepten, Marktanalysen etc. ein für mich ein wenig breiteres Wissen in mir oftmals bis dahin recht fremden Branchen über bleibt. Vom Reinigungsunternehmen mit seinen speziellen Anforderungen, die die Gesetze an dieses stellen, über eine Betreuungssache - viele verschiedene Branchen durfte ich so etwas näher kennenlernen. Und dabei viele interessante Menschen und Organisationen.

Und scheinbar bin ich nicht ganz so schlecht, bisher wurde nur ein einziges Konzept abgelehnt, wobei mir sich schon bei der Erklärung der vermeintlichen Marktlücke der Sinn nicht erschlossen hatte. Gut, dass diese Person also keinen Kredit bekam, so funktioniert der Schutz auch einmal zugunsten des Bittstellers.

Wie dem auch immer sei, im Jahr 2008 hatte ich ja durch die Verkettung mehrerer Umstände nicht nur viel Zeit, sondern auch sehr viel Platz. In Form von einer Immobilie, die nun ohne Nutzung war.

Herumsitzen und nichts tun, das wollte ich nicht, damals war ich der Ansicht, dass Luxus und ein Herzinfarkt mit Ende 40 unbedingt zum Leben dazu gehören würden, wollte man erfolgreich sein. Das sich das nunmehr über die Jahre dahingehend gewandelt hat, dass ich sage "Mir reicht mein Auskommen, das Überleben", war zwar anfangs nicht freiwillig - aber ein ruhigeres Leben ist auch nicht zu verachten. Auch ich nehme am Ende nichts mit und Erben sind keine vorhanden.

Damals also war ich der unbedingten Überzeugung, etwas Neues starten zu müssen. Und zwar eine Sache, die mir sowohl am Herz lag - sonst, so hat mich die Vergangenheit gelehrt - würde das neue Projekt sowieso zum Scheitern verurteilt sein. Als auch etwas geschaffen werden sollte, was es so nicht am Markt gab und was ich gerne nutzen würde. Als Kunde also. Und ich könnte meine Fähigkeiten auf einem anderen Gebiet gut einbringen.

Gesagt, getan, eine kleine Analyse des Marktes gestartet - und Bedarf erkannt. Nicht so sehr viel, aber man würde doch mit etwas Ausdauer ein Auskommen und Einkommen haben, sogar expandieren können. Darauf war das Konzept ausgelegt: wachsen, und zwar unabhängig von einem Standort, Ziel war, ein Franchise aufzubauen. Die rechtlichen Dinge und Voraussetzungen waren auch abgecheckt, das Vertragswerk soweit fertig, eine Stelle für den Aufbau der neuen Existenz als HQ ausgeschaut und bezahlbar. Das Überleben selbst mit nur einem Viertel des eigentlich anvisierten Umsatzes (und einem entsprechenden Gewinn) wäre ohne Probleme möglich.

Nun, warum also aus den damals klammen Taschen finanzieren, wenn doch die Banken zu dieser Zeit schon recht günstige Kredite gaben, eine Finanzierung zu wirklich verlockenden Konditionen über die KfW möglich war. Auch die IHK hatte das Konzept geprüft und für gut befunden, ebenso wie der Steuerberater. Kurz, neben den Institutionen und dem eigenen Willen, etwas aufzubauen, waren auch bald die Sachbearbeiter der Bank von der Aktion überzeugt. Einer der Fachleute hatte gar durchblicken lassen, sich einen Einstieg mit privatem Kapital zum späteren Zeitpunkt vorstellen zu können. Es lief also.

Bis zu dem Tag, an dem ich an einem Faschingsdienstag anstatt zum entscheidenden Banktermin zu fahren die Treppe hinab fiel. Die restliche Geschichte ist ja durchaus bekannt und belastet mich trotz mittlerweile 14 verschlissenen Ärzten noch immer.

Das Konzept aber, das liegt bis heute in der Schublade. Tragfähig war auch die Version, die sich bei der Bank und den Institutionen zur Prüfung befanden. Allerdings nur mit andauernden Anpassungen an die sich wechselnden Marktgegebenheiten. Über die Jahre hinweg bin aber auch ich misstrauisch geworden, behalte gerne ein oder zwei Details für mich, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. So auch in diesem Fall. Zwei kleine Kniffe waren nötig, um eben dieses Konzept erfolgreich zum Leben zu erwecken.

Zwei Jahre lang war also aufgeschoben, für mich aber nicht aufgehoben. Bis ich eines Tages in einer Publikation unseres Stadt- und Landkreises aufmerksam auf eine Annonce wurde. Das von mir entworfene Logo - fast unverändert. Mein Farbkonzept - auf den ersten Augenblick als dieses zu erkennen. Sogar die von mir ausgewählte Schriftart und ein paar Slogans waren eins zu eins übernommen worden. Erst war ich recht angefressen; in der Überlegung, was nun zu tun sei, verhaftet. Bis mir nach dem Studium der Website, deren Aufbau bis auf wenige zeigemäße Anpassungen der meinen entsprach, klar wurde, dass genau die zwei Kleinigkeiten fehlen würden, die in meinen Augen über Gedeih und Verderb entscheiden würden.

Ich beschloss, einfach einmal zu sehen, wie sich das Projekt entwickeln würde. Interessant war für mich auch, dass die Inhaber mir zwar unbekannt waren, aber im Impressum eine Person als verantwortlich geführt wurde, die mir durchaus geläufig war. Und zwar die Person, die mir in Aussicht gestellt hatte, später mit einzusteigen.

Am Anfang lief das Geschäft wohl auch recht gut, nur hatten die "Konzeptionsdiebe" nicht die saisonelle Ausrichtung bedacht, auch nicht, dass gewisse von mir nicht schriftlich festgehaltene Grundanforderungen ein Alleinstellungsmerkmal geben würden, sollte sich hier eine Konkurrenz abbilden oder etablieren wollen.

So kam es also, wie es kommen musste, nach nur einer Saison und einem halben Winter musste der Laden wieder geschlossen werden. Das Konzept war griffig, aber eben nur mit etwas Geschick und Nachdenken auch umzusetzen. Die blanke Übernahme vom Papier im Massstab 1:1 war von vornherein zum scheitern verurteilt. Mit etwas Hirn und unternehmerischem Einsatz wäre es aber möglich gewesen, die Lücke zu erkennen. Ein stures Abarbeiten der Buchstaben, ein reagieren, wenn es denn dann nötig wäre, war von vornherein zu wenig, eine Reaktion auf bereits eintretende Marktverschiebungen zu spät.

Im Januar 2014 ist es soweit, das Konzept hat zu diesem Zeitpunkt dann schon wieder ein Jahr geschlossen. Ob ich dafür Mitleid empfinde? Eher weniger.

Kommentare

  1. Wie heißt es denn so schön:
    „wenn einer, der mit Mühe kaum
    erklommen hat den Baum,
    schon meint, dass er ein Vogel wär,
    so irrt sich der!“ :-)

    Warum nur wusste ich schon nach dem Satz mit
    den „Fachleuten“ wer diesen „Dreh“ durchzog?

    Der Allgäu Hans hofft,
    dass dem noch richtig was am Bein kleben bleibt!

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  2. Das kann doch wohl nicht sein! Wie kann man so dreist sein, und ein komplettes Konzept klauen! Nun stell dir mal vor, der wäre auch noch erfolgreich gewesen... Gut so, dass er auf die Nase gefallen ist. Wie sagte schon Konfuzius: Unrecht Gut gedeihet nicht.

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    1. Ne, das konnte nicht gut gehen, weil da zwei wesentliche Komponenten gefehlt haben ;-)

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    2. Das hatte ich schon verstanden... es hätte aber ja trotzdem sein können, dass er entweder auf die Komponenten selbst kommt oder aber er auch so Erfolg hat, wenn er das irgendwie anderes konzipiert, mit deinem abgewandelten Konzept etwa.

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    3. Na, wenn da das Herz nicht dranhängt, nur die Zahlen gesehen werden, aber nicht, welche Intention dahinter steht - dann übersieht man eben solche Feinheiten.
      Und das Konzept war nicht gewandelt, eben nur aus dem Papier übernommen. Dummerweise ohne die beiden entscheidenden Passagen - die nicht im Papier standen ;-)

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  3. Hut ab, dass du die Geduld hattest, das auszusitzen.. ich wäre wahrscheinlich wie Rumpelstilzchen in der Gegend herumgeschossen und zum Anwalt, Gericht und zur Polizei gerannt... gebracht hätte es wohl nichts, außer mehr Aufmerksamkeit für das geklaute Konzept.... du hast es also richtig gemacht und vielleicht sogar noch ein paar Kleinigkeiten gelernt, um es dann irgendwann wirklich perfekt zu machen.

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    1. Frau Vau, was solls. Im Endeffekt hätte es doch wenig gebracht. Und im Nachhinein betrachtet: das ist schief gelaufen, selbst wenn ich vor Gericht Erfolg gehabt hätte - hätte ich wohl nur die Kosten gehabt.

      Und wie Du sagst: vielleicht mal mit den richtigen Lebenspartnern an der Seite. ;-)

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  4. Was ist denn aus dem Reisedienst geworden wegen dem du mal bei mir angefragt hast.

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    1. Den gibt es nach wie vor, müsste auch ganz gut laufen, denke ich. Wahrscheinlich. Ach, keine Ahnung.

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