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Anziehen in Rekordzeit und Kindergarten des Selbstmitleides

Täglich wird es besser. Mein körperliches Befinden. Habe ich in "Spitzenzeiten" eine gute halbe bis eine Stunde für den kompletten Wechsel der Wäsche benötigt, so war ich heute in nicht einmal fünf Minuten nach dem Duschen fertig angezogen. OK, plus die Zeit für das Abtrocknen des doch noch recht großen Körpers. Obwohl sich da auch schon einiges getan hat. Die Infektion ist fast abgeklungen, Penicillin und Antibiotika schlagen an. Zudem hat die Jodlösung äußerlich auch einen guten Teil dazu beigetragen. Der Bauch ist nicht mehr so prall, Bewegung, Atmung und das Bücken sind kein Problem. Kein Scherz, das Wasser im Bauch (von der Ärztin auf gut vier Eimer geschätzt) hat mich die Balance fast komplett verlieren lassen. Dazu kam, dass die Muskeln durch die wenige Bewegung und dem Abbau durch den Eiweißmangel meinen Körper nur schwer tragen konnten. Gehe ich die Treppen nun wieder in einem Zug hoch ohne zu schnaufen, so musste ich an den schlimmsten Tagen bei 15 Stufen drei Pausen einlegen. Wohlgemerkt: ohne dass ich die Einkäufe dabei hatte. Das wäre mir unmöglich gewesen. Wenn ich daran denke, dass ich im Jahr 2007 noch Papierrollen mit 160 kg Gewicht ohne Hilfsmittel tragen konnte..... Grausam!

Heute also ist es mir erstmals aufgefallen - ich kann mich in einem Zug anziehen, muss dabei nicht mehr schnaufen, bin wieder fast so beweglich wie früher und muss mich nicht einmal konzentrieren. Die Muskeln bekommen wieder etwas mehr Volumen, die Schultern sind nicht mehr eingefallen wie erst noch kürzlich und der Kopf ähnelt weniger einem Totenschädel. Es geht halt aufwärts, auch, wenn es manchmal kleine Rückschläge gibt und manches sehr, sehr lange dauert. An dieser Stelle (bleibt von diesen Damen wohl leider ungelesen...) nochmals einen innigen Dank an Ex-FrauDSL, meine Ärztin Frau Doktor F. und Michelle S. Mädels, Ihr drei habt mich gerettet, das ist nicht übertrieben.Und ich bleibe dran, ich habe da ja noch so das eine oder andere Ziel ;-)

Und Kindergarten gab es in dieser Woche auch. Nicht an jedem Tag in der Woche bin ich so guter Dinge und in einer so guten psychischen Verfassung wie heute. In dieser Woche gab es wieder einen kleinen Rückschlag in Sachen "offene Stelle am Bauch", die allerdings ebenfalls in Rekordzeit eingedämmt wurde und den einen oder anderen Tiefpunkt in meinem seelischen Befinden. Na und? Ex-FrauDSL fehlt mir an allen Ecken und Enden. Würde ich anderes behaupten, dann müsste ich lügen. Ich arbeite daran und tröste mich damit, dass es ihr sicher sehr gut geht und sie glücklich ist. Ist mir allemal lieber, als dass sie hier mit mir nicht glücklich wird. Und ich schreibe hier darüber, was für mich eine Therapieform bedeutet. Ich habe ja mit Ex-FrauDSL meinen besten Freund in Personalunion mit meiner Lebensgefährtin verloren, möchte eigentlich kaum mit jemanden darüber sprechen. Schreiben reicht mir aus, es hilft.

In meinem Leben differenziere ich seit Jahren eigentlich sehr genau, wie wichtig mir Menschen sind.

An erster Stelle stehen meine Familie zusammen mit dem besten Freund (fehlt nun, da Ex-FrauDSL nicht mehr da ist)
Dann kommen Freunde, wie meine Kartkumpels, mein Konditorfreund und ein paar wenige andere Menschen. Das dauert aber Jahre, bis man dahin kommt, dazu gehört Vertrauen, und das entwickle ich gegenüber anderen Menschen nur sehr langsam.
Und dann gibt es noch Bekannte. Das sind Menschen, die man halt irgendwann einmal kennengelernt hat, aber eigentlich keine besondere Bindung dazu hat. Kurz: wenn die aus dem Leben verschwinden, dann ist es nicht schlimm. Randnotizen des Lebens eben.

Rat nehme ich von Familie und bestem Freund gerne an, denn das sind Menschen, die mich mögen um meiner selbst. Gute Freunde bringen mir einen Gedankenaustausch, die eine oder andere Anregung für mein Leben und ich unterhalte mich gerne mit ihnen. Und dann die Bekannten. Die schneien irgendwie und irgendwann im Leben vorbei und sind kurze Episoden im Leben. Deren Meinung interessiert mich in der Regel sehr wenig bis überhaupt nicht, dass sind also keine maßgeblichen Perönlichkeiten im Leben.Gedankenaustausch ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. Denn: sie kennen mich nicht.

Und gerade die Bekannten fühlen sich oft genötigt, mir ihre Meinung aufzudrängen und "gute Ratschläge" zu geben. Früher habe ich wenigstens noch Interesse geheuchelt, die Erziehung verbat es, direkt die Leute vor den Kopf zu stoßen. Und heute spreche ich es einfach aus, wenn es mich nervt. Auch eine Weiterentwicklung seit dem Auszug von Ex-FrauDSL. Und auf deren Anregung. Recht hat sie.

Wie auch immer, es gibt da Menschen, die meine Bewältigung meiner Probleme als "Selbstmitleid" abtun wollen. Klingt vielleicht manchmal auch so, wer mich aber näher kennt, der weiß, dass ich in Selbstmitleid sicher nicht versinke, dass ich nur gerne über meine Probleme nachdenke und eben notiere, reflektiere. Das kann in positiven wie auch in negativen Ergebnissen münden. Und manchmal komme ich gar nicht weiter und schreibe eben mein Elend auch auf. Ein Freund kann das unterscheiden, ein Bekannter in keinem Fall, da ich diesen nicht so weit an mich heranlasse.

Einer dieser Bekannten war also in dieser Woche bemüht, mich vor den Sensationsgeilen und Katastrophenguckern zu bewahren, hat mich "gewarnt", dass eben er und sicher auch manch anderer nichts mehr darüber lesen wollen. Na, da kann ich doch mit leben, wer es nicht lesen will, den zwinge ich auch nicht. Dieser Bekannte hat sich also in der Folge auf meine Email als Leser abgemeldet. Ohweh, meine Welt bricht zusammen. Nicht falsch verstehen, ich schreibe gerne für andere Menschen, drum führe ich auch einen Blog. Und Abonnenten zu haben ist wie der Applaus im Theater. Blog und Theater - für mich beides auch ein wenig voyeuristisch. Aber, wer etwas nicht lesen will, was ich schreibe, der kann es doch einfach zuklicken. (oben rechts im Eck auf das Kreuz klicken!) Im Umkehrschluss geben mir aber dann doch bis zu 400 Klicks am Tag Recht und bestätigen, dass die Menschen entweder an meinem Leben teilhaben wollen. Oder die Neugier ausnehmen. Wie auch immer, dafür ist ein Blog da.

Gestern Abend habe ich dann eine Email von einem Freund bekommen, der mich darauf hingewiesen hat, doch mal in den Blog des Bekannten zu gucken, da wäre eine Anspielung auf mich. Dazu muss ich sagen, dass ich den Blog zwar in der Blogroll hatte, den aber nur noch maximal sporadisch besucht habe. Grund: für mich uninteressante Rezepte und meist noch uninteressantere Themen. Ist ja nicht schlimm, jeder Mensch hat andere Prioritäten. Blöd nur, dass ich den Grönemeyer nicht mag und schon deshalb das Lied "Selbstmitleid" nicht anklicken werde. Ein Freund hätte das gewusst (meine Kartkumpels hätten mir nie einen Grönemeyer "verehrt"...) Mit einem Grinsen im Gesicht habe ich mich dann halt auch als Leser in diesem Blog abgemeldet. Für mich kein Verlust. Ein Freund reagiert anders als ein Bekannter, was meine Selektion ja wieder bestätigt hat. Kindergarten halt.

Kommentare

  1. Warum auch immer, dieser Eintrag berührt mein Herz!

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  2. Hallo Frau Currywurst, danke für Deinen Kommentar! Schön, dass es anderen Menschen gefällt, was ich zu schreiben habe.

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