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So leicht stirbt es sich nicht!

Wenn man die Krimis und Thriller anschaut, dann sterben die Menschen innerhalb von Sekunden, sobald die Luftröhre zugedrückt wird. Und jeder Messerstich sitzt und tötet auf der Stelle. Naja...

Das wahre Leben sieht anders aus. Klar, es gibt genug Möglichkeiten, ein Leben schnell zu beenden. Mit Sauerei und ohne Sauerei. Qualvoll und schmerzfrei. Auch hier ein Naja. In der Regel ist es so, dass das Leben in unseren Breitengraden, auch Zivilisation genannt, mit einem Siechtum oder Krankheit im Vorfeld endet. Im Jahr 2009 wurde mir erstmals bewusst, dass jeder jederzeit sterben kann. Gleich mehrmals in diesem Jahr passierte es. Ich stand am Grab eines Bekannten, einer Frau, die für mich viel Bedeutung hatte und an einem Baum, unter dem ein väterlicher Freund beerdigt wurde.

Und doch sterben Menschen. Menschen, die man geliebt hat. Menschen, die im Leben eines selbst eine Rolle gespielt habe. Menschen, die man auf einem kurzen oder langen Weg begleiten durfte. Und einfach so sind sie weg. Zurück bleibt ein Loch. Nicht in Worte zu fassen, nicht zu erfassen. Einfach verschwunden aus dem Leben. Keine Chance, noch einmal mit ihnen zu lachen, zu weinen, zu essen, zu leben, zu fühlen. Endgültig.

Das Schicksal macht dabei keinen Unterschied zwischen jung und alt, reich und arm, hübsch und hässlich. Wenn es soweit ist, dann geht es schnell. Aber  bis dahin ist es oft ein weiter, langer, beschwerlicher Weg. Manchmal Monate und Jahre, manchmal nur Minuten und Stunden.

Und manchmal sagt der Arzt "So bis Weihnachten" und der Mensch quält sich weiter über die Runden, lebt jeden Tag wie einen Bonus. Obwohl es zu spät ist, noch etwas zu ändern, die Kraft schwindet, körperlich und seelisch. Und niemand soll bemerken, wie es läuft. Business as usual. Morituri te salutante und niemand bemerkt es. Die vergangene Zeit ist vergangen, wurde so oft einfach verschleudert und verlebt. Mit der falschen Frau an der Seite, mit dem falschen Mann an der Seite. Und wenn die Erkenntnis reift, dass niemand für die Ewigkeit lebt, dann ist es oft so, dass der Kosmos um einen herum schmilzt. Bis auf Sofagröße. Planungen? Machen dann keinen Sinn mehr. Besitz? Irrelevant. Warum arbeiten, wenn es auch so für das Leben langt?

Und es reift die Erkenntnis, dass niemand einen Besitz mitnimmt. Keinen Cent, kein edles Tuch, kein Haus, kein Auto. Und die durch die Arbeit verlorene Lebenszeit, die ersetzt einen niemand mehr. Und besonders dumm sind die, die gearbeitet und geschuftet haben, um einem Menschen, den sie geliebt haben, mehr bieten zu wollen, als es zum Überleben notwendig ist. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Bis dahin sollten wir alle unsere Bonustage nutzen. Nicht erst, wenn wir das letzte Weihnachten schon überlebt haben. Mortuus ante portas - und niemand weiß wann und wo.

Kommentare

  1. Zwei Gedanken dazu, die zum Thema (das mich ja eh täglich beschäftigt) immer wieder auftauchen:

    Selbst wenn man weiß, dass ein geliebter, geachteter, verbundener Mensch sterben wird, man ihn lange und eng begleitet, man Abschied nehmen kann und alles geregelt ist, alles bereit ist, wenn es dann soweit ist und man am Grab steht, trifft die Trauer unbarmherzig hart.

    Und was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nur noch einen Tag leben wirst? Nichts, nicht "den Baum pflanzen", nicht den Kindern die letzten Weisheiten überbringen ... nur noch voller Angst nach einer Möglichkeit suchen, dem zu entgehen (na jedenfalls ich in meiner derzeitigen Situation, bei Menschen mit unheilbaren, belastenden Erkrankungen oder hohem Alter mag das anders sein).

    Gibt es einen aktuellen Anlass für den Post?

    Grüße! N.

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  2. Nach der Diagnose habe ich bis auf zwei Pflanzen alle weggegeben und diese haben Bezug zu anderen Dingen. Du fragst, was wäre, wenn ich wüsste, dass es morgen der letzte Tag wäre? Ich hätte keine Angst, die ist schon vor langer Zeit gewichen. Wie gesagt, Bonuszeit. Das einzige was sich ändert ist, dass man nicht mehr langfristig plant. Naja, manche Dinge schon, um ein Ziel zu haben.

    Einen aktuellen Anlass gibt es nicht. Manchmal sind einfach Tage dabei, die schlechter sind als die schlechten. An denen man sich jeden Schritt und jede Bewegung überlegt. Aber, auch das ist für Dich sicher nichts Neues. Und solange morgen wieder ein Bonustag kommt, ist doch soweit alles in Ordnung.

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  3. Ooh Herr Löffel!
    Als ich deinen Beitrag las, dachte ich zunächst an das Ziehen vor ein paar Tagen. Nun frage ich mich, welche Diagnose?
    Besorgte Grüße vom Frollein

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  4. Hallo Frollein, nein nein, keine Angst, das Gefühl von vor ein paar Tagen hat damit nichts zu tun. Brauchst nicht besorgt sein, geht alles seinen Gang, nichts Unvorhersehbares eingetroffen. Und die Diagnose ist auch schon bald ein Jahr alt, die existiert nur noch ganz hinten irgendwo in der Hirneckablage ;-)

    Bitte erinner mich im Herbst daran, den Ysop auszugraben!

    Gruß
    Holger

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