
Foto: Hennemann in Stublang
Moderne Zeiten kannte ja auch schon Charlie Chaplin. Moderne Zeiten haben auch wir, jedoch muss man die Moderne auch einzusetzen wissen. Trotz E-Mails, Handys, Festnetz, Fax und wer weiß was alles, sprechen die Menschen zwar miteinander, aber oft auch aneinander vorbei.
So wie Frau DSL und ich heute. Das Ergebnis war, dass wir zwar zum Abendbrot pünktlich zu Hause waren, jedoch nichts zu essen hatten. Ergebnis: ich zu faul etwas zu zaubern, Frau Gräfin zu unlustig, unser adeliges Essen (von Gestern) zu essen. Auf in den Rappen, gen Süden galoppiert.
Wie wir uns so über das Land treiben lassen, fällt mir ein Ortsschild in das Auge: Ützing. Im Coburger Land ein Synonym für hervorragendes Brot. Frisch aus dem Holzofen, allein der Geruch in der Bäckerei haut einen um. Kein Chichi, kein BussiBussi, eine Mischung aus neu und rustikal. Und da liegen die Objekte unseres Begehr: Rund, zwei Kilo schwer, dicke Kruste. Die Wahl war heute zwischen Mehrkorn (für Frau DSL) und "gewürzt" möglich. Je ein Rundling durfte es sein, dazu noch frische Laugenstangen. Nur gut, dass ich keinen Geruch mit dem Blog übertragen kann, dies würde wohl zu Schlangen im Bäckersladen führen. Aber ein Bild kann ich machen....

Foto: Ützinger Holzofenbrot, gewürzte Version
Mit einem fetten Grinsen im Gesicht ob der Gelüste, die in dem Laden geweckt wurden, wollten wir wieder den Heimweg antreten. Weit gefehlt, fiel unser Blick doch auf ein kleines Schild "Hausmetzgerei - Dorf-Laden Reichert". Klick. Zwar gibt es keine Groschen mehr, bei uns ist jedoch einer gefallen. Laut. Vernehmlich. DAS ist der Metzger, von dem wir über Umwege und unter strenger Geheimhaltung regelmäßig unsere "Knacker" bekommen.

Foto: "Knacker", entspricht in etwa einer Rohpolnischen.
Muss ich sagen, dass die Ladenauslage an Knackern komplett aufgekauft wurde? Und noch dazu zum gut halben Preis wie sonst üblich. Hausgeräucherter Schinken, Wurst in Dosen in allen Varianten. Auch ein Stückchen geräucherten Schafsschinken haben wir zur Probe bekommen. Wer möchte, kann sich den Scan ausdrucken und direkt in der Metzgerei bestellen.


Eigentlich hätten wir nun ja genug für eine Brotzeit gehabt, aber der Heimweg führt nicht nur an der Metzgerei vorbei, auch den "Hennemann" in Stublang müssen wir passieren. Früher unser weitestes Ziel für Speisegaststätten, als sehr lecker im Gedächtnis. Blinken, bremsen, parken.
Und vor dem Lokal begrüßt uns ein neues Schild: "Biergarten geöffnet". Wir waren schon über zwei Jahre nicht mehr vor Ort, haben uns den Weg zum Biergarten erklären lassen - und waren geteilter Meinung. Während ich diesen überhaupt nicht gemütlich fand, war Frau DSL angetan. Für mich fällt dieser in die Kategorie: hätte Hinterhof bleiben sollen. Mühe haben sich die Wirtsleute ja gemacht; ich hätte lieber auf der Terrasse gesessen. Egal, wenn das Essen wenigstens passt.

Foto: Der Biergarten hinter dem Haus

Foto: Biergartenunsitte, mag ich nicht. Wer weiß, wer da schon alles mein Besteck in Händen hatte.
Die Order war schnell aufgegeben, zwei Spezi (Brambacher kam...), für Frau DSL einen Jägerbraten mit Kloß und Rotkraut, für mich der Sauerbraten, den ich esse, wann immer ich ihn nur bekommen kann. Ebenfalls mit Kloß und Rotkraut.

Foto: Sauerbraten

Foto: Jägerbraten
Die Zeit auf den nackten Bierbänken verging im Hinterhof nur langsam, als dann endlich das Essen kam. Lange hat es eigentlich nicht gedauert, aber so komplett allein im Hof, da vergeht die Zeit schon mal langsam. Besonders mit großem Hunger im Bauch.
Unser Essen kam zeitgleich, nur mangels eines dritten Armes musste die Bedienung das Rotkraut nachliefern. Während das Essen von Frau DSL wenigstens optisch hoffen ließ, war ich schon vom Anblick enttäuscht. Wässrige Soße, schlecht aufgelöster Sulz. Das Fleisch zwar schon warm, aber ohne Eigengeschmack, weich, aber ohne Aroma. Wasserbad lässt grüßen. Die Soße schon optisch nicht toll, hatte ihre Geschmacksanteile wohl schon länger ausgehaucht. Macht satt, stopft ein Loch - mehr aber auch nicht. Schade, wir hatten den "Hennemann" viel besser in Erinnerung. Der Jägerbraten, optisch in Ordnung, war zwar mit Schweinefleisch anstatt wie bei mir mit Rind serviert, aber auch hier mehr Schein als Sein. Trocken, scheinbar ein Stück Schweinelachse, geschmacksneutral, an einer säuerlichen Soße. Die Pilze aus der Büchse, die Soße sehr Geschmacksverstärkerverdächtig.
Einziger Lichblick, na, besser ein Funzeln im Dunkel: das Rotkraut. Zwar nur durchschnittlich und etwas sehr nach Weihnachtsgewürz schmeckend, aber doch die beste Komponente der Speisen.

Foto: Rotkraut
"Wars in Ordnung?" Ja. War es. Leider aber nicht mehr. Hätte die Frage gelautet: "Hat es geschmeckt?", wäre die Diskussion wohl länger geworden. Egal, wir haben umgehend bezahlt und leider fast fluchtartig das Lokal verlassen. Ach ja, bezahlen mussten wir ja auch. Spezi 0,4 Liter - € 2,40, Sauerbraten - € 8,20, Jägerbraten € 7,20. Auf dem Hof waren wir uns sicher, dass das Restaurant früher mindestens zwei Klassen höher gekocht hat. Schade, so wird es nichts als Zwischenziel bei der nächsten Heimfahrt.
Die größte Folter kam dann aber im Auto. Der Geruch von frisch geräuchertem Fleisch, dazu die Laibe frischen Brotes. Foto davon? Gerne....
Vielleicht hatte der Laden nur einen schlechten Tag? Als ich über die Osterfeiertage dort einkehrte,fand ich es eigentlich sehr gut...
AntwortenLöschenUns ging es ja auch so. Jahrelang war es gut. Demnächst versuchen wir es nochmals, dann können wir schauen. Schade war es aber schon...
AntwortenLöschenDas hätt ich dir sagen können.In Stublang sind alle 2 Gaststätten nur noch Massenabfertigung eingstellt.
AntwortenLöschenZumindst im Falle Hennemann muss ich das vorerst bestätigen. Schade, war es doch früher wirklich gut.
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