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Ratlosigkeit

Was soll ich tun? Und vor allem: was sollen WIR tun? Mit "wir" meine ich die Kartjungs. Regelmäßige Leser (an dieser Stelle einmal DANKESCHÖN für bis zu 400 Klicks/Tag) wissen, dass wir Donnerstags so gut wie immer zum karten fahren. "Wir" sind fünf Männer, die sich seit der Schulzeit kennen, also teilweise schon gut 40 Jahre.

Allerdings macht uns unser "Kartbenjamin" Sorgen. Nicht dass er krank wäre. Oder Sorgen oder Probleme hat. WIR haben Sorgen und Probleme mit ihm. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

1984 kam er zu uns in die Klasse, ist eigentlich ein witziges und intelligentes Kerlchen. Gut, in den letzten Jahren hat er seine Gesprächsthemen auf "Katze" und "Karten" und "Tablegames" eingeschränkt. Aber sonst ist er ein ruhiger, wenn auch schrulliger Kumpel. Wir mögen ihn auch deshalb, weil wir alle unsere Macken haben, nicht nur eher. Bis dahin ist somit alles ganz normal und entwickelt sich.

Wäre da nicht das Problem der Hygiene. Nein, schon wieder falsch, wieder sind es nicht wir, die das eigentliche Problem haben. Und dumm nur, dass ER auch kein Problem sieht. Mit eben seinem sehr eigenen Körpergeruch. Mal eben zwei Tage nicht geduscht und etwas müffelig unter den Armen? OK, kann mal passieren. Auch sonst sehen wir das nicht so eng, wir stehen alle mitten im Leben.

Aber, es gibt Grenzen. Und die sind nun erreicht. Niemand mag mehr neben ihm sitzen. Grund: Ausdünstungen übelster Art, nachdem monatelang(!) keine Dusche von innen gesehen wird. Und gegenüber will auch niemand sitzen, denn der Mundgeruch steht in keiner Weise dem Körpergeruch nach. Auch hier ein eigentlich leicht abzustellender Grund: monate-, wenn nicht gar jahrelange Verweigerung einer Zahnbürste. Kurz: dieser Mensch hat die Körperhygiene komplett eingestellt. Dumm nur, dass es ihm egal ist.

Wir schämen uns schon, wenn wir im Lokal sitzen und die Bedienung kommt. Und hoffen, dass sie erkennt, wer am Tisch so stinkt. Und komischerweise haben wir Mitkarter uns alle eines angewöhnt: sofort nach dem Heimkommen vom karten werden die Hände gewaschen. Ich habe sogar Desinfektionstücher im Auto, um mir die Finger zu reinigen. Und wenn ich in seinem Auto mitgefahren bin, dann wird sofort die komplette Kleidung vom Leib gerissen und in die Wäsche gegeben.

Ich könnte da Dinge erzählen, von Wasser, welches nach seinem Auftauchen aus dem Schwimmbadwasser abperlt über hemmungslos am Tisch gerollte Popel bis hin zum ausgedrückten Pickel, der verspeist wird. Klingt unglaublich, aber die Kartkumpels lesen teilweise hier mit uns werden mich steinigen, wenn ich Lügen erzähle. Und wer ihn auch nur entfernt kennt, der weiß, wie übel es momentan ist.

Zum Geruch, den wir über die Jahre gelernt haben zu akzeptieren, kommt nun dazu, dass wir immer öfter von Außenstehenden zu diesem Thema gefragt werden. Und WIR schämen uns. Obwohl WIR ja an seinem Zustand unschuldig sind. Für uns ist nun die Grenze erreicht, wir wollen ihm die Sache mal näherbringen. Die deutsche Erziehung ist ja derart angelegt, dass man solche Missstände eher totschweigt als es anzusprechen.

Warum aber sollen wir uns weiter beeinträchtigen lassen und auf sein Empfinden Rücksicht nehmen, uns stark einschränken lassen? Nicht wir sind es, die unheimlich ungepflegt auftretenund -Entschuldigung- aus dem Maul stinken wie ein Schwein aus dem Arsch.

Traurig, aber im 21. Jahrhundert gibt es wirklich noch Menschen, die ungepflegter sind als die Stiefel eines Schweinestallausmisters direkt nach der Arbeit. Für uns ist das Maß voll, wir können es einfach nicht mehr ertragen. Und die Reaktion erahnen wir auch schon: er wird wohl beleidigt sein und sich zurückziehen. Naja, dann ist wenigstens die Nase mal beruhigt...

Kommentare

  1. ... na, ich denke, es ist hier etwas mehr als nur die mangelnde Körperhygiene. Die ist nur Endprodukt von einem "seelischen" Leiden.

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  2. Also, das ist ein sehr heftiges Problem, das ich allerdings gut kenne. In unserer Familie gibt es auch einen Mann, dem die Körperpflege und Sauberkeit um ihn herum vollkommen egal ist. Früher hat sich seine Frau darum gekümmert und für frische Kleidung gesorgt, heute, seitdem er alleine lebt, muss zweimal die Woche jemand kommen, um ihn zum Duschen und Wäschewechsel zu animieren. Geputzt wird natürlich auch. So können wir einen hygienischen Standard halten, der vor allem für Besucher ein erträgliches Niveau hat.

    Es ist eine innere Einstellung, besser wohl eine fehlende, dieser Menschen, sonst würden sie Abhilfe schaffen, vor allem, wenn sie merken würden, dass sie Menschen, die ihnen eigentlich lieb und teuer sind, damit belasten.

    Aus meiner Erfahrung steckt das Problem, das aber offensichtlich nur für uns und nicht für die Betroffenen selbst eines ist, so tief, dass auch ein direktes Ansprechen der Thematik beim Betroffenen zu keiner Änderung in seinem Verhalten führt, jedenfalls nicht dauerhaft.

    Ob hier Therapie hilft - ich weiss es nicht. Ich sehe für Euren Freundeskreis nur die Möglichkeit, dass es von einem in einem Vieraugengespräch mit ihm angesprochen wird. Ändern wird sich, wie erwähnt, grundsätzlich wohl nichts, aber vielleicht reißt er sich dann wenigstens für Euren gemeinsamen Abend zusammen.

    Glückauf!

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  3. @ Pupes: Aus der Familie wird er keine Unterstützung erhalten, da ist es teilweise ebenfalls sehr krude.

    @ Blogspargel: Wir versuchen es beim nächsten Treffen mit einem Gspräch. Sowas hatten wir vor gut 20 Jahren schon einmal, da war es aber noch aushaltbar. Nun ist die Grenze aber soweit überschritten, dass sogar ich einen weiteren Schritt gehen möchte. Mal sehen, was das Ergebnis ist.

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