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Kellerrally

Willkommem im Keller.

Zum letzten Mal im Keller war ich Anfang Februar 2011. In dem Monat, als der neue Lebensabschnitt begann. Naja, so tolle Dinge liegen da nicht (und ob ;-),  Maschinen eben und Blinkzeug und aromatisierte Lösungsmittel.

Und meine Vorräte. Also die lange haltbaren, die, die eben auch eher flüssig und waagerecht gelagert werden. Vermisst habe ich die nicht, habe ja erst gar keine Lust darauf gehabt und dann auch kürzlich der Vanillelady versprochen, absolut keinen Alkohol mehr zu trinken, um die Gesundheit noch schneller voran zu bringen. Und seitdem gab es nur einen kleinen Ouzo - als ich bei ihr zu Besuch war. OK, ab und zu koche ich mit dem Zeug mal. Aber sonst? Komplett vergessen. War auch nicht so schwer, Alkohol stand eher nicht so auf dem Speiseplan. Gäbe es kein Spezi mehr, wäre ich weitaus trauriger.

Aber, kein Kochwein (RondoS vom Weingut Wirsching, 2004) mehr da, beim LIDL gab es nur so Zeug, welches mir nichts sagt. Gut, dann eben nicht.

Nachdem das mit dem Einkauf heute nicht geklappt hat, ich aber einem wichtigen Menschen versprochen habe, die Stufen demnächst schneller und wie ein Mensch überwinden zu können, muss ich üben, üben, üben. Und was liegt näher, als die Stufen mit Ballast hinter mich zu bringen? Eben - Einkauf im Keller.

Nachdem die Ex ausgezogen war, musste ich bisher nicht mehr in den Keller mit den Kabeln (Mens Heaven). Tür auf, rein geschaut - sieht leerer aus als früher. Könnte daran liegen, dass die Profi-Drechselbank und auch die Profi-Töpferscheibe mit ausgezogen sind. War sicher ein schönes Stück Arbeit, die Schwergewichte den Keller hinauf zu bekommen. Ich habe da nun Platz und werde endlich mal Klar-Schiff machen. Ich brauche dazu aber mehr Koffer. Und viel mehr Kabel. Und dann ist auch wieder Platz für neue Maschinen. Ich hoffe, die haben in den letzten Jahren irgendwelchen Unsinn mit Akkus und Licht erfunden. Das wären Gründe, endlich die Teile mit den Kabeln dran zu ersetzen.

Nächster Halt, kleiner Raum. Das ist der, in dem die Eltern die bescheidenen Vorräte lagern. Da steht eine Gefriertruhe aus dem Jahr 1968. Kein Scherz. Wenn die anläuft, wird im Haus das Licht dunkler. Auch kein Scherz. Keine Angst, die ist schon seit Jahren außer Betrieb. Die will nur niemand nach oben schleppen. Ich sowieso nicht. Außerdem ist das sicher ein guter Schutz, sollte der Nordkoreaner mal wieder rumspinnen. Weiß mans? Eben. Da kann eine kleine Familie drin einziehen.

Kirschen, selbst eingemacht. 1984! VOR Tschernobyl. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum die da noch stehen. Neben Birnen aus 1992. Aha. Letztere sind hier produziert worden, während die Kirschen schon vier Jahre nach dem Einkochen mit umgezogen sind. An die Kirschen ging niemand ran, weil da die Kirschkernbohrerwürmerlarvenkinder obenauf schwimmen. Fein mit abgekocht, wer Interesse daran hat, solche Kirschenschädlinge aus 1984 zu begutachten (Erbgut erhalten!), der möge sich bitte melden. Aber Beeilung bitte, ich habe meine Mutter gebeten, die Dinger zu entsorgen.

Der Hammer aber ist eine Dose leckerste Leberwurst. Irgendwie kam mir diese Verpackung bekannt vor:
Leider steht da kein Haltbarkeitsdatum drauf, soweit ich weiß, ist diese Firma Ende der Neunziger Jahre in Insolvenz gegangen. Von daher etwa müsste die Dose stammen. Jemand Interesse? Ist nicht bombiert. Nachdem mir aber die Vanillelady wegen Bakterien und so Zeugs nochmals ins Gewissen geredet hat (Rohmilch!), bin ich da also eher vorsichtig. Aber, die Wurst war früher mal gut.

Ab in die Kellerbar. In den achtziger Jahren war damals die Überlegung: Schwimmbad im Keller oder Kellerbar? Demokratisch hat dann der Vater (als Finanzierer) mit einer zu drei Stimmen entschieden, dass es eine Bar werden müsse. Klar, nicht irgendeine - DIE Bar. So ein Schmarrn. Dummerweise hat damals niemand darüber nachgedacht, dass in diesem Raum ein fast sechs Meter langer Gasthaus-Stammtisch mit massivem Fuß zwar gut ausschaut, aber leider unbeweglich wird. Muss ich erwähnen, dass das Haus um diesen einen Tisch gemauert wurde? Wiederum kein Scherz. In meiner Familie ist es eine schöne Tradition, fixe Ideen ohne groß darüber nachzudenken sofort umzusetzen. Koste es, was es wolle. Sogar die Bauleute haben damals nur gegrinst. Und waren für die lange Bauzeit froh, endlich einmal einen komfortablen Frühstückstisch zu haben.

Auch dumm: dunkelstes und massivstes Holz zu verwenden. Licht an in der Bar. Nix tut sich. Doch, da, bei genauem Hinsehen - an der Decke funzelt ein 10.000-Watt-Strahler. Manchmal schafft es eine der Funzelungen sogar bis zum Boden. Braucht jemand eine Bar? Selbstabbau und Selbstabholung bitte. Spätere Selbsttötung wegen depressiv machendem Holz aber nicht ausgeschlossen.

"Wummestthaler Schädelknocker" stehen einträchtig neben "Bärenhäger" und dem "Südhang, vom Manni". Ach ja, genau vier Parties haben meine Eltern da gegeben. Dann war denen das zu blöd, immer alles in den Keller zu schleppen.

Ein Blick in den Anschlussraum. Da stehen ein paar Paletten mit Hygieneartikeln (übrig aus meiner Selbstständigkeit) und anderem Zeug. Uninteressant, weiter.

Heizungsraum? Läuft alles.

Waschraum. Pfff..... Die Waschmaschinen und Trockner stehen rum, was solls. Brauch ich nicht, heute nicht mein Ziel.

Das Schmankerl habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Den "mittleren Raum". Meiner. Meine Schatzkammer. Elaborate aus 42 Jahren Leben. WMF, Siemens, alles, was in der Küche nicht immer Verwendung, aber einen guten Namen hat. Jede aussteuergeile Frau würde da quieken. Und ich muss es zugeben: auch ich habe ein kleines Tränchen im Auge. So viele Schätze in Edelstahl, Cromargan und Küchenkunststoff. Einfach schön, die kleinen Brenner und die vielen Kabel. Nostalgie.

Linker Hand steht das Ziel meines "Einkaufes". Das Regal mit den Weinen, Sekten und Spirituosen. Käme ich wieder hoch, ich würde auf die Knie sinken. Was man(n) in knapp zwei Jahren alles vergessen kann.

Cremovo. Oppmann-Sekte (Werksverkauf), Wirsching-Weine, ein paar Brände vom Scheibel und andere Dinge. Was damit tun? Den Cremovo werde ich behalten. Schmeckt ja nicht so schlecht als Soße zu Kalbsplätzchen. Wirsching? Gut für Gulasch. Brände? Eine Sache habe ich gleich umgesetzt, bekommt die Vanillelady. Der Rest? Ist ja bald Rumtopfzeit.

So, nachdem im Keller die Wärme nicht sooo ausgeprägt ist wie in der Wohnung, geht es auch mal wieder nach oben. Den Rucksack fein bepackt, den Stufenrekord geknackt. Bin stolz auf mich.

Morgen aber, morgen wird auswärts eingekauft. Sinnvolle Dinge, essbare und gesunde. Aber so ein Nachmittag im Keller ist auch mal was Feines. Was man da so findet :-)




Kommentare

  1. Ich will die Wurst nicht hab selbst sowas in der Kammer stehen, hoffe dass es irgendwann alleine raus läuft.

    Deprimierende Partymöbel brauche ich auch nicht, danke für dass Angebot.

    Für guten Wein kann ich mich erwärmen.

    Und sollte ich tatsächlich doch noch mal in meinem Leben heiraten klopfe ich mal bei dir zwecks Aussteuer abklopfen, bevor es bei dir im Keller vergammelt meine ich...

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    Antworten
    1. Wurst - Check!
      Möbel - Check!
      Wein - Check! (wurde heute von einer Bekannten um drei Flaschen reduziert!)
      Aussteuer - Check! - sind Aufkleber mit Deinem Namen drauf ;-)

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    2. Ups... Kommentare vom Smartphone sind irgendwie immer ein wenig, hmmm... ungewöhnlich

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  2. Quiek
    nö Auststeuergeil bin ich jetzt zwar nicht im Sinne von, ich werde heiraten, aber meine Küchenutensilien stammen fast alle noch aus der Auflösung meiner Wohngemeinschaft im Studentenwohnheim.
    Da stand damals eine Komplettrenovierung an und nachdem das Zeug ja noch funktioniert habe ich es noch nicht ersetzt.
    Nur eine Pfanne und ein Wasserkocher sind dazu gekommen, alles andere Original-WG, glaub ich.

    Dunkle Partymöbel, na ich weiß nicht.
    Die Wurst? In Anbetracht der Umstände würde ich sie dir auch nicht empfehlen, aber theoretisch kann die niemandem schaden, besonders in deinem Keller nicht.
    Wein, nee das klingt alles nach Rotwein, wenn überhaupt dann bitte Weißen.

    So genuch geschrieben
    viel Erfolg beim Training.

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