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Dumm angeschaut...

Manchmal geschehen Dinge im Leben, die einem zum Nachdenken bringen. Meist geht es einem danach einfach nur besser, manchmal kommt auch etwas dabei heraus, was das eigene Leben irgendwie neu ordnet.

Für mich war es irgendwann mal an der Zeit, über Gott nachzudenken. Gibt es ihn, in welcher Form, glaube ich wirklich - oder übernehme ich nur das, was mir die Schule beigebracht hat. Richtige Anregungen zum kritischen Hinterfragen gab es ja nie. Man hat halt seine Religion, weil die Eltern es so vorbestimmt hatten. Auch die Konfirmation hat man erhalten, nachdem man sich erst mühsam ein Jahr durch den Präparanden- und dann nochmals ein Jahr durch den Konfirmandenunterricht gequält hatte. Schon damals war die eigentliche Belohnung das pekuniäre Häufchen am Ende der Konfirmationsfeier. Wenn man sich dann mal ohne den Pfarrer so unterhalten hat, kam an das Tageslicht, dass eigentlich niemand wirklich "glaubt". Außer dem Jungen, dessen Eltern im Kirchenvorstand ihre Ambitionen zeigten.

Mitgemacht habe ich die Veranstaltung eigentlich schon damals nur, weil ich keine Lust hatte, gegen das "das macht man halt so..." aufzubegehren. Mit 14 Jahren hatte ich wirklich andere Dinge im Kopf. Den VC20 von Commodore zum Beispiel, den es für das Konfirmationsgeld gab. Und die 128k(!) Speichererweiterung. Bis heute habe ich nicht wirklich den Durchblick in religiösen Fragen. Und das geht bei allen Dingen so, die mich nicht interessieren.

2008, ich hatte da mit einem Mal viel Zeit für mich, war wieder so eine nachdenkliche Zeit. Und mir wurde bewusst, dass ich weder an Gott, noch Jesus oder die Bibel glaubte. Jede Religion gibt doch vor, die einzig Wahre zu sein. Und alle anderen Religionen sind falsch. Umgekehrt gedacht heißt dies, dass ich wohl sowieso in die "Hölle" komme, denn ich kann ja nur in einer Religion sein - und das ist aus der Sicht der anderen Glaubensgemeinschaften immer die Falsche. Komischerweise hat mich das beruhigt - und zu weiterem Nachdenken angespornt. Der katholische Glauben; von dem meine urprüngliche Religion, das evangelische Zweiglein, abstammt, ist ja schon ein paar Jahrhunderte alt. Und trotzdem ist es der Kirche nicht möglich, einen Beweis für die reale Existenz von Jesus zu erbringen. Clever gemacht, die Beweise sind ja in den Himmel aufgefahren. Na gut, wenn keine Beweise vorhanden sind, dann muss ich (also die Kirche) dem leichtgäubigen Volk die Naturgötter austreiben und etwas versprechen. Und zwar den Frieden im Himmel, wenn der Gläubige brav für die Kirche den geforderten Fron leistet und noch braver seine Steuern bezahlt. Klar, zu jeder Zeit gab es Zweifler, die als Ungläubige tituliert wurden. Ich bin wohl auch so ein Mensch. Uns hat man dann gedroht, dass wir in das Fegefeuer müssen. Ich bin am Tage meines Ablebens gespannt, welche Höllen (es gibt ja genug Religionen, denen ich nie angehört habe) sich um meine Seele reißen werden.

Wenn man dann in unserer Geschichte zurückschaut, ging es in den Kriegen immer nur um zwei Dinge - Bodenschätze (momentan Öl und Gold, Diamanten, in der Zukunft wohl auch um Wasser) und Sachwerte - und um Religion. Die Kirchen haben hier immer unter dem Mantel der Falschgläubigkeit der Anderen versucht, deren Länder zu anektieren. Allen voran unsere amerikainschen Freunde, die ihre Moral gerne nach außen tragen, nach innen aber mindestens so verkommen sind, wie auch unsere "Glaubenswerte" mit den Füßen getreten werden.

Oft kommt dann an dieser Stelle bei Diskussionen um den Glauben der Einwurf "Und wo kommt das alles her?" Gemeint ist damit die Erde, das All und alle anderen Dinge um uns herum. Auch ich kann hierauf keine Antwort geben. Die Chance, dass es einen Gott gibt, der alles erschaffen hat, stehen für mich bei maximal 50 %. Die anderen 50 % gestehe ich der Natur zu. Wann unsere Erde entstanden ist, kann mittlerweile naturwissenschaftlich recht präzise nachgewiesen werden. Geschätzt werden ca. 4,55 MIlliarden Jahre. Und hat die Bibel nicht gesagt, dass wir irgendwann innerhalb von sieben Tagen ab dem Tag null erschaffen wurden? Der Homo sapiens ist aber erst gute 130.000 Jahre alt. Quelle: KLICK! Da fehlt mir in der Zeitrechnung aber dann doch etwas zuviel. Zumal auch nachgewiesen wurde, dass unsere Erde in der ersten Zeit ja nicht bewohnbar war.

Die Sache mit dem Herrn Evolutionstheoretiker, Darwin, macht für mich schon eher Sinn. Irgendwie ist das für mich schlüssiger und glaubhafter als eine in den Raum geworfene Theorie von übermenschlichen Wesen.

Wir haben ja noch den direkten Vertreter von Gott auf Erden, den Papst. Der (alte) Mann wird von (alten) Männern hier auf Erden gewählt. Prädestiniert für den Job ist wohl jeder, der nicht allzu viele Flecken auf der weißen Weste trägt. Das Wahlkonsortium ist dann scheinbar auch sehr konsensfähig. Warum und zu welchen Bedingungen ein Papst gewählt wird, bleibt wohlweislich im Verborgenen. Ich stell mir das immer so vor:

- die Kirche ist ein Unternehmen
- die Produkte (der Glaube) müssen verkauft werden
- das Merchandising und die Schulungen (Bibel, Gottesdienste) sorgen für die Erneuerung und Erhaltung des irgendwann einmal eingetrichtert Bekommenen.
- mit Drohungen (Hölle, Hölle, Hölle) wird das Abspringen in andere Firmen (also Religionen) verhindert,ein Denken abseits der kirchlichen Doktrin undenkbar (= Sünde!)
- für das, was dem Kunden (Religionsmitglied) versprochen wird, wird eine Gebühr verlangt, in Deutschland treibt diese sogar der Staat ein!
- in eine Leistung geht die Kirche dennoch nicht, denn es wird ja nichts versprochen. Nur in Aussicht gestellt. Und Tote können ja auch nur schlecht reklamieren.
- Der Papst ist Ausichtsratsvorsitzender, der kleine Pfarrer vor Ort somit das Pendant zum am Band arbeitenden Gläubigen. Und dazwischen? Eine Hierarchie wie in jeder größeren Firma.

Wer sich einmal mit einem kleinen Angestellten (z. B. Hausmeister in einer kirchlichen Einrichtung) unterhalten hat, der wird erfahren, dass gerade kirchliche Arbeitgeber sehr weit weg von sozialem Verhalten gegenüber den eigenen Angestellten sind.

Das alles hat mich irgendwann dazu gebracht, weder an Gottheiten jedweder Art noch an die Kirche selbst zu glauben. Meine Meinung: alles ein geschickt aufgezogenes Spektakel, welches sich der Ängste der Menschen bedient, diese gefügig und zahlungsbereit zu halten. Aber, wer weiß. Vielleicht liege ich ja sowas von daneben. Was aber auch nichts macht, denn Gott vergibt -wie die Kirche gerne verbreitet - jedem. Und gerade die gefallenen Schäfchen nimmt er doch bei sich besonders gerne im Himmel auf. Oder?

Ach ja, besonders unerträglich ist es momentan für mich, wie sich die katholische Kirche um ein klares Schuldanerkenntnis in Sachen Misshandlung Schutzbefohlener verhällt. Und noch ein geschickter Schachzug: eine Telefon-Hotline. Da wird dann an immerhin drei Tagen in der Woche der gequälten Seele suggeriert, dass ihr geholfen wird. Wäre es nicht ehrlicher gewesen, die Sachverhalte aufzunehmen und an die Staatsanwaltschaften weiter zu leiten? Ich will nicht wissen, was da alles wieder unter den Teppich gekehrt wird. Die katholische Kirche hat es in meinen Augen wieder einmal geschafft, Herr im Haus zu bleiben. Mein Aufruf an alle gequälten, vergewaltigten und geschlagenen Menschen - gehen Sie zur Polizei und zur Staatsanwaltschaft. Machen Sie das Richtige, auch wenn es Jahrzehnte her ist.


Daher an dieser Stelle auch ein "Frohes Ostern" für die, die glauben. Wer(s) glaubt wird seelig!

Kommentare

  1. Holger, Holger---- wie kannst du nur.
    Wie kann man sich, und das auch noch zu Ostern, so outen?
    Ich denke da noch etwas weiter und tiefer gehender als du (provokativer) aber...... das sagt man doch nicht in der Öffentlichkeit.
    Denn die da "glauben" (wobei glauben, ja nicht wissen heisst) wollen in ihrer Einfalt nicht darüber nachdenken.
    Sagen wir mal so. Meinen Applaus für diesen Artikel hast du.
    Gerhard

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  2. Hallo Gerhard,

    danke für die Zustimmung. Da haben wir ja ein Thema für das nächste Treffen!

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